Archive for November, 2010

Paulo Lins – Die Stadt Gottes

Friday, November 26th, 2010

Lins beschreibt das Leben in mehreren Favelas von Rio de Janeiro, besonders aber der Ciudad de Deus, der “Stadt Gottes”, die diesem Roman den Titel gab. Geplant als soziales kommunales Bauprojekt verkam dieser Stadtteil schnell nach seiner Eröffnung zu einem Elendsviertel mit hoher Kriminalität und Drogenproblemen.

Der Autor beschreibt ohne viel Effekthasscherei (nicht etwa wie Don DeLillo in Cosmopolis) die Auseinandersetzungen und alltägliche Gewalt zwischen rivalisierenden Banden in den Favelas, die sich um die Vorherrschaft im Drogengeschäft oder bei Einbrüchen gegenseitig bekriegen.

Basiliens Polizei kommt nicht gut weg in diesem Roman, ist korrupt und bestechlich, profitiert vielfach vom Drogengeschäft und fackelt nicht lange, bevor gefasste Gangster ohne Prozess erschossen werden.

Der Roman handelt aber auch von denen, die sich den Ausstieg wünschen aus Drogen und Bandenkriminalität; manchen von ihnen gelingt es, andere enden tragisch.

Insbesondere anhand eines Gangsterbosses mit dem Namen “Löckchen”, später “Locke”, untersucht Lins, wie Persönlichkeiten und Biographien durch das Leben, die Drogen und die Gewalt in der Favela geprägt und verändert werden.

Für mich war es abends schwer, mit dem Lesen aufzuhören.

Joseph Stiglitz – Freefall

Monday, November 15th, 2010

Der Nobelpreis-Laureat Joseph Stiglitz beschreibt in diesem Buch ausführlich die jüngste Weltwirtschaftskriese und analysiert ihre Ursachen. Auch für Laien wird transparent, wie über mehr Jahre hinweg eine Immobilienblase in den USA entstand, die schließlich 2007 zu platzen begann und die gesamte Weltwirtschaft massiv in Mitleidenschaft zog.

Wahrlich nicht geizen tut Stiglitz in seiner Analyse mit Kritik an der US-Administration, wobei sowohl die letzte Bush-Administration als auch die Maßnahmen unter Obamas Regentschaft “gewürdigt” werden.

Nach ausführlicher Kritik schließt Stiglitz einen Katalog von Maßnahmen und Änderungen für das regulatorische Umfeld insbesondere der Finanzwirtschaft an. Wiewohl ich diese Maßnahmen nicht im einzelnen bewerten kann – dafür fehlt mir sicherlich die Fachkenntnis – so angenehm ist es doch, statt ausschließlich ätzender Kritik einen konstruktiven Beitrag zu lesen.

Rafik Schami – Die Dunkle Seite der Liebe

Wednesday, November 3rd, 2010

Schami gelingt es für mein Empfinden meisterhaft, einen Roman über die jüngere Geschichte Syriens zu schreiben, in dem Liebe und Hass zwischen Menschen das tragende Motiv der Handelnden ist.

In mehr als 100 Episoden, aufgeteilt in verschiedene Bücher, knüpft er immer wieder an verschiedene Handlungsfäden an, die zusammen zu einem schillernden Netz ein und derselben Geschichte verwoben sind.

Neben der Liebe setzt sich Schami auch intensiv damit auseinander, welche Auswirkung Diktatur auf eine Gesellschaft und für ihre Individuen hat.

Eine meisterhafte Erzählung.

Don DeLillo – Cosmopolis

Wednesday, November 3rd, 2010

DeLillo beschreibt reißerisch den Tag eines Investmentbankers, der mit seiner gepanzerten Limosine durch New York City fährt, in Straßenkämpfe gerät, sich wie jeden Tag von seinem Arzt im Wagen die Prostata durchchecken lässt, derweil noch eine Videokonferenz mit seiner Finanzchefin führt und zwischendurch noch mehrere Geschlechtsakte mit verschiedenen Frauen, durchführt. Am Ende des Tages geht der Protagonist mit seinem Imperium unter.

Bei all dem Feuerwerk war der Roman für mich ziemlich langweilig.