Krakauer erzählt die Geschichte von Chris “Alexander Supertramp” McCandless, einem jungen US-Amerikaner, der Anfang der 1990er Jahre entschied, seine aussichtsreiche Hochschulausbildung vorzeitig zu beenden, all sein Geld an Oxfam (eine amerikanische Hilfsorganisation) zu verschenken und sein Glück im einfachen und einsamen Leben in Alaska zu suchen.
Die Geschichte ist eine wahre Begebenheit, wurde erfolgreich verfilmt und von Krakauer offenbar minutiös recherchiert. Neben den rein biographischen Begebenheiten behandelt Krakauer aber noch ein weiteres Thema, das ihn wie auch viele andere fasziniert: das Reißaus-Nehmen aus dem zivilisierten Alltagstrott, das “Zurück” zum “echten” und “einfachen” naturverbundenen Leben.
McCandless hat seinen Versuch mit dem Leben bezahlt. Nach einer Vergiftung an – wie Krakauer vermutet – verschimmelten Samen und einem durch Hochwasser vermeintlich abgeschnittenen Rückweg in die Zivilisation ist McCandless so schwach, dass er verhungert.
Krakauer widmet sich auch lang und breit der Frage, ob dies nun ein tragischer Unfall oder McCandless naiver unzureichender Vorbereitung geschuldet ist. Die Tatsache, dass er ohne Karte in die Wildnis zog, nicht einmal eine Axt mitbrachte und keine Möglichkeit zur Kommunikation mit der Außenwelt hatte führte letztenendlich dazu, dass er in einem alten Bus verhungerte. Dieser Tod ereilte ihn nur 6 Meilen entfernt von der nächsten Ranger-Station (also war er keineswegs “mitten in der Wildnis”) und in einem alten Linienbus aus den 1940er Jahren, der vor langer Zeit in der kanadischen als Unterkunft für Arbeiter abgestellt wurde (also in einem Relikt der Zivilisation).
Krakauer gibt sich viel Mühe, dieses Ende romantisch zu verklären, es einzuordnen in eine Reihe von intelligenten Menschen, die die Nähe zur Natur gesucht haben und abzugrenzen von einer Reihe anderer tragischer Fälle, bei denen Menschen wie McCandless blauäugig und bis zur Schädelkante aufgeladen mit Natur-Romantik und -Ideologie ihr Leben in der Wildnis ließen.
Am Ende ist Krakauers Verklärung für mich leider doch nur eine Überladung des Geschehenen mit höheren Zielen und jugendlichen Ambitionen. Wenn McCandless so intelligent war wie Krakauer zeigen will, warum war er dann so schlecht vorbereitet? Auf diese Weise zu sterben ist traurig aber auch ziemlich leicht. Darin etwas höheres zu sehen kann ich nicht nachvollziehen.