Archive for September, 2006

Emile Zola – Die Beute

Wednesday, September 27th, 2006

In Hann. Muenden hat ein neues Antiquariat mit dem Namen “Auslese” in der Burgstrasse aufgemacht. Auf einem unserer Spaziergaenge durch die alte Heimat kehrten Birte und ich dort ein und fanden wirklich eine sehr ausgewaehlte mehrsprachige Buechersammlung vor.

Eine inzwischen als historisch zu bezeichnende dt. Uebersetzung von Zolas “Beute” mit einem echt DDR-sozialistischen Nachwort der Herausgeberin.

Zola beschreibt im Roman den Emporkoemmling Saccard, der mit Grundstuecksspekulationen waehrend der grossen baulichen Umgestaltung von Paris ein Vermoegen macht und auf rauschenden Festen verschleudert. Er ist der Prototyp des Geldmenschen. Seine Hochzeit brachte ihm das Startkapital fuer seine Spekulationen. Danach verwendet er seine diamantengeschmueckte Frau nur noch dazu, seinen Reichtum in der Gesellschaft zu praesentieren und damit seinen Kredit bei den Glaeubigern zu steigern.

Fuer seine an sich grund-anstaendige Frau eskaliert die Lage, nachdem sie ein Liebesverhaeltnis mit Saccards Sohn aus erster Ehe eingeht und dieses Verhaeltnis eines Abends von ihrem Mann entdeckt wird. Saccard begnuegt sich damit, sie zur Strafe um ihr Erbe zu betruegen. Sie geht daran zugrunde.

Lene Gammelgaard – Die letzte Herausforderung

Friday, September 1st, 2006

Nico hatte schon vor einiger Zeit von diesem Buch erzählt. Kürzlich fand ich es bei ihm im Regal und nahm es mit.

Lene Gammelgaard stammt aus Dänemark und hat sich mit der 1990er Jahre in den Kopf gesetzt, als erste Skandinavierin auf den Mount Everest zu steigen und das ohne zusätzlichen Sauerstoff. 1996 nahm sie an einer kommerziellen Expedition unter Scott Fisher teil, die in einem Desaster endete. Beim Abstieg gab es einen Schneesturm, einige der Bergsteiger der vier Expeditionen, die an diesem Tag auf oder in der Nähe des Gipfels waren, verirrten sich auf dem Südsattel in einer Höhe von 8000m und brauchten Stunden, um in die schützenden Zelte zurückzugelangen. Boukreev unternahm seinerzeit eine vielbeachtete Rettungsaktion, bei der er bis zur völligen Erschöpfung noch mehreren der verirrten das Leben rettete. Für sieben Bergsteiger endete diese Nacht tödlich und gelangte damit zu trauriger Berühmtheit.

Gleichzeitig warf das Ereignis Licht auf den bemerkenswerten Betrieb der “kommerziellen Expeditionen”. Für immense Summen finden sich immer wieder Reiseveranstalter bereit, eine willkürlich zusammengewürfelte Gruppe von Abenteuerlustigen auf den Everest zu bringen – und nach Möglichkeit auch wieder hinunter.

Wer so wie ich vorher das Buch vn Anatoli Boukreev gelesen hat, hat einen anderen Eindruck von Gammelgaard, als sie sich selbst im Buch präsentiert. Zunächst wollte sie den Berg ohne Sauerstoff in Angriff nehmen. Fisher und Boukreev hatten alle Mühe, ihr das auszureden. Boukreev schildert anschaulich den kindischen Ehrgeiz und die absolute Fixiertheit auf den Gipfel mit der Gammelgaard im Basislager umherläuft. Wenn man anschließend ihren Bericht liest, kann man zwischen den Zeilen einiges davon erahnen.

Tief sind auch die Einblicke, die sie in die physischen Bedingungen der Bergsteiger gibt. Nicht wenige leiden an Lungen- und Hirnödemen, die Folge der Höhe sind. Ein Teilnehmer ist durch ein Hirnödem so belastet, dass er beim Essen kaum mehr die Bitte nach einem Salzstreuer versteht, geschweige denn angemessen darauf reagieren kann. Trotzdem wird er nicht nach hause geschickt. Schließlich ist er ja zahlender Kunde.

Fazit: Gammelgaard schreibt selbst, dass es sich um einen persönlichen Bericht aus ihrer Perspektive handelt. Sieht man von diesen persönlichen Anteilen ab, ist er ganz interessant.