Archive for February, 2007

Daniel Kehlmann – Die Vermessung der Welt

Thursday, February 15th, 2007

Kehlmann ist ein rel. junger Autor – Jahrgang 1975 – aber schon ziemlich erfolgreich und in mehr als 10 Sprachen übersetzt. In seiner letzten Erscheinung verbindet er biographische Fakten und Fiktion zweier berühmte deutscher Forscher der ausgehenden 18. Jahrhunderts: Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß.

Sehr flüssig und vielfach die eigene Rolle des Schriftstellers ironisierend schreibt verwebt er die beiden Geistesgrößen in eine Geschichte, die gleichzeitig ihrer beider Leben im Zeitraffer vorm dem Leser ablaufen lässt. Soweit zu den Pluspunkten. Ähnlich hat schon Irvin D. Yalom in “Und Nietzsche weinte” Nietzsches Biographie verfremdet, wobei mir dessen Scheibstil noch mehr gefallen hat.

Schade fand ich, dass man nie so recht weiss, was historisch belegte Tatsache und was Fiktion ist. Für einen Kenner beider Biographien mag das Buch sehr erhebend sein, weil er sein vorhandenes Wissen (auf das er nebenbei stolz sein kann) in unterhaltsamer Weise im Buch widergespiegelt finden mag.

Für mich bleibt trotz des interessanten Stoffs und der flüssigen Darstellung ein fader Nachgeschmack: Lieber hätte ich mir zweimal soviel Zeit genommen und stattdessen zwei Biographien gelesen.

Alexandre Dumas – Der Graf von Monte Christo

Saturday, February 10th, 2007

Edmund Dantes ist ein junger Seemann, der von seinen Freunden geliebt und von seinen Kollegen geachtet wird. Er ist kurz davor, zum Kapitän ernannt zu werden, als er bei der Feier seiner Hochzeit verhaftet wird und von Neidern fälschlich als bonapartistischer Verschwörer denunziert für 14 Jahre ins Gefängnis geworfen wird.

Dort durchlebt er alle Stadien der Verzweiflung, um seinen Feinden am Ende furchtbare Rache zu schwören. Schließlich gelangt es ihm aus dem Gefängnis zu fliehen. Auf einer kleinen Insel im Mittelmeer findet er den Familienschatz eines alten, inzwischen ausgestorbenen italienischen Adelsgeschlechts, der ihn unermesslich reich macht.

Die nächsten Jahre verwendet er darauf, sich an den drei Hauptverursachern seiner Haft zu rächen und seine ehemaligen Freunde inkognito zu beschenken.

Wie sein Glück ehemals zerstört wurde zerstört er nun mit Hilfe seines Vermögens systematisch die Leben seiner Feinde. Er wähnt sich als Ausführer des göttlichen Willens. Überhaupt wird der christliche Gott – der wenigstens dem neuen Testament nach kein rächender ist – häufig bemüht. So manche Träne fließt auch bei den männlichen Helden der Geschichte, von den Frauen ganz zu schweigen, die Regentonnen zu füllen vermögen.

Man merkt, dass Dumas für den Feuilleton Fortsetzungsgeschichten gechrieben hat.

Trotzdem ist diese fast märchenhafte Geschichte, in der am Ende das Gute siegt, eindrucksvoll und spannend zu lesen.