Archive for December, 2008

Lutz Redecker – Südmarokko

Wednesday, December 31st, 2008

Bisher hatte ich nie das Pech, mit einem schlechten Exemplar in ein fremdes Land zu kommen. Aber irgendwann erwischt es wohl jeden einmal. In der Woche vor Weihnachten ging es für sieben Tage nach Marokko.

Redecker rühmt in seinem Reiseführer die Hilfsbereitschaft der Marokkaner und ihren Freundlichkeit, Fremden in der unübersichtlichen Hauptstadt Marrakesh zum Ziel zu helfen. Damit im Hinterkopf gingen wir gleich am ersten Tag in die alte Innenstadt. Dort wurde uns in der Tat immer wieder die Freundlichkeit der Einheimischen zuteil, die uns etwa die alte Gerberei, den alten jüdischen Friedhof oder verschiedene Paläste zeigen wollten. Ausnahmslos jedes Mal endeten diese Ausflüge damit, dass unsere selbsternannten einheimischen Führer Geld von uns verlangten, und das nicht zu knapp: für zwei Fotos in der alten Gerberei sollten schnell mal umgerechnet 20 Euro bezahlt, die wir mit Mühe und Not auf 5 Euro hinunterhandeln konnten. Wohlgemerkt hatte unser Führer diesen Betrag nicht dafür verlangt, uns die Gerberei selbst zu zeigen sondern nur den Weg dorthin, der zufällig auch noch seinem Weg zur Arbeit entsprach. Für diese geschätzten 5 Minuten Arbeit einen Lohn von 20 Euro zu verlangen empfanden wir einfach als absurd. Da wir nicht passend bezahlen konnte kam es dann auch noch um das Wechselgeld zum Streit – eine Erfahrung, die wir übrigens immer wieder machten.

Auch der Tip, im Hotel nach einem staatlich anerkannten Führer zu Fragen brachte nur weitere Ernüchterung. Für umgerechnet ca. 50 Euro wurden wir von einem Führer zunächst in die alte Universität geführt. Warum ist die nicht im Reiseführer verzeichnet?! Anschließend brachte uns der Guide von staatlichen Gnaden zu allen möglichen Läden; überall wurden wir freundlich willkommen geheißen, hatten aber alle Mühe, ohne vollgepackter Taschen wieder herauszukommen.

Der Gipfel war dann noch der Besuch in einem vom Guide empfohlenen Restaurant, für das er uns mittags eine Reservierung für den Abend verschafft hatte, mit der Auskunft, ein Menü koste zwischen 200 und 400 Dirham (umgerechnet 19-38 Euro). Abends stellte sich heraus, dass die Menüs preislich erst bei 350 Dirham starten.

Auch diese Erfahrung machten wir wiederholt: Dreiste Unterschätzungen was Preise oder Fahrtzeiten angeht jedoch stets zu Ungunsten der Kunden, kurz: uns. Die Fahrt nach Essaouira sollte 2 Stunden dauern und dauerte gut 3,5 Stunden.

Nach drei Monaten in Ghana im Winter 2006 erfüllt mich dieses Verhalten mit Ratlosigkeit. Die Menschen dort waren wirklich arm; sie waren aber auch an einem ehrlichen Austausch auf Augenhöhe mit ihren Gästen interessiert. Natürlich wurden auch dort absurde Preise von den ausländischen Besuchern gefordert, aber nie habe ich erlebt, dass jemand nach 3 Euro Trinkgeld für 3 Minuten Arbeit auf mich herabgeblickt hat und mir ins Gesicht gesagt hat: “That’s nothing!”

Klar kann man die Marokkaner bemitleiden für den negativen Einfluss des Massentourismus auf ihr Land, aber was sollten denn die Türken an der türkischen Riviera sagen? Die Menschen im dortigen Taurus-Gebirge waren ebenfalls arm, ich hatte aber nie den Eindruck, dass sie mich auf eine Geldbörse auf zwei Beinen reduziert haben. An mangelnder Aktualität sollte es auch nicht liegen, der Reiseführer wurde erst im Februar 2008 verlegt.

Vor diesem Hintergrund klingt die folgende Passage von S. 141 des Reiseführer im Nachhinein fast wie Hohn: “Wer hilft mir bei der Suche? Makin Muschkil – Kein Problem! Ob im Dorf oder Stadt – stets finde ich jemanden, der sich für mich zuständig fühlt. Es ist nun einmal Sitte in Marokko, einen Fremden nicht sich selbst zu überlassen. [...]”

Zum Lachen – nicht für uns, aber für die Einheimischen – waren z.T. wohl auch die Schreibweisen einiger Orte, wie sie im Reiseführer angegeben waren. “Charige-el-bgare” hat erst ratloses Herumfragen bei den Taxifahrern in Marrakesh ausgelöst, bis einer darauf kam, was damit wohl gemeint sein könnte, nämlich einer der großen Taxi-Treffpunkte in der Stadt. Noch zwei Tage später musste er wieder lachen, als wir ihn durch Zufall wieder vor unserer Unterkunft wiedertrafen.

Mit einem ordentlichen Reiseführer wäre uns wahrscheinlich einiges an Ungemacht erspart geblieben. Pecht gehabt!

Nuruddin Farah – Maps

Monday, December 15th, 2008

Farah, gebürtiger Somalier, beschreibt die Geschichte des Weisenjungen Askar aus der Region Ogaden, die in der Grenzregion zwischen Somalia und Äthiopien liegt. Immer wieder kam es um diese Region zu Kriegen, die auch in diesem Buch thematisiert werden.

Askar wird liebevoll von seiner Stiefmutter aufgezogen, die als Alleinerziehende in viele Abhängigkeiten verwickelt ist und auf die verschiedene Männer Anspruch erheben und durchsetzen.

Als es erneut zum Krieg kommt, zieht Askar mit neun Jahren aus der bäurisch und stark patriarchalisch geprägten Provinz zu Onkel und Tante ins urbane Mogadiscio (sic!). Der Onkel ist Universitätsprofessor und die Tante Lehrerin. Mit viel Einfühlungsvermögen und Sachverstand gelingt es ihnen, Askars Verstand zu wecken und zu für geisteswissenschaftliche Themen zu interessieren.