Archive for September, 2007

Andrzej Stasiuk – Die Welt hinter Dukla

Thursday, September 27th, 2007

Ähnlich wie auch Virginia Woolf weicht auch Stasiuk vom gewohnten Erzählstil ab, wenn auch in anderer Weise als
Woolf. Statt eine Geschichte zu erzählen, beschreibt er Momentaufnahmen, manchmal auch Vorgänge, die einige Stunden dauern, aber nie eine Handlung, die länger währt. Trotzdem vermag er es, dem Leser eine Gesamtsituation zu vermitteln, die sich aus zahlreichen Erzählfacetten zusammensetzt.

Auf diese Weise nimmt er den Leser mit in das kleine Städtchen Dukla, mitten im Nirgendwo gelegen. Facette um Facette baut er es auf, fängt das Leben dort in seinen Momentaufnahmen ein.

Fazit: Den Stil an sich fand ich faszinierend. Dadurch, dass keine fortlaufende Handlung berichtet wird, muss man sich aber etwas mehr selbst bemühen, weiterzulesen.

Eric Schlosser – Fast Food Nation

Sunday, September 16th, 2007

Schlosser hat gut zwei Jahre damit verbracht, möglichst viele Facetten der Fast Food Wirtschaft zu recherchieren. Das vorliegende Buch hat es schnell zum Bestseller gebracht, obwohl es eigentlich ein Sachbuch ist. Das Fazit lautet etwa so: Die Industrialisierung der Fast Food Herstellung – von den McDonald’s-Brüdern als erstes eingeführt – ist eng verbunden mit den Arbeitsbedingungen und Wertschätzungen für alle, die mit Fast Food zu tun haben: Diejenigen, die es herstellen, vom Landwirt, über die Arbeiter in den fleischverwertenden Betrieben bis hin zu den Bulettenbäckern in der Fast-Food-Klitsche um die Ecke. Auf der anderen Seite sind es die Konsumenten, die sich Essen kaufen, von dem sie eigentlich wissen müssten, dass es ungesund ist, das große Bevölkerungsschichten dick macht und zu immensen Folgekosten im Gesundheitswesen führt. In den USA, in denen die Fleischproduktion auf den Druck der großen Fleischproduzenten hin kaum mehr staatlich überwacht wird, sterben inzwischen mehr Menschen durch schwere Lebensmittelvergiftungen als durch Drogenkonsum.

Schlosser ist klug genug, dem Leser kein einfaches Ursache-Wirkungsschema aufzudrängen. Vielmehr sieht er das Fast Food als Symptom für viele Trends im 20. Jahrhundert: rücksichtslose Gewinnmaximierung als oberste Prämisse.

Viginia Woolf – Mrs Dalloway

Tuesday, September 11th, 2007

Mein erster Roman von Virginia Woolf. Der Stil, in dem der allwissende Erzähler von Person zu Person schweift, alle Gedanken kennt, praktisch zwischen den Seelen der Personen “umschaltet” ist sehr experimentell, hat mir aber gut gefallen. Eins der großen Leitmotive des Romans ist die seelische Gesundheit in Anbetracht vom ersten Weltkrieg und der subtilen Korrumpierung durch Geld und Macht. Ein anderes ist das Erwachsen- und Altwerden und was dabei von den jugendlichen Idealen und Vorstellungen übrig bleibt. Im Roman sind es vor allem die Frauen, die viel von sich selbst opfern für ein Leben, das sie zwar mit weltlichen Güter überhäuft, sie aber innerlich aushöhlt.
Fazit: Mir hat’s gut gefallen.