Marlene Streeruwitz – Verführungen

Die Autorin schreibt über eine Frau, die im Wien des ausgehenden 20. Jahrhunderts von ihrem Mann verlassen wird. Der Mann, Hochschuldozent, hat sie zunächst mit seiner Sekretärin betrogen, später dann mit anderen Frauen und sogar ihrer besten Freundin. Ihr bleibt es überlassen, sich und ihre beiden Kinder von ihrer Tätigkeit in einer dubiosen Werbeagentur zu ernähren.

Die Protagonistin ist eingentlich ein moderner Antiheld: Manchmal ist sie es, von der die Initiative ausgeht, doch meistens ist sie ein Spielball des Geschicks, das ihr meistens alles andere als gewogen ist. Ihr Glück mit anderen Männern ist nie von Dauer, ihre einzige Freundin hat ein Drogenproblem, eine Affäre mit ihrem Exmann und begeht schließlich Selbstmord. Trotz allem versucht sie, ihren Kindern die perfekte Mutter zu sein, ihrem Arbeitgeber gegenüber gute Arbeit abzuliefen und spielt für ihre Eltern weiterhin die fröhliche Ehefrau und Mutter.

Bedrückend und vermutlich leider realistisch ist die Schilderung des Umgangs der beiden getrennten Eheleute im Roman. Sie hassen sich total, wollen den Schaden und Schmerz des anderen, beinahe um jeden Preis. Und dieses Verhalten scheint nicht mal selten in Trennungsfällen zu sein. Was ist es, dass die Menschen zu angriffslustig macht. Oder, um den Gedanken der Einwohner des Bergdorfs zu folgen, die Carlo Levi in Christus kam nur bis Eboli zu folgen: Wie muss man die Regeln der Gemeinschaft anpassen, um solche Situationen zu vermeiden oder wenigstens möglichst unwahrscheinlich zu machen?

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