Archive for October, 2010

Cees Noteboom – Rituale

Sunday, October 10th, 2010

Mit dem Beginn meiner Auszeit nach der Promotion komme ich endlich auch wieder mehr zum Lesen. Notebooms Rituale war der erste Roman, den ich im Oktober in Angriff genommen habe.

Der Roman handelt vom Amsterdamer Inni Wintrop, finanziell unabhängig, nicht berufstätig, seit einiger Zeit wieder Junggeselle und Kunstliebhaber. Die Erzählung berichtet von verschiedenen Abschnitten seines Lebens: seiner Jugend, dem Ende seiner Ehe und einer Zeit etwas später, den 1970er Jahren.

Sie handelt vom unglücklichen Verhältnis zwischen zwei Misanthropen, Vater und Sohn, die Inni nacheinander und unabhängig voneinander kennenlernt. Der Vater hat Inni während dessen Jugend unterstützt und für dessen finanzielle Unabhägigkeit gesorgt. Von seinem Sohn hat er jedoch nie gesprochen, den Inni nach dem (vermutlichen Freitod) des Vaters trifft.

Ganz nebenbei rechnet Noteboom mit Spiritismus und Religionen ab, indem er Wintrop mal auf Katholiken, dann wieder auf Anhänger fernöstlicher Glaubensrichtungen treffen und über ihre Philosophie räsonieren lässt.

Am Ende stirbt der zweite Misanthrop wie sein Vater: selbst gewählt und einsam.

Ivan Vladislavic – Johannesburg. Insel aus Zufall

Thursday, October 7th, 2010

Vladislavic schildert seine Stadt – Johannesburg – in 138 kleinen Geschichten. Jede Geschichte ist für sich minimalistisch, sie drückt nur einen oder wenige Gedanken aus. Manche dieser Geschichten erstrecken sich auch nur über einen einzigen Absatz.

Trotzdem sorgt ihre Zusammenstellung für ein lebendiges Bild von Johannesburg, einer Stadt, in der selbst die Gullydeckel gestohlen werden und sich die Weißen hinter himmer höheren Mauern verstecken.

Eine faszinierende Art der literarischen Darstellung einer Stadt.

Christian Bommarius – Das Grundgesetz

Monday, October 4th, 2010

Bomarius schreibt eine interessante und spannende “Biographie” des deutschen Grundgesetzes. Als Provisorium für nur wenige Jahre von der verfassungsgebenden Versammlung nach dem 2. Weltkrieg lediglich für die Besatzungszeit geplant, wurde daraus die freiheitliche Grundordnung der westdeutschen Nachkriegsgeschichte.

Spannend fand ich, dass z.B. das Konzept der Menschenwürde an die erste Stelle zu setzen, erst mit dieser Verfassung in Deutschland ausprobiert und erfolgreich umgesetzt wurde.