Wie Kammerlander und Boukreev beschreibt auch dieser Autor seine Liebe zu den Bergen. Ich wundere mich selbst, dass mich diese Bücher so faszinieren. Vielleicht ist es der Wunsch zu verstehen, was sie antreibt, immer wieder Dinge zu tun, die dem menschlichen Naturell offenbar nicht entsprechen. Schließlich sind sie so riskant, dass sie eine Spur von Toten auf und an den Bergen hinterlassen.
Simpsons Einstellung zum Risiko fand ich eine Stelle besonders deutlich: “Sie hatten einfach nur Pech gehabt. Falscher Ort, falsche Zeit. Damit muss man eben rechnen.” (S.50) Es geht um den Tod von Bergsteigern. Das klingt auf den ersten Blick, als würde hier in lakonischer Weise mit dem Tod von anderen umgegangen. Schaut man etwas genauer hin, ist es aber vor allem so, dass die zut Tode gekommenen so mit dem Risiko umgegangen sind. Und das ist es, was für mich befremdlich bleibt: Wie kann der Gewinn aus dem Bergsteigen dieses letale Risiko rechtfertigen?
Simpson zitiert auf S. 74 Alex Loewe, einen Bergsteiger, der kurz vor einem tödlichen Unfall noch eine Mitteilung an die Website von Mountain Zone geschickt hatte: “Im Nachhinein wird mir klar, warum ich in die Berge gehe: nicht, um sie zu bezwingen, sondern, um in ihre unfassbare Weite einzutauchen – so viel größer als wir selbst; um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Demut und Geduld und dem Drang, mir viel abzuverlangen, zu finden; um teilzuhaben an dem, was die Berge zu bieten haben, es auf lange Sicht mit guten Freunden und später auch mit meinen Söhnen zu teilen.”
Simpson sieht die Bergsteigerfreunde um sich herum sterben und fragt sich, ob der Sport vielleicht wirklich zu gefährlich ist. Auch die Idee, dass die Menschen in seinem Bekanntenkreis eben auf besonders hohem Schwierigkeitsniveau klettern, deshalb größeren Gefahren ausgesetzt sind und deshalb auch öfter verunglücken, vermag seine Zweifel nicht zu beseitigen.
In der zweiten Hälfte des Buches beschreibt er den Versuch, mit einem Freund die Eiger-Nordwand zu durchsteigen. Entgegen dem Wetterbericht bricht am ersten Nachmittag der Tour ein schweres Gewitter über die vier im Berg befindlichen Kletterergruppen herein. Nach zehn Jahren ohne Tote am Eiger stürzen zwei Engländer in den Tod, der Verbleib eines Solokletterers wird bis zum Ende des Buches nicht aufgeklärt, aber alles deutet darauf hin, dass auch er ums Leben gekommen ist. Die beiden brechen ihren Besteigungsversuch darauf hin ab. Ihnen ist vorerst die Lust vergangen am Bergsteigen vergangen.
Simpson beschreibt im Buch auch die Gedanken zu seinem 40. Geburtstag und wie sich sein Verhältnis zum Bergsteigen damit ändert. Jedes Jahr nimmt die Angst vor einem tödlichen Unfall zu. Die nächste Tour zum Eiger ist dennoch schon in Aussicht…
Fazit: Spannend zu lesen und nachdenklich.