Christian Kracht, Eckhart Nickel – Gebrauchsanleitung für Kathmandu und Nepal
Thursday, August 13th, 2009In Vorbereitung auf unsere Nepalreise im Oktober/November 2009 haben wir bereits einige Bücher selbst angeschafft. Nun gab es zur kirchlichen Hochzeit noch mehr als Geschenk.
Entgegen dem Titel “Gebrauchsanleitung” ist es genau das eben nicht sondern eher eine Anekdotensammlung über das Leben zweier deutschsprachiger Aussteigertypen in einem faszinierenden Entwicklungsland.
Mit viel Getöse schwingen sie die Keule gegen Hippies und Trekker in Nepal, um – nicht ohne ein Schmunzeln – zu gestehen, dass sie sich selbst eigentlich mit dazurechnen müssten.
In den nur 3 Monaten in Ghana im Jahr 2006 hat sich auch bei mir nach nur wenigen Wochen ein Überlegenheitsgefühl gegenüber den Touristen ausgebildet. Objektiv betrachtet entbehrt dieses Überlegenheitsgefühl jeglicher Grundlage, sind doch die nur sehr mäßig integrierten mehr oder weniger permanent im Land lebenden Ausländer den Einheimischen nicht weniger fremd als die echten Touristen. Trotzdem: Das irrationale Überlegenheitsgefühl bleibt und schwingt (als Keule) auch in diesem Buch mit.
Die Fremdheit bekommen die beiden Autoren auch immer wieder zu spüren, wenn sie augenzwinkernd berichten, wie sie bei Gelegenheiten wie der Eröffnungsfeier für eine Literaturzeitschrift in Kathmandu von den Nepali übers Ohr gehauen werden.
Trotzdem schaffen sie es, gleichzeitig den Blick für die positiven Eigenschaften von Land und Leuten zu bewahren.
Letztlich bleibt es aber dem Leser aber praktisch unmöglich, Verhaltensregeln für einen Aufenthalt in Nepal aus der “Gebrauchsanleitung” abzuleiten, das was man von einer “Anleitung” eigentlich erwarten würde. Der Band enthält zu wenige Beispiele für eine brauchbare Induktion.
So bleibt es bei einer einigermaßen geistreichen Anekdotenammlung. Ich habe schon freie Reiseblogs gelesen, die vielfältiger waren. U.a. ist der Newsletter von nepal-dia.de wesentlich informativer. Dass der Verlag Piper das als Buch herausgebracht hat, ist für mich deshalb erstaunlich.