Archive for August, 2010

Nagib Machfus – Die Midaq-Gasse

Sunday, August 29th, 2010

Aus der Serie “Süddeutsche Zeitung Bibliothek” ist dies der Roman über Kairo. Machfus macht aber nicht den Versuch, Kairo als ganzes zu beschreiben sondern wird ganz bewusst sehr speziell, indem er den sozialen und geographischen Mikrokosmos einer einzelnen Gasse und ihrer fiktiven Bewohner auswählt und beschreibt, eben der Midaq-Gasse.

Er thematisiert dabei Liebe und Betrug, rücksichtsloses Streben nach Macht und Reichtum und Unglück, geschäftliches Treiben und abendliche Zerstreuung.

Fast ein bisschen wie im “Marienhof”, aber bedeutend vielschichtiger und reflexierter angelegt als Schnappschuss der ägyptischen Gesellschaft am Ende des zweiten Weltkriegs zwischen Traditionalismus und Aufbruch in die westlich geprägte Moderne.

Bret Easton Ellison – Die Informanten

Monday, August 16th, 2010

Ellison schreibt über Sex, Drogen und Gewalt, vor allem aber über das sinnentleerte Leben in der US-amerikanischen Obeschicht im L.A. der 1980er Jahre.

Im Vergleich kam mir die Lektüre von Houllebecque noch angenehm vor. Während Houllebecque das Scheitern des Individuums an der ansonsten einigermaßen intakten Gesellschaft schildert, das Unverständnis des einzelnen, wie die anderen ihr Glück finden, so ist bei Ellison die gesamte Gesellschaft kaputt. Nicht eine Figur taucht im Roman auf, die nicht wenigstens Medikamentenmissbrauch betreiben würde.

Suketu Mehta – Bombay. Maximum City

Wednesday, August 11th, 2010

Metha selbst wurde in Kalkutta geboren, verbrachte aber den größeren Teil seiner Kindheit in Bombay, bis er im Alter von 14 Jahren mit seinen Eltern nach New York City umzog.

Später, er ist inzwischen selbst Vater, beschließt er sich auf die Suche nach seinen Wurzeln zu begeben und zieht gemeinsam mit Frau und Kindern nach Bombay.

Ihm gelingt es, Kontakt zu den Führern der organisierten Kriminalität herzustellen, sich mit Tänzerinnen aus dem Rotlichtmilieu anzufreunden und mit Muslimen wie Hindus einen offenen Dialog über die Unruhen in den 1990er Jahren zu führen. Sein Werk zeigt eindrucksvoll, welche Magie ein journalistischer Schreibstil haben kann.