Über mehrere Jahre schon wollte ich dieses Buch lesen und letztes Jahr war es um die Weihnachtszeit endlich soweit. Zeit und Ruhe zum Lesen hatte ich eigentlich genug, trotzdem habe ich nach der Hälfte der Seiten aufgegeben.
Warum?
Zunächst einmal besteht das Buch für mein Empfinden im wesentlichen aus Zitaten. Man mag einwenden, dass das auch richtig so sei, schließlich geht es um den Nachweis, dass die Mythen aller Kulturen weltweit und durch die Zeit hindurch doch immer wieder dieselbe Geschichte erzählt haben. Klar, um diese Behauptung abzusichern, ist eine Menge Literaturexegese unerlässlich. Hier scheint Campbell ungeheure Mengen von Zeit in Bibliotheken zugebracht zu haben und dazu noch Sekundärliteratur in den unterschiedlichsten Sprachen studiert zu haben, wie die Literaturverweise und zahlreichen Fußnoten belegen. Letztere erreichen bisweilen übrigens zum Teil ein 1:1-Verhältnis zum Text, d.h. eine Seite normaler Text erhält eine weitere Seite Fußnote beigestellt. Das unterbricht den Lesefluss.
Was mich jedoch mehr gestört hat ist die Vermischung mit der psychoanalytischen Traumdeutungslehre. Immer wieder zitiert Campbell Traumbeschreibungen, um die Theorie abzustützen, dass menschliches Denken und Empfinden immer um dieselben Geschichtsarchetypen revolviert. Ihm muss doch klar gewesen sein, dass er mit diesen Traumbeschreibungen im popperschen Sinne nichts beweisen kann. Von meinen Träumen sah kein einziger so aus aus wie die Geschichtsarchetypen, von deren Existenz ausgeht. Diese Tatsache stellt ebenso keinen Gegenbeweis dar.
So sehr ich den Grundgedanken des Buches reizvoll finde, die Darstellung spricht mich nicht an.