Lion Feuchtwanger – Narrenweisheit
Monday, October 27th, 2008Feuchtwanger spannt in diesem historischen Roman – der sicherlich nicht ganz ohne Fiktion auskommt – den Bogen von der Biographie des alternden Jean-Jaques Rousseau über dessen Tod zu den Geschehnissen der französischen Revolution. Konsequent verfolgt er den Ansatz, Rousseau als einen sehr menschlichen, zeitweise fast ein bisschen tatterigen Romanhelden vorzustellen; allerdings stets respektvoll und ohne ins Lächerliche abzugleiten.
Die Erzählung beginnt damit, dass Girardin, ein Mitglied des französischen Hochadels und im Geiste treuer Anhänger Rousseaus, sich darum bemüht, ihn auf seinem Landsitz eine Tagesreise von Paris entfernt einen ruhigen Alterssitz zu schaffen. Nach vielen Maneuvern mit Rousseaus Schwiegermutter und dessen gestig minderbemittelten Ehefrau gelingt es schließlich und Jean-Jaques zieht im Gästehaus des Landsitzes in Ermenonville ein.
Schnell stellt sich heraus, dass der größte unter den Lebenden sehr menschliche Probleme hat. Seine Frau und ihre Mutter haben es auf sein Vermächtnis abgesehen und schließlich wird Rousseau vom Reitknecht, dem Liebhaber Rousseaus Frau, erschlagen.
Der Streit um Rousseaus weltliches und gestiges Vermächtnis beginnt. Die Revoltion in Paris reißt erst den König und dann immer neue vermeintliche Verräter in den Tod. Auch Girardin kommt nur knapp davon. Am Ende wird der Park in Ermenonville um Rousseaus Grab herum von übereifrigen Revolutionären verwüstet und Rousseaus Leiche ins Panthenon nach Paris überführt. Der Sohn Girardins, als Sohn des Hochadels von Geburts wegen den Revolutionären in Paris verdächtig, findet endlich Zugang zur Armee der jungen französischen Armee. So wirr und überstürzt wie der Lauf der Ereignisse der Zeit endet die Erzählung. Ihr Ende bleibt frei schwebend im Raum offen.