Carlo Levi – Christus kam nur bis Eboli

Levi ist Italiener, Arz, Maler und Schriftsteller. Er wird im faschistischen Italien der 1930er Jahr in ein einsames Mittelgebirgsdorf in Süditalien verbannt. Die Menschen dort pflegen ob ihrer Armut zu sagen, Jesus Christus sei auch nur bis Eboli gekommen, einer Stadt nördlich von der Region, in der die Menschen in einem Kreislauf ewiger Armut dahinvegetieren. Sie fühlen sich von Gott verlassen, sie leben und sterben wie die “Hunde”, wie sie selbst sagen. Das Land ist Malariaverseucht, das ortsansässige Kleinbürgertum spielt sich als Nachkommenschaft der ehemaligen Feudalherren auf und presst den Bauern Abgaben ab, wo immer es möglich ist.

In diese Umstände versetzt hält sich Levi mit Schreiben über das Leben in dieser vergessenen Region Italiens am Leben. Ohne sich über seine neuen Nachbarn lustig zu machen, ohne sie insgeheim für sein Schicksal zu hassen schreibt er ihre Geschichten und Sitten auf. Die Menschen sind eigentlich nicht religiös. Statt dessen haben sie einen Glauben, den Jean Piaget kindlichen Animismus genannt hätte. Es gibt viele Hexen im Ort, die aber glücklicherweise nicht verfolgt werden. Zaubertränke und -sprüche sind üblich, Tier- und Pflanzenwelt sind von Geistern belebt.

Auch die Sitten unterscheiden sich grundsätzlich von denen, die er bisher von seinem Leben in einer der großen Städte im Norden Italiens kennt. So ist es gesellschaftlich inakzeptabel, wenn sich ein Mann und eine Frau alleine in einem Raum treffen, falls sie nicht miteinander verheiratet sind. Die sexuelle Anziehung zwischen den Geschlechtern wird als etwas so natürliches betrachtet, dass niemand annimmt, man könne sich willentlich dagegen wehren. Uneheliche Kinder sind aus diesem Grund keine große Katastrophe, aber das zwischengeschlechtliche Zusammensein ist ein absolutes Tabu.
So tragisch der Aufenthalt von Levi in dieser Region ist, so froh kann Italien sein, dass es jemand von seinem Format war. Die Vielfalt und der kulturelle Reichtum dieser Menschen wäre sonst wohl nicht dokumentiert worden.

One Response to “Carlo Levi – Christus kam nur bis Eboli”

  1. Literatur » Blog Archive » Marlene Streeruwitz - Verführungen Says:

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