Archive for January, 2009

Manfred Geier – Kants Welt

Friday, January 16th, 2009

Für 2009 hatte ich mir vorgenommen, weniger quer Beet zu lesen und statt dessen Themen zu setzen, mit denen ich mich lesend eingehender beschäftige. Die erste Wahl ist dabei auf Imanuel Kant gefallen, dessen “Kritik der reinen Vernunft” bei uns seit Jahren ungelesen im Regal steht.

Als Einstieg gab’s aber erstmal eine Biographie über den königsberger Philosophen, die erstaunlich neu ist. Erstaunlich, weil man doch eigentlich meinen könnte, dass seit Kants Tod genug genug Biographien über ihn veröffentlicht wurden. Den Luxus, mehrere davon lesen und vergleichen zu können habe ich seit dem Studium leider nicht mehr. Aber Geiers knapp 350-seitiger Band scheint mir doch ein guter Einstieg zu sein. Übersichtlich und parallel werden wichtige Stationen aus Kants Leben mit einer Beschreibung der Genese seiner Werke und deren Inhalt verbunden. Die Werke werden inhaltlich selbstverständlich nur angerissen, aber es ist ja auch nicht die Aufgabe einer Biographie, mehr als das zu leisten.

Insgesamt ein sehr übersichtliches und gut zu lesendes Einstiegswerk.

Émile Zola – Das Glück der Familie Rougon

Monday, January 5th, 2009

Zola beschreibt in diesem Roman den Aufstieg der Familie Rougon in der südfranzösischen Kleinstadt Plassans. Aus ärmlichen Verhältnissen uns zerrütteter Familie gelingt es Pierre Rougon sich hinaufzuarbeiten und bei der Gegenrevolution 1851 durch Intriegen und Betrügereien die Macht in der kleinen Stadt an sich zu reißen.

Doch dies ist nur ein Motiv der Geschichte. Noch nirgends habe ich eine so einfühlsame Beschreibung der aufkeimenden Liebe zwischen zwei jungen Menschen gelesen. Der Junge Silvère verliebt sich in Miette, das Pflegekind der Nachbarn. Über zwei Jahre entwickelt Zola diese Liebe. Über einen langen Zeitraum treffen sich die beiden am Brunnen, der von Grundstücken der beiden Nachbarn erreichbar ist; der direkte Sichtkontakt ist dennoch durch eine Mauer blockiert, sodass die beiden sich nur im Spiegelbild der Wasseroberfläche im Brunnen sehen können. Diese Liebe, die lange Zeit ohne jede Körperlichkeit auskommt und sich nur in ganz kleinen Schritten hin zu direktem körperlichen Kontakt der beiden entwickelt, der sie durch die Intensität schier verbrennt, sodass sie nach jedem Kuss zurückweichen, dürfte zu den zeitlosen Perlen dieses Themas gehören.

So langsam wie sich die Liebe entwickelt, so schnell und grausam geht sie zuende in den Wirren der blutigen Niederschlagung des Aufstands in Südfrankreich.

Dem Vorwort aus der Feder des Autors zufolge glaubte Zola an die Vererblichkeit von Charaktermerkmalen wie innerer Zerrüttung, die in den ehelichen und unehelichen Sprösslingen der Familie Rougon in verschiedener Form wieder auftaucht.