Archive for June, 2006

Gabriel Garcia Marquez – Ein Leben, um davon zu erzählen

Friday, June 30th, 2006

Der kolumbianische Literaturnobelpreisträger und Journalist Gabriel Garcia Marquez blickt in seiner Autobiographie auf die Hälfte seines Lebens zurück. Er beschreibt sehr bildreich seine karibische Vergangenheit, die Feiern und das Leben in Kolumbien. Auch die politischen Schwierigkeiten bis zur Pressezensur beschreibt er eingehend.

Fazit: Sehr interessant und spannend zu lesen.

Joe Simpson – Im Banne des Giganten

Sunday, June 11th, 2006

Wie Kammerlander und Boukreev beschreibt auch dieser Autor seine Liebe zu den Bergen. Ich wundere mich selbst, dass mich diese Bücher so faszinieren. Vielleicht ist es der Wunsch zu verstehen, was sie antreibt, immer wieder Dinge zu tun, die dem menschlichen Naturell offenbar nicht entsprechen. Schließlich sind sie so riskant, dass sie eine Spur von Toten auf und an den Bergen hinterlassen.

Simpsons Einstellung zum Risiko fand ich eine Stelle besonders deutlich: “Sie hatten einfach nur Pech gehabt. Falscher Ort, falsche Zeit. Damit muss man eben rechnen.” (S.50) Es geht um den Tod von Bergsteigern. Das klingt auf den ersten Blick, als würde hier in lakonischer Weise mit dem Tod von anderen umgegangen. Schaut man etwas genauer hin, ist es aber vor allem so, dass die zut Tode gekommenen so mit dem Risiko umgegangen sind. Und das ist es, was für mich befremdlich bleibt: Wie kann der Gewinn aus dem Bergsteigen dieses letale Risiko rechtfertigen?

Simpson zitiert auf S. 74 Alex Loewe, einen Bergsteiger, der kurz vor einem tödlichen Unfall noch eine Mitteilung an die Website von Mountain Zone geschickt hatte: “Im Nachhinein wird mir klar, warum ich in die Berge gehe: nicht, um sie zu bezwingen, sondern, um in ihre unfassbare Weite einzutauchen – so viel größer als wir selbst; um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Demut und Geduld und dem Drang, mir viel abzuverlangen, zu finden; um teilzuhaben an dem, was die Berge zu bieten haben, es auf lange Sicht mit guten Freunden und später auch mit meinen Söhnen zu teilen.”

Simpson sieht die Bergsteigerfreunde um sich herum sterben und fragt sich, ob der Sport vielleicht wirklich zu gefährlich ist. Auch die Idee, dass die Menschen in seinem Bekanntenkreis eben auf besonders hohem Schwierigkeitsniveau klettern, deshalb größeren Gefahren ausgesetzt sind und deshalb auch öfter verunglücken, vermag seine Zweifel nicht zu beseitigen.

In der zweiten Hälfte des Buches beschreibt er den Versuch, mit einem Freund die Eiger-Nordwand zu durchsteigen. Entgegen dem Wetterbericht bricht am ersten Nachmittag der Tour ein schweres Gewitter über die vier im Berg befindlichen Kletterergruppen herein. Nach zehn Jahren ohne Tote am Eiger stürzen zwei Engländer in den Tod, der Verbleib eines Solokletterers wird bis zum Ende des Buches nicht aufgeklärt, aber alles deutet darauf hin, dass auch er ums Leben gekommen ist. Die beiden brechen ihren Besteigungsversuch darauf hin ab. Ihnen ist vorerst die Lust vergangen am Bergsteigen vergangen.

Simpson beschreibt im Buch auch die Gedanken zu seinem 40. Geburtstag und wie sich sein Verhältnis zum Bergsteigen damit ändert. Jedes Jahr nimmt die Angst vor einem tödlichen Unfall zu. Die nächste Tour zum Eiger ist dennoch schon in Aussicht…

Fazit: Spannend zu lesen und nachdenklich.

Literarische Epochen

Saturday, June 10th, 2006

Um einen Überblick zu bekommen, bo es Vorlieben für bestimmte (zeitliche) Epochen gibt, auf die ich mich beim Lesen konzentriere, habe ich am 10.06.2006 nachträglich Kategorien für die Jahrhunderte eingetragen. Dabei ist die Zuordnung eines Buches nicht immer ganz einfach. Im Zweifel habe ich mich dafür entschieden, ein Buch nicht nach seinem Erscheinungsdatum sondern dem darin enthaltenen Zeitgeist einzuordnen.

Bücher, die Schopenhauer also aus heutiger Sicht beschreiben und beurteilen erhalten als Tag eher das 20. bzw. 21. Jahrhundert als Schopenhauers Wirkungszeit.

Carlos Fuentes – La Campaña

Saturday, June 10th, 2006

Fuentes nimmt den Leser mit auf eine farbenfrohe Reise zurück in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts in Südamerika, zu den Ursprüngen der Südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Dabei ist der Roman aber kein historischer Roman sondern Fiktion.

Der junge Held Baltasar Bustos tauscht zu Beginn der Unruhen in Buenos Aires in einem “revolutionären Akt” das Baby einer der Frauen des Establishments gegen das einer schwarzen Prostituierten aus. Wenig später fällt mit dem Palast als Schauplatz dieser Aktion auch das schwarze Kind den Flammen zum Opfer.

Bustos hat sich in wenigen Augenblicken, der er heimlich im Gemach der Mutter Ophelia Salamanca verbracht hat in sie verliebt und diese Liebe treibt ihn 10 Jahre lang durch die Wirren der Revolution auf der Suche nach ihr. Als eher weichlicher, dicklicher und kurzsichtiger Intelektueller schließt er sich den Rebellen an und kämpft mit ihnen, tötet gar einen Menschen. Fuentes nimmt sich Zeit, auf die seelischen Qualen, die dieses Töten in Bustos auslösen, einzugehen. Am Ende singen die Menschen auf der Straße Volks- und Spottlieder von der Geschichte seiner Liebe und der jahrelangen vergeblichen Suche. Am Ende findet er die Frau in einer der letzten revolutionären Zellen, vermag sie – von Krankheit schwer gezeichnet – nicht mehr wiederzuerkennen. Auch seine Sehnsucht für sie findet bei dieser Gelegenheit ein Ende und richtet sich auf ihren Sohn, den er fortan adoptiert.

Der Stil war nicht immer ganz leicht zu lesen. Gedanken und wörtliche Rede mehrerer handelnder Personen gehen manchmal nahtlos ineinander über. Der Schreibstil ist ein bisschen so, als würde man einer Person aus dem engeren Freundeskreis eine Geschichte erzählen. Dieser Freund würde den Handlungsrahmen und die Akteure kennen. Dadurch erhält die Sprache eine angenehme Leichtigkeit und Flüssigkeit.

Fazit: Ein schöner Zufallsfund im übrigens ausgezeichneten moderenen Antiquariat Libresso in der Burgstraße in Hann. Münden.

Alex Bein – Theodor Herzl

Monday, June 5th, 2006

Bein referiert auf etwa 350 eng bedruckten Seiten ausführlich über Herzls Leben. Der Schwerpunkt liegt dabei eindeutig auf seinem politischen Wirken, die Geschichte seiner wohl nicht immer ganz glücklichen Ehe rückt zum Glück in den Hintergrund. Ausführlich wird aus Memoranden, Reden, literarischen Arbeiten und den Tagebüchern dieses immens produktiven Mannes zitiert.

Nach der nicht immer mitreißenden aber durchaus lohnenden Lektüre dieses Buches habe ich das Gefühl, einen wenigstens skizzenhaften Überblick über die Geburtswehen des modernen Zionismus zu haben.

Fazit:
Das Buch lohnt sich sowohl als biographisches aus auch als geschichtliches Werk.