Archive for July, 2009

Alice Schroederer – The Snowball. Warren Buffet and the Business of Life

Sunday, July 5th, 2009

Schroederer hat sich daran gewagt, eine Biographie über Warren Buffets Leben zu schreiben. Eine Mammut-Aufgabe und herausgekommen ist ein Mammut-Buch. Mit knapp 1kg sind die ca. 900 Seiten so schwer zu transportieren wie mal eben an einem Abend durchzulesen. Genau genommen habe ich vom Kauf des Buchs am Ostersonntag bis heute gebraucht.

Wie objektiv Buffet in dieser Biographie dargestellt wird kann ich schwer beurteilen. Offensichtlich ist aber, dass die Autorin selbst von seiner Persönlichkeit und seinem Erfolg beeindruckt ist. Das soll aber nicht heißen, dass sie sich nicht auch kritisch äußert.

Beeindruckend genug sind aber allein schon die Fakten über Buffet. Dass er durch seine Selbstverpflichtung zu absoluter Ehrlichkeit zu dem geworden ist, was er heute ist, nämlich dem reichsten Menschen der Welt, sollte all jenen zu denken geben, die behaupten, dass Rücksichtslosigkeit und Geheimniskrämerei einfach dazu gehören, wenn man ganz nach oben will.

Nebenbei handelt Schroederer auch gleich noch die Wirtschaftskriesen der letzten 70 Jahre mit ab.

Nachdem Buffet sich zur Zeit des dot.com-Booms strikt gegen Investitionen in High-Tech-Unternehmen gewandt hatte und sich damit zeitweise den Spott der gesamten Finanzwelt zugezogen hatte ist rückblickend sein fester Glaube an seine eigenen Einschätzungen und seine Unabhängigkeit von den Meinungen anderer bewundernswert. Über mehrere Jahre hinweg wurde seine Voraussage Lügen gestraft, dass der dot.com-Markt vollkommen überbewertet sei. Doch durch seine Standhaftigkeit war er einer der wenigen, die beim Platzen der Blase nicht auf die Nase gefallen sind.

Interessant geschrieben und mehr als nur eine Biographie.

Martin Hartenstein, Fabian Billing, Christian Schawel, Michael Grein: Karriere machen. Der Weg in die Unternehmensberatung 2008|2009

Friday, July 3rd, 2009

Die Autoren beschreiben das Basis-Handwerkszeug für Recruiting-Veranstaltungen und Assessment-Centers von Unternehmensberatungen. Das beginnt mit einer Einführung in die Terminologie der Betriebswirtschaftslehre. Anschließend werden einschlägige Methoden und Analysewerkzeuge wie SWOT- und Portfolio-Analyse knapp erklärt. Danach folgt eine Reihe von Fallbeispielen, in denen erklärt wird, wie diese Verfahren in Anwendungsbeispielen verwendet werden können.

Ein interessanter Überblick über das Themenfeld.

Thomas K. Landauer – The Trouble with Computers

Friday, July 3rd, 2009

Der Autor beschreibt ein Phänomen, das unter dem Namen “Productivity Paradox” in die Literatur eingegangen ist: Obwohl das Dienstleistungsgewerbe in den 1970er und 1980er Jahren immense Summen in IT-Hardware, Software, Mitarbeiterschulungen und die formalisierung von Businessprozessen gesteckt hat, ist sie signifikant schwächer gewachsen als die Wirtschaft im Durchschnitt während des gleichen Zeitraums.

Anhand zahlreicher Studien und Diagramme legt er da, dass Investitionen in IT während dieses Zeitraums einen wesentlich niedrigeren ROI hatten als bspw. Investitionen in Gebäude oder Produktionsmaschinen im produzierenden Gewerbe.

So unangenehm seine These ist, so sehr gelingt es ihm sie zu verteidigen. Er macht nicht den Fehler einen Glaubenskrieg gegen die Computerisierung zu kämpfen. Beim Lesen habe ich immer wieder versucht im Geiste Einwände gegen seine Argumentation zu formulieren. Doch stets musste ich feststellen, dass er diese Einwände wenig später selbst diskutiert hat.

Der aus meiner Sicht gewichtigste Einwand ist der, dass erst durch die Computerisierung eine massenweise Datenverarbeitung möglich geworden ist, wie wir sie heute als beinahe selbstverständlich annehmen. Dass beispielsweise Flugbuchungen in dieser großen Zahl innerhalb von Sekunden durchgeführt werden können war vor 50 Jahren und ohne Computer einfach nicht machbar.

Diesen Einwand lässt Landauer zu. Er weist aber darauf hin, dass mit den Investitionen, die nötig waren, um die Infrastruktur dafür bereit zu stellen nicht auch der Umsatz in dem Maße gewachsen ist, wie er bei Investitionen in anderen Güter normalerweise gewachsen wäre. Computer erlauben beispielweise viel mehr Banktransaktionen pro Sekunde auszuführen, als dies früher möglich war. Gleichzeitig ist der Gewinn pro Transaktion so sehr zurückgegangen, dass die Investitionen in die Infrastruktur nur eben gerade so ausgeglichen werden konnten.

Dieses Buch stammt von 1995. Landauers Analyse und Argumentationsweise sind beeindrucken. Und bereits 1995 – das ist beinahe 15 Jahre her – hat er darauf gedrängt, vor allem die Usability von IT-Systemen zu verbessern. Rückblickend kann man sagen, dass die Geschichte ihm mehr oder weniger Recht gegeben hat.