Archive for May, 2010

Cater Coleman – Cage’s Bend

Monday, May 31st, 2010

Coleman beschäftigt sich in seinem Roman mit verschiedenen Themen: Liebe, Erwachsenwerden, Generationenkonflikt und vor allem manische Depression. Ohne den Anspruch erheben zu wollen, die Krankheit im klinischen Sinne zu beschreiben zeichnet er ein sympathisches Bild von Cage, einem der Protagonisten, der in seinen 20ern manisch Depressiv wird und fortan entweder mit schlimmen Depressionen zu kämpfen hat, oder, wenn er gerade manisch ist, auf einem Trip ist, bei dem er geistreich und witzig aber auch in gefährlicherweise übermütig ist.

Im Laufe der Geschichte wird Cage in diverse geschlossene Anstalten eingewiesen. Coleman gelingt es hier, von Cage und seiner Familie ein Bild zu zeichnen, das die einfache Stigmatisierung als “Verrückten” unmöglich macht und statt dessen echtes Mitgefühl für Familie und Cage und seine Straftaten selbst entstehen lässt. Wenn Coleman eins gelungen ist, dann ist es m.E. vor allem dies.

Die anderen aufgezählten Aspekte sind für mein Verständnis nicht so gut herausgearbeitet. So wird nicht klar, wieso Cages sexbesessener Bruder Harper gegen Ende des Romans mit einem Mal von seinen Sexexzession und Kokainmissbrauch ablassen kann und mal schnell eine Familie gründet.

Auch die Eltern von Cage und Harper empfand ich als verhältnismäßig flach, gerade in Anbetracht der Ambivalenz ihrer Söhne.

Ansonsten aber sehr lesenswert.

Jan Weiler – Drachensaat

Monday, May 10th, 2010

Jan Weiler setzt setzt sich in diesem Roman mit einem der Thema auseinander, das die öffentliche Diskussion in den vergangenen Jahren wiederholt bewegt hat. Das Stichwort ist “Neiddebatte”.

Mit ironischer Distanz lässt er die Romanfiguren die Argumente vortragen. Ironischerweise ist es der entführte Spitzenmanager, der darauf hinweisen muss, dass sich an der Debatte – sofern denn einmal jemand versucht, sie ernsthaft in der Öffentlichkeit zu führen – keiner mit ernsthaften Argumenten beteiligt. Statt dessen werden die immer gleichen Vorwürfe geäußert und Konflikte geschürt.

Weiler versucht mit seinem Roman einen Schritt weiter zu gehen. Der dritte Teil seiner Erzählung besteht aus einer Reihe von fiktiven Zeitungsartikeln in denen er wie ich finde ziemlich treffen die Stile der Nachrichtenagenturen und Zeitungen imitiert und zeigt, wie Diskussionen mehr oder weniger unwillkürlich von Medien gesteuert werden.

Stefanie Zweig – Die Kinder der Rothschildallee

Sunday, May 2nd, 2010

Vermeintlich als Buch von Stefan Zweig gekauft, entpuppte sich dieses Buch als wahrscheinlich sehr persönliche aber eben doch authentische Schilderung des Lebens einer jüdischen Familie in der Zeit von 1932 bis 1938.

Drei Generationen leben eng zusammen und müssen erleben, wie ihre Welt in Scherben zerbricht. Die, die Sohn bzw. Bruder im ersten Weltkrieg verloren haben, die deutsche Tugend und Disziplin als konstituierend für ihre Leben gehalten haben, müssen erfahren, wie sie auf einmal nicht mehr dazugehören, schlimmer noch, beliebligem Unrecht unterworfen und fortan im Frankfurt am Main ihrer Zeit unerwünscht sind.

Die Erzählung endet mit der Auswanderung der Mehrheit der Romanfiguren. Am Ende bleiben fast nur noch die Großeltern in Frankfurt zurück.

Ein detailreiches Zeitzeugnis.

Emile Zola – Nana

Sunday, May 2nd, 2010

In diesem Roman seiner großen Enzyklika des Frankreichs seiner Zeit beschreibt Zola die scheinheilige Moral im Paris kurz vor der Jahrhundertwende. Die Grenze zwischen Adel und Bürgertum bröckelt und die meisten der Romanfiguren stellen Dirnen nach, die sie ruinieren oder haben (im Falle der Ehefrauen) selbst Liebschaften. Unter der Punksucht der Dirnen gehen über Jahrhunderte zusammengeraffte Vermögen buchstäblich in Rauch auf und die Menschen werden von ihren Gefühlen schier wahnsinnig.

So sehr mir Zolas Bücher bisher gefallen haben, dieses schien mir zum ersten Mal übertrieben.