Archive for March, 2007

Guy de Maupassant – Bel Ami

Thursday, March 22nd, 2007

Der Roman beschreibt exemplarisch den Journalisten Georg Duroy, der es sich in den Sinn gesetzt hat, im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts groß herauszukommen. Er ist der Prototyp des rücksichtslosen Emporkömmlings, dem jedes Mittel recht ist, um seine Karriere voranzutreiben. Sehr war ich beim Lesen an Zolas Beute erinnert. Allerdings ging es diesmal nur ganz am Rande um Börsenspekulationen und hauptsächlich um den Journalismus, der sich ohne irgendwelchen berufsethischen Grenzen für den Zeitungsbesitzer Papa Walter (einen eitlen und arroganten Spekulanten) prostituiert.

Duroy ist jedes Mittel recht, um voran zu kommen. Er intrigiert am Ende sogar gegen seine eigene Frau, der er einen guten Teil seines Erfolgs zu verdanken hat, schließlich hat sie viele seiner Artikel geschrieben. Um die reiche Tochter seines Chefs heiraten zu können lässt er sie in flagranti von der Polizei bei einem Seitensprung mit einem seiner früheren Gönner erwischen, dem er das Kreuz der Ehrenlegion zu verdanken hat.

Noch bei der Hochzeit denkt er schon wieder an seine letzte Mätresse und wann er sich wieder mit ihnen treffen kann.

Soname Yangchen – Wolkenkind

Saturday, March 17th, 2007

Soname Yangchen ist gebürtige Tibeterin und beschreibt ihre Flucht aus Tibet über den Himalaja nach Indien. Vom sechten Lebensjahr an musste sie 10 Jahre lang wie eine Sklavin für eine Familie aus ihrer Verwandschaft arbeiten, bis sie durch Zufall auf zwei Mönche stieß, denen sie sich für die gefährliche Fluch aus ihrer unterdrückten Heimat anschließen konnte. In Indien lernt sie u.a. einige Europäer kennen, die sie mit nach Europa nehmen, wo sie schließlich in England einen Briten heiratet.

Zunächst arbeitet sie als private Altenpflegerin, später als Putzfrau in einer Polizeiwache. Irgendwann wird ihr Talent zum Singen auf einer privaten Hochzeit entdeckt und sie wird eine berühmte Sängerin. Klingt komisch, ist durch den Stil, in dem das Buch geschrieben ist aber durchaus glaubhaft und interessant zu lesen.

Ildikó von Kürthy – Mondscheintarif

Friday, March 9th, 2007

Es gibt Bücher, über die ich mich richtig ärgern kann. Dieses gehört dazu. Bis vor kurzem dachte ich, man müsse sich über den Abfall des Niveaus in den Massenmedien vielleicht nicht ganz so sehr aufregen wie z.B. Wolfgang Sofsky es tut. Aber vielleicht hat der Mann doch Recht.

Den Rahmen in von Kürthys Buch bildet ein Abend, an dem die Protagonistin auf den Anruf eines Mannes wartet, in den sie sich erst kürzlich verliebt hat. Nichts besonderes soweit. Sie ist inzwischen 33 und die Beziehungen hatten bisher ausschließlich kurze Halbwertszeiten. Ironisch übertrieben beschreibt sie ihre Aufregung vor dem ersten Date mit dem genannten: zweimal wieder abschminken, weil die Wimperntusche verklebt ist.

Nebenher wird das Leben der Protagonistin beschrieben, die aus Prinzip nicht DIE ZEIT liest, immer den Sender gewechselt hat, wenn bei ihrem Exfreund der Deutschlandfunk lief und das Ansehen der Nachrichten schon für intellektuell beachtlich hält. Interessanterweise hat sie nicht verstanden, dass “ZEIT” (in großen Lettern) der Name einer Zeitung und “Zeit” die Bezeichnung für das ist, was verrinnt, wenn man ihr Buch liest. Auf solchen Nuancen zu bestehen wird einem üblicherweise als Pedanterie ausgelegt. Für mich entstand aber der Eindruck, dass im gesamten Buch Menschen gefeiert werden, die so mittelmäßig sind, dass sie diese Nuancen nicht unterscheiden. Effektiv ist es egal, ob sie es nicht wollen, weil sie es für pedantisch halten oder nicht können, weil sie nicht über das intellektuelle Vermögen verfügen. Unterm Strich tun sie es einfach nicht.

Ich habe mir lange überlegt, ob das nicht einfach eine andere Art zu leben ist, schließlich bin ich selbst ja auch mehr oder weniger mittelmäßig. Was mich an dem Buch ärgert ist die Tatsache, dass diese ignorante Mittelmäßigkeit auch noch gefeiert wird. Denn eigentlich fühlen sich die Protagonitstin und ihre Freundin sauwohl. Dumm nur, dass es gerade die Menschen waren, die sich die Mühre gemacht haben, Nuancen zu unterscheiden, die den Buchdruck erfunden haben und die Maschinen, auf denen dieses Buch getippt wurde, deren Pedanterie die Autorin jetzt belächelt.

Johannes Mario Simmel – Affäre Nina B.

Thursday, March 8th, 2007

Dieser Roman kam mir vor allem vor wie eine psychologische Charakterstudie: Nicht nur des Protagonisten “Holden” sondern auch der anderen Charaktäre, die im Nachkriegsdeutschland der 1950er Jahre versuchen, wieder Fuß zu fassen. Der fette “Brummer” ist einer von denen, die es geschafft haben: Er hat eine Import-/Export-Firma in Düsseldorf und ist innerhalb kürzester Zeit zu einem Reichen Mann geworden. Schnell wird klar, dass er sich dazu nicht nur legaler und moralisch einwandfreier Methoden bedient hat.

Er hat die schöne Nina geheiratet, der er eines Tages seine Schandtaten gesteht, woraufhin sie einen Selbstmordversuch begeht. An diesem Tag beginnt die Erzählung aus der Perspektive von “Holden”, der just an diesem Tag als Fahrer eingestellt wird. Schnell wird er in die dunklen Machenschaften seines Arbeitgebers verwickelt. Holden saß für neun Jahre im Zuchthaus, weil er seine Frau umgebracht hat, nachdem er sie mit einem anderen im Bett erwischt hat. Brummer nutzt das aus und setzt ihn unter Druck.

Holden ist lange überzeugt, dass er an Brummers Reichtum teilhaben kann. Dabei verwickelt er sich immer weiter in Brummers kriminelle Machenschaften und steht kurz vor Ende der Geschichte wieder unter Mordverdacht. Diesmal wird ihm unterstellt, dass er Brummer ermordet habe.

Patrick Süskind – Das Parfüm

Thursday, March 1st, 2007

Das merging meiner Büchersammlung mit der meiner Freundin sorgt auf längere Zeit erstmal dafür, dass ich mir keine Bücher mehr kaufen brauche und es trotzdem nicht an Lesestoff mangelt. Patrik Süskinds Parfüm stammt zwar aus dem Jahr 1985, bisher war es mir aber nie in die Hände gefallen. Den Kinofilm habe ich nicht gesehen und so konnte ich unbeschwert den Roman in schriftlicher Form genießen.

Die Geschichte des Parfürmeurgesellens ohne eigenen Körpergeruch mit der besten Nase der Welt ist fantastisch, aber gleichzeitig gut in die Welt des Frankreichs im 18. Jahrhundert eingepasst.

Insgesamt hat mir die Geschichte sehr gut gefallen, mit einem Makel. Die lange Beschreibung der Vorbereitung der Hinrichtung des Protagonisten haben mich an das retardierende Element einer klassischen Tragödie erinnert, mit einem Mangel: Statt den Spannungsbogen zur Katastrophe hin immer mehr zu spannen bricht er schon vorher zusammen. Für mich ist das jedoch die einzige Schwäche dieses ansonsten sehr lesenswerten Romans.

Die frenetischen Jubelrufe der Kritiker, die im Klappentext zitiert werden – “größter europäischer Roman seit Ecos Namen der Rose” – kann ich allerdings nicht verstehen.