Paulo Lins – Die Stadt Gottes
Friday, November 26th, 2010Lins beschreibt das Leben in mehreren Favelas von Rio de Janeiro, besonders aber der Ciudad de Deus, der “Stadt Gottes”, die diesem Roman den Titel gab. Geplant als soziales kommunales Bauprojekt verkam dieser Stadtteil schnell nach seiner Eröffnung zu einem Elendsviertel mit hoher Kriminalität und Drogenproblemen.
Der Autor beschreibt ohne viel Effekthasscherei (nicht etwa wie Don DeLillo in Cosmopolis) die Auseinandersetzungen und alltägliche Gewalt zwischen rivalisierenden Banden in den Favelas, die sich um die Vorherrschaft im Drogengeschäft oder bei Einbrüchen gegenseitig bekriegen.
Basiliens Polizei kommt nicht gut weg in diesem Roman, ist korrupt und bestechlich, profitiert vielfach vom Drogengeschäft und fackelt nicht lange, bevor gefasste Gangster ohne Prozess erschossen werden.
Der Roman handelt aber auch von denen, die sich den Ausstieg wünschen aus Drogen und Bandenkriminalität; manchen von ihnen gelingt es, andere enden tragisch.
Insbesondere anhand eines Gangsterbosses mit dem Namen “Löckchen”, später “Locke”, untersucht Lins, wie Persönlichkeiten und Biographien durch das Leben, die Drogen und die Gewalt in der Favela geprägt und verändert werden.
Für mich war es abends schwer, mit dem Lesen aufzuhören.