Archive for March, 2009

George Orwell – 1984

Tuesday, March 17th, 2009

Viel gibt es zu 1984 nicht zu sagen: Als Klassiker der modernen Weltliteratur hat dieser Roman Maßstäbe gesetzt und ist so berühmt, dass sogar Menschen, die ihn nicht gelesen haben, dennoch Begriffe wie “Big Brother” kennen.

James Webb – Das Zeitalter des Irrationalen: Politik, Kultur und Okkultismus im 20. Jahrhundert

Monday, March 2nd, 2009

Um ehrlich zu sein muss ich gestehen, dass ich dieses knapp 600seitige Werk über den Okkultismus im Europa und Nordamerikas des 19. und 20. Jahrhunderts nicht mehr ganz durchlesen konnte, bevor ich in die USA geflogen bin .

Das Buch selbst habe ich mehr zufällig in einem der Buchläden auf dem Frankfurter Hauptbahnhof gefunden, als ich dort Anfang Februar vorbeikam, um mich im US-Konsulat um ein Visum zu bewerben.

Vor etwa 10 Jahren hatte ich schon einmal ein Buch zu diesem Thema gelesen. Es trug den Titel “Die Götter des New Age” von Peter Kratz. Viel ist mir nicht in Erinnerung geblieben außer der – wahrscheinlich sehr verkürzten Zusammenfassung -, dass die Autoren an diverse Verschwörungstheorien in den Reihen der Okkultisten und Neonazis der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts glauben. Argumentation und Beweise dafür schienen mir seinerzeit ziemlich dürftig, deshalb habe ich das Buch zwar durchgelesen aber nicht weiter beachtet.

Webb wagt sich auf dasselbe Gebiet, allerdings von der ersten Seite an mit akademischem Anspruch. Zunächst einmal stellt er fest, dass sich bislang niemand wissenschaftlich mit “Okkultismus” befasst habe. So erhebt er es zum Anspruch seines Werkes, diesen Begriff zu klären. Dabei versucht er nicht, ihn auf eine einfache Definition herunterzubrechen sondern Facetten seiner Ausprägung in den vergangenen beiden Jahrhunderten aufzuzeigen.

In diesem Zusammenhang beweist er, dass er sich jahrelang intensiv mit der existierenden Literatur auseinandergesetzt hat. Die deutschen Herausgeber weisen im Vorwort zusätzlich darauf hin, dass Webb auch aus vielen bislang unveröffentlichten Quellen zitiert hat.

Das Ergebnis ist eine beeindruckende Fülle von Fakten in Form von Autoren, prägnanten Kurzzusammenfassungen ihrer okkulten Theorien und ihrer Beziehungen zu anderen Autoren. Für einen interessierten Laien wie mich ist die vorliegende Fülle aber schier unüberblickbar. Webb hat sich bemüht, die Sachlage chronologisch und geographisch zu ordnen und das gelingt ihm auch leidlich.

Dabei ist Webb sehr professionell. Wann immer es keine stichhaltigen Beweise für eine These gibt sondern nur Hinweise, so weist er ausdrücklich darauf hin. Wenn eine Sachlage mehrere Interpretationen zulässt, dann macht er das explizit. Hier erreicht er eine beeindruckende Redlichkeit.

Aller Sorgfalt zum Trotz bleibt bei mir aber ein großes Minus: An keiner Stelle gibt Webb Hilfestellung zu der Frage, wie die bloßen Fakten zu gewichten sind. Auch heute gibt es sicherlich eine überbordende Zahl von okkultistischen Spinnern. Doch die Tatsache, dass sie kaum Zulauf haben macht sie für mich – als jemand, der sich nicht zum Ziel gesetzt hat, den Okkultismus zu erforschen – uninteressant weil irrelevant. Ausführlich wird z.B. über okkultistische Begeisterung in der europäischen Intelligenzia zwischen den beiden Weltkriegen berichtet. Aus anderer Lektüre weiß ich um Seancen und Medien in Thomas Manns “Zauberberg”. Diese Information hilft mir einzuschätzen, welches Ausmaß der Okkultismus in dieser Zeit hatte. Solche Informationen fehlen bei Webb aber komplett.

Auf diese Weise bleibt die Lektüre mittelmäßig mühselig ohne die Belohnung, hinterher eine echte Einschätzung über die Ausmaße des Okkultismus in den letzten beiden Jahrhunderten zu erlauben.