Archive for August, 2005

Emile Zolá – Das Geld

Tuesday, August 23rd, 2005

Cover Zolá schildert detailliert Leben und Schlicksal von großen und kleinen Aktionären im Umfeld der Pariser Börse. Der zwielichtige Saccard steht nach einer großen Pleite weitgehend mittellos da. Durch Charme und die großen Pläne anderer vermag er ein Bankhaus zu gründen, das nach kurzer Zeit bereits 150 mio Franc in Aktien ausgeschüttet hat. Durch eigene Spielleidenschaft und von dem Feuereifer ergriffen, der mit einem Mal die gesamte Pariser Börse ob dieser Erfolgsgeschichte erfaßt, treibt Saccard die zunächst vorsichtige Manipulation immer toller, bis der Aktienwert der Bank kurzzeitig 900 mio Franc erreicht und das gesamt von Saccard aufgebaute System aus Strohmännern und Betrügereien in sich zusammenstürzt.

Zurück bleiben tausende nunmehr mittellose Kleinaktionäre deren Schicksal Zolá vom Anfang der Bank über vielfaches kurzzeitiges Millionärstum bis zur völligen Verarmung verfolgt.

Die Parallelen zum dot-com-Boom um die Jahrtausendwende konnte Zolá nicht kennen, er hat den Lauf der Geschichte aber quasi vorweggenommen.

Günther Schiwy – Der französische Strukturalismus

Saturday, August 13th, 2005

Cover
genaue Literaturangabe:

Der französische Strukturalismus
von Günther Schiwy
Broschiert – 249 Seiten – Rowohlt
Erscheinungsdatum: 1969
Auflage: [2. Aufl.], 16. – 20. Tsd.
ISBN: B0000BUIBZ

Übersichtliche Einführung in den Strukturalismus mit vielen Originaltexten von Strukturalisten. Sehr hilfreich.

Sandor Marai – Wandlungen einer Ehe

Sunday, August 7th, 2005

Cover Marai schreibt aus der Perspektive der ersten und der zweiten Ehefrau sowie des zum zweiten Mal geschiedenen Ehemanns über den “Irrtum der Liebe”. Er ist Sohn eines der größten Industriellen im Ungarn vor dem Ersten Weltkrieg, verliebt sich mit 30 Jahren in das Hausmädchen, heiratet aber standesgemäß eine Bürgerstochter und fürht mit ihr ein seiner Klasse so angemessenes wie langweiliges Leben. Stets bleibt er unnahbar, allen Versuchen seiner Frau zum Trotz, die alles unternimmt, um ihn von ihrer Liebe zu überzeugen. Als das gemeinsame Kind stirbt geht die Ehe nach zwei weiteren Jahren des Wartens – inzwischen auf die Rückkehr des einstigen Dienstmädchens aus England zurück nach Ungarn – auseinander.

Er nimmt für sich in Anspruch, dass Männer auch und vor allem allein, ohne Frau, glücklich werden können.

Die erste Frau war der Meinung, dass er der richtige gewesen sei und hat alles daran gesetzt, ihn das wissen zu lassen und ihn damit bedrängt. Aus dieser Bedrängung flieht er in die zweite Hochzeit mit dem ehemaligen Dienstmädchen. Das Dienstmädchen sonnt sich in ihrer neuen Position als Herrin, lebt verschwenderisch und betrügt ihren Mann, indem sie raffsüchtig heimlich Geld und Juwelen auf die Seite schafft. Ihre Ehe ist für sie eine ständige Examinierung, ob sie die Manieren der bürgerlichen Gesellschaft auch gut gelernt hat, für ihn eine Rache der niedriger geborenen.

Am Ende scheitert auch diese zweite Ehe. Mit dem zweiten Weltkrieg stirbt die erste Frau, die zweite lebt in Verachtung des erlebten Bürgertums von ihrem während der Ehe angehäuften Vermögen und er muss Ungarn nach einem vollständigen Verlust seiner Fabrik und seines Vermögens verlassen.

Dieter Mersch – Umberto Eco zur Einführung

Thursday, August 4th, 2005

CoverMersch gliedert seine Einführung in drei Teile: Im ersten Teil erläutert er an Ecos Roman “Der Name der Rose” grundlegende Ideen der Semiotik. Das liest sich flüssig und macht Lust, den Roman gleich nochmal zu lesen. Im zweiten Teil folgt dann – etwas trockener aber trotzdem gut zu lesen – semiotische Theorie. Im dritten Teil wird dann “Das Foucaultsche Pendel ” ähnlich wie im ersten Kapitel erläutert.

Die Semiotik wird klar vom Strukturalismus abgegrenzt: Die Semiose wird nicht von einer Struktur regiert, die das Spiel der Signifikanten zugleich regelt und bann, sondern von einer unendlichdimensionalen Topologie aus assoziativ geknüpften Relationen, die keine stabile Formation erzeugt, sondern unablässig in Bewegung bleibt. (S. 117)

Weitere Notizen zur Zeichentheorie bei den Unterlagen zur Magisterarbeit.

Hubert L. Dreyfus – Was Computer nicht können

Monday, August 1st, 2005

CoverDreyfus hat als Professor für Philosophie mit 10 jähriger Lehrtätigkeit am MIT die Künstliche Intelligenz der 1950er und 60er Jahre untersucht – also die ihre erste Hochzeit – und ihre erste große Kriese lediglich aus erkenntnistheoretischen Argumenten heraus vorhergesagt.

Systematisch untersucht Dreyfus den damals gefeierten General Problem Solver und die ersten Programme mit “Sprachverständnis”. Er zeigt auf, dass immer wieder falsche Erwartungen geweckt wurden: Konnte ein Programm das Missionars-Kannibalen-Problem lösen, so wurde behauptet, dass es auch alle anderen Probleme lösen könne. Konnte ein Programm textual eingegebene algebraische Ausdrücke auswerten, so wurde das als allgemeines “Sprachverstehen” gefeiert.

Immer wieder weist er nach, wie phänomenologische Begriffe (z.B. “Information” im Sinne der Bedeutung eines natürlichsprachlichen Satzes) mit naturwissenschaftliche Begriffen (“Information” im Sinne der shannonschen Informationstheorie) verwechselt werden.

Er schildert, wie unbeliebt er sich mit seiner Kritik bei den Größen der KI gemacht hat.

Sein Resumee ist, dass die harte KI mit ihrem Ziel, Maschinen zu schaffen, die Intelligenz in einem Sinne haben, wie Menschen sie besitzen, mit den damals verfolgten Methoden scheitern muss.