Koos von Zomeren – Lord Byron war auch hier
Monday, October 9th, 2006Zwei Brueder, der eine ein erfolgreicher Wissenschaftler auf dem Gebiet der Kroeten und Schlangen, der andere ein beruehmter Schriftsteller mit einer Schreibblockade, die inzwischen bereits zwei Jahre andauert, treffen sich zu einem gemeinsamen Wanderurlaub vor der Kulisse des Eiger. Der aeltere von beiden, der Schriftsteller, hat einer Familienlegende zufolge dem juengeren einst das Leben gerettet. Aus diesem grund durfte er den juengeren beliebig gaengeln und seine Lakritzdosis fuer sich beanspruchen, ohne dass ihm die Eltern Einhalt geboten.
Die Beziehung zwischen dem stets korrekten aber langweiligen Kroetenforscher und seinem auch im Erwachsenenaltern noch ziemlich unausstehlichen Bruder ist also nicht ganz einfach.
Doch dann gesteht der aeltere, dass er einen Mord an einer 20-jaehrigen Schweizerin begangen hat – ohne Motiv. Von nun an sind die Rollen vertauscht. Der Retter des juengeren Bruders ist nun der Boesewicht. Diese Rolle scheint er ebenso zu geniessen wie er sich in seinen Depressionen suhlt.
Besonders gut hat mir eine (fuer religioese Menschen sicherlich anstoessige) Idee gefallen, die der aeltere in einem der Gespraeche ueber Literatur aeussert. Er sagt, dass er gerne derjenige gewesen waere, dem die literarische Figur Gott eingefallen ist. Fuer ihn sei das der erfolgreichste Autor aller Zeiten.
Fazit: Kurze aber schoene Geschichte zweier ungleicher Brueder.