Archive for July, 2005

Umberto Eco – Die Insel des vorigen Tages

Friday, July 29th, 2005

CoverUmberto Eco scheint hier eher Stilblüten kultiviert zu haben. Spielerisch versucht er sich in unterschiedlichen Arten der Erzählung. Immer wieder taucht der historische Roman auf. Aber auch die Wissenschaftsgeschichte kommt nicht zu kurz, wenn er ausführlich über das Problem der Bestimmung der Breitengrade im 17. Jahrhundert referiert. Wer für “Der Name der Rose” bestritten hat, dass es sich dabei um einen Gelehrtenroman handelte, wird beim Abstreiten des Vorwurfs gegen dieses Buch mehr Schwierigkeiten haben: Seitenweise erläutert Eco die Symbolik der Taube von Beginn der menschlichen Kultur überhaupt bis in die Zeit, in der der Roman spielt.

Manchmal wird es auch fantastisch, so wenn der Protagonist seinen imaginierten im Fieber deliriert und seinen Bruder trifft.

Am Schluss gibt es so viele Handlungsfäden, dass Eco ca. 100 Seiten vor Ende des Romans selbst auffällt, dass er sie mal wieder zusammenbringen müsste, was ihm nicht mehr so recht gelingen mag.

Raul Rojas – Theorie der neuronalen Netze

Friday, July 29th, 2005

CoverFür eine meiner letzten Prüfungen in der Informatik mit dem Thema “Konnektionistische Wissensverarbeitung” war das Buch eine optimale Vorbereitung. Ausführliche Konvergenzbeweise zu so ziemlich allen Netztypen, die mir bisher begegnet sind. Unter anderem auch mehrere ausführliche Kapitel über die Komplexität der verschiedenen Lernprobleme.

Dieter Birnbacher (Hrsg.) – Schopenhauer in der Philosophie der Gegenwart

Tuesday, July 19th, 2005

Eine Zusammenstellung von Texten über Schopenhauers Wirkung bis auf Fragen der Gegenwart. Zum Teil schien die Verbindung zu Schopenhauers Werk auf “Teufel komm ‘raus” herbeiinterpretiert. Als Anregung zum Weiterdenken oder als Diskussionsgrundlage aber interessant.

Volker Spierling (Hrsg.) – Materialien zu Schopenhauers ‘Die Welt als Wille und Vorstellung’

Tuesday, July 19th, 2005

Für die Rezeption von Schopenhauers Werk eine große Zahl von Texten aus seiner Zeit. Interessant als Einführung in die Metaphysik vor allem die “Briefe” von Julius Frauenstädt.

Ernst Topitsch – Vom Ursprung und Ende der Metaphysik

Sunday, July 17th, 2005

Topitsch schreibt quasi ohne Pause, nämlich ohne seinen Text ernsthaft in Kapitel zu unterteilen eine Geschichte der Metaphysik.

Die Grundform des Denkens an sich sieht er im Mythos. Mythos, Religion und Philosophie hatten seit jeher die Aufgabe, die Frage, was das Universum bedeute, transzendent zu beantworten.

Der Positivismus leistet diese Antwort nicht, er strahlt dagegen eine intellektuelle Askese aus, die nicht befriedigend auf diese Fragen zu antworten vermag. Weiter meint Topitsch, dass wir erst heute in der Lage sind, diese Weltauffassung analysieren zu können.

Als Hintergrund für meine Philosophieprüfung über Schopenhauers Metaphysik und Carnaps Kritik an Metaphysik im allgemeinen gelesen, musste ich feststellen, dass Schopenhauer nicht einmal im Namensregister des Buches auftaucht. Nach 150 Seiten aneinandergereihter Mythen- und Philosophiegeschichte habe ich das Buch dann ohne es zuendezulesen in die Bibliothek zurückgebracht.

Hans Niklas – Jenseits der Physik: Meta-Physik

Saturday, July 16th, 2005

Niklas teilt seinen Band in zwei Teile:

Im ersten stellt er die Geschichte der Physik bis zum heutigen Stand dar. Er verweist immer wieder auf gegenüber der Forschung in der Physik erkenntnistheoretisch kritische Literatur. In der guten alten Zeit vor dem Welle-Korpuskel-Dualismus, der Zeit der mechanistische Physik, gab es für ihr Forschungsgebiet und ihre Erkenntnisse stets empirische Anhaltspunkte. Niklas versucht zu zeigen, dass dies heute nicht mehr der Fall ist. Konstruktionen wie subatomare Teilchen (“Quarks”), oder Modellen wie dem, “Spin”, denen von ihm zitierte prominente Physiker weltliche Realität schlicht absprechen, lehnt er als blosse ideelle Vorstellungen ab.

Er meint, dass hier das Gebiet der Naturwissenschaften längst verlassen wurde, die einem empirischen, induktivistischen, quasi handfesten Paradigma folgen und fragt nach der Aussagekraft von Begriffen der Physik des Mikrokosmos, wenn diese auch nach Aussage derjenigen, die sie verwenden, Begriffe für etwas sind, das so nicht ist. Kurzum, es geht um die Frage, welchen ontologischen Status die “gefundenen” Teilchen besitzen.

Radikal kritisiert er den Schluss von vermeintlichem Indeterminismus – Phänomene, für die wir keine Erklärung angeben können – auf Zufall. Sein Beispiel ist das Zerstrahlen von Atomkernen, für das sich nur stochastische Aussagen machen lassen, nicht jedoch Aussagen über ein einzelnes Atom und den Zeitpunkt, wann sein Kern nun zerfällt.

Im zweiten Teil beschreibt er als Daseinsberechtigung der Meta-Physik – er schreibt den Begriff den überwiegend genau in dieser Weise mit Bindestrich – die Erklärung von Phänomenen, die bereits zur Zeit von Newton nicht anschaulich erklärbar waren und es heute noch weniger sind. Die Gravitation wird als Fernwirkung zwischen Körpern gedacht, Kausalismen sind damit formulierbar. Es lässt sich damit rechnen und es lassen sich zuverlässige Aussagen für das Verhalten von Körpern machen. Auf welche Art diese Fernwirkung gedacht werden soll, lässt sich aber nicht veranschaulichen: Wenn wir Kraft auf einen Körper ausüben wollen, z.B. um ihn von einem Ort zum nächsten zu bewegen, können wir unsere Hand nach ihm ausstrecken, ihn festhalten und durch die Kraft der Muskeln in unserem Arm an einen anderen Ort bewegen. Die Fernwirkung der Gravitation ist von gänzlich anderer Art. Phänomene dieser Art hält Niklas für nur durch eine Meta-Physik beschreibbar, ein Gebiet, das über der herkömmlichen Physik angesiedelt ist.

Michel Houllebecq – Ausweitung der Kampfzone

Tuesday, July 12th, 2005

Cover
Houllebecq beschreibt einen Informatiker, der gerade erst das 30 Lebensjahr überschritten, eine gute akademische Ausbildung genossen hat, mehr als ausreichend Geld verdient, eine sichere Stelle bei einer angesehen Softwarefirma, alles richtig macht und trotzdem keine Freunde hat. Die Menschen um ihn herum sind gleichgültig oder boshaft gegen ihn.

Er beschreibt eine Generation, die im Leben zwar durch Reputation und Karriere alles und noch mehr hat, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen, aber trotzdem nicht glücklich ist. Eben weil um Leben mehr gehört. Was dieses “mehr” ist, erklärt Houllebecq nicht, aber er beschreibt bedrückend, wie sich der Mangel anfühlt. Vom Existentialismus unterscheidet sich der Protagonist dadurch, dass er trotzdem er keine “Lust” am Leben empfindet, auch auf Selbstmord keine “Lust” hat.

Ein Kollege, mit dem er für mehrere Wochen eine Dienstreise machen muss, ist sexbesessen, gleichwohl mit 28 Jahren noch Jungfrau. Sein ganzes Streben richtet sich darauf, ein Mädchen abzuschleppen. Bei jedem Versuch wird er zurückgewiesen, mit der Intensivierung seiner Bemühungen steigt die Abneigung der Frauen.

Houllebecq lässt den Protagonisten die These aufstellen, dass es neben der Marktwirtschaft mit Geld eine zweite gibt, basierend auf Sex und/oder Liebe; Liebe scheint mehr eine Zugabe zum Sex zu sein, nicht umgekehrt. Wie im harten Kapitalismus gebe es Gewinner – solche mit unzähligen Sexualpartnern – und Verlierer, die leer ausgehen.

An anderer Stelle stellt er die These auf, dass die Anzahl verschiedener Sexualpartner eines Menschen umgekehrt proportional ist zu seinem Vermögen, noch ehrliche dauerhafte Beziehungen aufzubauen.

Psychoanalytiker und insbes. Frauen in Psychoanalyse kommen bei ihm ganz schlecht weg: Frauen würden durch die Psychoanalyse charakterlich so verändert, dass sie am Ende so sind, wie der frühe Freud es ausdrückt, nahe am Vorbild von Schopenhauers “Ueber die Weiber”, wenn man die guten Aussagen weglässt.

Zoe Jenny – Ein schnelles Leben

Sunday, July 10th, 2005

Cover Auch wenn die Autorin beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb ausgezeichnet wurde: Mehr als ein Jugendroman ist es nicht.

Die Geschichte dreht sich um eine junge Türkin Ayse, deren Vater in Berlin als Immobilienmakler zu einigem Reichtum gekommen ist. Das Mädchen verliebt sich in einen deutschen Jungen, dessen bester Freund ein Neonazi ist, der sich mit Türken prügelt. Im Verlauf des Romans eskaliert die Gewalt zwischen Ayses älterem Bruder und der Neonazigruppe.

Fazit: Lohnt sich nicht.

Thomas Brussig – Helden wie wir

Friday, July 8th, 2005

Cover
Thomas Brussig schreibt bissig über das spießige Leben im Ostdeutschland der 70er und 80er Jahre. Ein Blick auf seine Biographie zeichnet ihn als Kenner des Themas aus. Der Protagonist seiner Geschichte schildert eine von der offiziellen Geschichtsschreibung abweichende Erklärung für den Fall der Mauer: sie wurde durch seinen Penis geöffnet.

Dieser Hinweis findet sich bereits auf den ersten Seiten. Wer wie ich den Fehler macht, nach solch einem Auftakt trotzdem noch weiterzulesen, sollte nicht erwarten, dass es noch besser wird. Die Mutter hat einen Hygienefimmel, seiner Vater ist ein hohes Tier bei der Stasi.

Die Stasi wird aus Lehrlingssicht als ein Haufen bekloppter Einbrecher und Kindesentführer beschrieben, bei denen Philosophie bedeutet, alle fünf Sätze “Das ist die Negation der Negation!” einfließen zu lassen und wo die Kinder während der Entführung dadurch gequält werden, dass sie beim Mensch-ärgere-Dich-nicht-Spielen immer verlieren.

Auf etwa 100 Seiten beschreibt der Protagonist seine Onaniegedanken. Vielleicht als Stilmittel eingesetzt, um auszudrücken, dass er in einem längeren Abschnitt seiner Pubertät an nichts anderes denken konnte, wird dem Leser ein ähnlich einfältiges, irgendwie gezwungenes, gezwungen lustiges Panorama vorgeführt. Das Panorama wird links und rechts durch die Scheuklappen eingegrenzt, die die Libido dem pubertierenden Protagonisten aufsetzt. Nach der zweiten dieser ca. 100 Seiten ziemlich langweilig.

Fundamentale Kritik wird an Christa Wolf geäussert und ihrer Rede am 4. November 1989. In ihr entdeckt der Autor das Duckmäusertum des typischen Ossis wieder. Er stellt in etwa folgende Frage: Wie hat die DDR so lange überleben können, wenn die grosse Mehrheit seiner Einwohner sie nicht haben wollte? Eben deshalb, weil die Mehrheit bei einer Revolution über Sprache nachdenkt, statt über Revolution, weil sie sich lieber anpasst, als aufzufallen.

Fazit: Mehr als 320 Seiten Einfalt und Langeweile, die trotz allen Bemühungen des Autors nicht einmal lustig sind.

Volker Spierling – Arthur Schopenhauer

Friday, July 8th, 2005

Eine gut lesbare Einführung in Schopenhauers Werk. U.a. Hinweise auf den Begriff der Gelassenheit.