Peter Henning – Die Ängstlichen
Sunday, December 13th, 2009Henning beschreibt eine deutsche Familie zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Die Großmutter Johanna hat sich entschieden, in eine Einrichtung mit betreutem Wohnen umzuzuiehen. Mit der Unterschrift unter diesen Vertrag beginnt die Erzählung und dauert an bis zum Familienfest, bei dem sie ihren nächsten von ihrer Entscheidung berichten will.
In der Zwischenzeit entwickelt Henning die Familiengeschichten der drei Kinder von Johanna und z.T. auch die der Enkel. Helmut, der älteste Sohn, ist ein Hypochonder und notorischer Besserwisser, der ohne Beruhigungsmittel und Nasenspray nicht mehr durch den Tag kommt. Ulrike, die Tochter, ist mit einem dümmlichen Emporkömmling verheiratet und sieht innerhalb der Zeitspanne der Erzählung ihre Ehe zerbrechen. Johannas zweiter Sohn verbringt sein Leben seit einem Fahrradunfall in verschiedenen geschlossenen psychiatrischen Anstalten.
Aus der Enkel-Generation wird vor allem das Leben von Ben beschrieben, der die meiste wache Zeit unter Angst leidet. Für ihn sieht es aber – im Gegensatz zu den anderen – Familienmitgliedern noch verhältnismäßig rosig aus, hat er doch eine Freundin, die ihm Halt und Geborgenheit gibt.
Insgesamt eine ziemlich düstere Geschichte von Menschen, die sich nie das richtige zu sagen vermögen aber immer erst hinterher darüber traurig sind. Ihre Lebensträume sind zerbrochen, ihre hochfliegenden Ambitionen lassen sich nur noch durch Realitätsverdrängung – gerne auch mit Hilfe von Medikamenten – am Leben erhalten.
Am Ende der Familienfeier, zu der ohnehin weniger als die Hälfte der Gäste erschienen sind, nimmt Johanna sich das Leben, kurz bevor ihr tot geglaubter Lebensgefährte mit ihr in ein neues Leben entfliehen will.