Orhan Pamuk – Rot ist mein Name
Wednesday, July 30th, 2008Pamuk schreibt hier eine Geschichte der Buchillustratoren-Kunst des nahen Ostens in Romanform. Facettenreich und schillernd nimmt er den Leser mit in eine ganz andere Welt, die Welt der Illustratoren, die eitel und eifersüchtig darauf aus sind, sich die Gunst ihrer Meister und die Unterstützung ihrer mächtigen Auftraggeber, der Schahs und Paschas zu bewahren.
Seine Erzähltechnik ist dabei ganz anders, als ich es gewohnt bin. Statt eines allwissenden Beobachters oder eines Icherzählers darf hier zur Abwechslung jeder der Akteure mal in die Rolle des Icherzählers und gleich darauf wieder in die des lediglich von außen betrachteten Handelnden schlüpfen. Allein diese Erzähltechnik macht das Buch schon lesenswert. Wenn die Monade schon keine Fenster hat, so muss der Leser halt in sie hineinschlüpfen.
Pamuk wendet diese Erzähltechnik auch in schelmischer Weise an, etwa wenn er den ermordeten Illustrator auch nach seinem Ende, das er in einem alten Brunnen findet, noch weitererzählen lässt. Oder wenn gar die Karrikatur in einem beliebten Kaffeehaus selbst zu sprechen beginnt.
Zur gleichen Zeit ist Pamuks Roman auch eine Kriminalgeschichte, die sich um die Aufklärung des Mordes dreht, eine Liebesgeschichte zwischen Seküre und Kara, der von seinem ehemaligen Oheim nach 12 Jahren aus der Fremde gerufen wird, um die Arbeit an einem Buch für den Pascha zuende zu bringen, ein historischer Roman über die Buchillustrationskunst und nicht zuletzt auch ein kunsthistorischer Roman, der die verschiedenen Darstellungstechniken in Morgen- und Abendland gegenüberstellt.