Hei Ma – Verloren in Peking
Neuerdings kommen nun auch die Bücher der Metropolen-Serie der Süddeutschen Zeitung zu mir ins Haus; genauer gesagt ins Büro, weil die Postzustellung zuhause nicht zuverlässig funktioniert, aber das ist eine andere Geschichte.
Hei Mas Geschichte beschreibt eine Gruppe von Schriftstellern und Literaturkritikern, die sich im China der 1990er Jahre in Peking mit der Bürokratie ihres “Avantgarde”-Verlags herumschlagen müssen. Die meisten von ihnen stammen vom Land und wohnen bunt zusammengewürfelt in einem ziemlich heruntergekommenen und vollkommen überbelegten Wohnheim des Verlags. Diese Umstände sind quasi ein Treibhaus für Ambitionen und Neid, Beziehungsprobleme, Intrigen und Erfolg direkt neben Misserfolg.
Obwohl die Erzählung im Roman grob chronologisch geordnet ist und es Kausalzusammenhänge zwischen den beschriebenen Ereignissen gibt, entstand für mich eher der Eindruck, in ein Kaleidoskop zu schauen. Ma beschreibt verschiedenste Aspekte des beengten Zusammenlebens dieser Intellektuellen des post-maoistischen China. Hier beschreibt die Zuzugsproblematik nach Peking für die Ehefrauen der Literaten vom Land, auf die sie manchmal jahrelang warten müssen. Ein paar Seiten weiter hat sich das Kaleidoskop um einige Grad gedreht und ein Schlagerball mit Stars, Sternchen und Eintagsfliegen wird beschrieben.
Eine faszinierende Art der Beschreibung, sehr dicht und abwechslungsreich, ohne dabei rastlos zu wirken.