Archive for January, 2006

Armstrong, Carmichael – The Lance Armstrong Performance Program

Sunday, January 15th, 2006

Bei Barnes&Noble in Buffalo gab es eine Reihe von und über Lance Armstrong, u.a. auch ein Buch seines langjährigen Trainers Chris Carmichael. Dieser stellt ausführlich das von ihm entwickelte und von Armstrong verwendete Carmichael Training System vor.

Interessant waren für mich vor allem die Passagen über Armstrongs Biographie und seine Art zu trainieren. Bis ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich gar nicht, dass man den menschlichen Körperfettanteil auf 4% herabsenken kann. Armstrong und sein Trainer haben entschieden, dass das seinen Quotienten aus Leistung und Gewicht verbessern würde und so hat Armstrong eben seine Körpermasse entsprechend abgesengt. Das bedeutet in der Praxis, dass er für jede Mahlzeit die unterschiedlichen Nahrungsmittel wiegen muss, damit er nicht zuviel aber auch nicht zu wenig Nährstoffe aufnimmt.

Vielleicht ist er deshalb trotz seines Erfolges nicht besonders beliebt: Armstrong hat seinen Körper vollständig seinem Willen untergeordnet. Wenn 3% Körperfettanteil bessere Chancen auf einen Tour-de-France-Sieg brächten, würde er ihn entsprechend weiter senken. Das muss auf “normale” Menschen unheimlich wirken.

Saira Shah – Die Tochter des Geschichtenerzählers

Thursday, January 12th, 2006

Saira Shah stammt von Afghanischen Exilanten in Großbritannien ab und beschreibt auf etwa 350 Seiten ihren langen Weg zurück in das Land, von dem ihr ihre Verwandten seit der frühen Kindheit erzählt haben. Mit 17 Jahren übertritt sie zum ersten Mal illegal die Pakistanisch-Afghanische Grenze und reist in ein Land, dass unter sowjetischer Besatzung lebt und in dem die Besatzer bereits 1 Million Menschen getötet haben. In den folgenden Jahren reist sie als Reporterin immer wieder dorthin zurück und berichtet über Schicksale in Mitten von Krieg, den Schicksalen der Menschen in der Zivilbevölkerung und ihren ambivalenten Erfahrungen mit den Mudschaheddin.

H.G. Wells – The Time Machine

Sunday, January 8th, 2006

Wells, der eng mit einem Nachfahren von Darwin befreundet war und sich zur Zeit der Veröffentlichung dieses Romans (1895) mit zahlreichen sozialdarwinistischen Theorien konfrontiert sah, beschreibt in diesem Roman die Erfindung einer Machine, mit der man durch die Zeit reisen kann. Er hält sich – das ist seine literarische Freiheit – nicht mit abstrusen Erklärungen darüber auf, wie diese Maschine funktionieren soll sondern sagt nur, dass die Zeit als eine weitere Dimension zu den drei räumlichen Dimensionen angenommen werden müsse. Für Reisen in die dritte Dimension bediene man sich schließlich auch technischer Hilfsmittel wie Flugzeugen. Warum sollte es solche Hilfsmittel nicht auch für die vierte Dimension geben?

Der Zeitreisende erzählt nach der Rückkehr von einer seiner Reisen den ungläubigen Freunden am Stammtisch von seinen Erlebnissen in der Zukunft im Jahre 800.000 A.D.

Die Menschheit besteht nur noch aus zwei Rassen. Die körperlich und geistig degenerierten Eloi leben über der Erde, verbringen den Tag mit Spielen und Liebe und die Nächte in prächtigen Palästen. Arbeit ist für sie unbekannt, sie profitieren von der auch physisch unterdrückten Rasse der Morlocks, die unter der Erde in lichtlosen Hölen für den Wohlstand der Eloi arbeiten müssen. Die Morlocks sind kriegerisch, physisch bestens an die Unterwelt angepasst und es kommt bereits zu nächtlichen Übergriffen auf die Eloi.

Mit dieser düsteren Perspektive blickt Wells auf die sozialdarwinistischen Thesen seiner Zeit und kommt dabei zu Schlüssen die – wenn auch sehr entfernt – Assoziationen mit Houellebecqs “Möglichkeit einer Insel” wachrufen.

H.G. Wells – The Invisible Man

Wednesday, January 4th, 2006

Wells beschreibt in einem kurzen Roman einen Forscher mit dem Namen Griffin, dem es (Sciene Fiction) nach jahrelanger Forschung gelingt, einen Weg zu finden, auf dem sich Menschen und Tiere unsichtbar machen können, indem sie ihr sein Blut entfärben. Statt seine Forschungsergebnisse zu veröffentlichen und eine akademische Berühmtheit zu werden – etwas, das ihm als Doktorand bei seinem Professor an einem provinzialischen College bis dahin verwehrt blieb -, entscheidet er sich im Angesicht der dadurch entstehenden ungeheuren Möglichkeiten für die Alternative, nämlich sich selbst unsichtbar zu machen. Die Umwandlung ist aber nicht nur eine physische. Auch seine Psyche verändert sich. Einerseits durch den Einfluss der zur Entfärbung verwendeten Medikamente, aber auch durch die Möglichkeiten, die ihm nun offenstehen.

Er kann Feuer legen, stehlen und sogar morden, ohne dass man seiner habhaft werden kann, schließlich ist er unsichtbar. Er steigert sich immer weiter in paranoide Gedanken, bis er schließlich Zuflucht bei einem Komilitonen aus dem Studium sucht, dem er seine Geschichte erzählt und dem er seinen Plan eröffnet, ein Regime des Terrors zu etablieren.

Die Geschichte endet tragisch: Griffin wird vom wütenden Mob erschlagen.