Archive for April, 2010

George Lakoff & Mark Johnson – Metaphors We Live By

Sunday, April 11th, 2010

Lakoff und Johnson zeigen in diesem sehr kompakten Buch, wie nicht nur unsere Sprache sondern auch unser Denken integral von Metaphern bedingt werden. In einer Generalabrechnung mit Objektivismus und Subjektivismus zeigen sie, dass beide keine konsistenten Systeme für das Verstehen menschlichen Empfindens und Begreifens liefern.

Die Klarheit, mit der die beiden Sprache analysieren und bereit sind, mit philosophischen Annahmen zu brechen, die so etabliert sind, dass sie von den meisten Menschen wohl bereits als Wahrheiten angenommen wurden (und werden) ist beeindruckend.

Unter den Beispielen für Metaphern finden sich ebenso geistreiche wie lustige Beispiele wie etwa: “Complex theories often have problems with the plumbing.” oder “I have a new four-on-the-floor V8.”

Neben der sprach-analytischen Feststellung, dass wir praktisch ständig Metaphern benutzen, um uns die Welt zugänglich zu machen (als wäre die Welt ein Ort, der schwer für unsere Gedanken zu begehen ist), beantworten sie die Frage nach dem symbol grounding für ihre Theorie mit unmittelbarer Sinneserfahrung.

Der Grundgedanke des Buches wird in der Folge weiterentwickelt und u.a. auch verwendet, um zu klären, welchen Einfluss die Verwendung unterschiedlicher Metaphern für dasselbe Konzept hat, indem es jeweil bestimmte Aspekte betont und andere ignoriert.

Nach vielen Enttäuschungen aus der Lektüre zeitgenössischer Philosophie war dieses Buch für mich seit langem mal wieder ein Beispiel dafür, welchen Nutzen klares Denken für das Verständnis der Welt haben kann.