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William Benzon – Beethoven’s Anvil

Wednesday, March 17th, 2010

Benzon hat sich Gedanken gemacht über die Rolle, die Musik für das Entstehen und Funktionieren unserer Gesellschaft spielt. Er vertritt die These, das Musik dazu dient, das “neuronale Wetter” (gewissermaßen den Zustand, in dem ein Gehirn ist) innerhalb einer Gruppe von Menschen zu synchronisieren. Beispiele dafür führt er viele an: Orchester, marschierende Soldaten, die dabei Marschmusik hören oder auch Arbeiter, die durch das Singen von einfachen Liedern ihre Arbeit koordinieren und gleichzeitig in eine Art Flow geraten.

Vieles in der Argumentation ist Spekulation; aber Benzon kennzeichnet sie in der Regel als solche. Vor allem weist er darauf hin, dass diverse Fragen vor allem erst einmal existieren. Bevor sie niemand gestellt hat, können sie auch nicht beantwortet werden.

Mit großer Akribie hat er außerdem Studien der vergleichenden Anthropologie zusammengetragen, die eine Korrelation zwischen dem Komplexitätsgrad der Musik einer Kultur und ihrem Entwicklungsstand zeigen. Hier entwickelt Benzon seine eigene Theorie, die ein bisschen an Piagets Stufenmodell erinnert. Er unterscheidet “Rank 1/2/3″-Musik und versucht zu zeigen, dass sich die jeweils kompliziertere Musikform erst bei weiterentwickelten Gesellschaften etablieren konnte.

Benzon, von Profession aus Kognitionswissenschaftler mit einem Ph.D., ist auch Jazz-Musiker. Das letzte Kapitel des Buches widmet er Überlegungen über die Vermischung von Musikstilen; nicht nur aber vor allem im Jazz.