Archive for June, 2005

Umberto Eco – Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana

Wednesday, June 29th, 2005

Eco schreibt seine bibliophile Biographie auf. Am Ende wird’s verworren.

Walter Abendroth – Schopenhauer

Tuesday, June 28th, 2005

genaue Literaturangabe: Walter Abendroth: “Schopenhauer”, Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1967, ISBN 3-499-50133-3

Abendroth beschreibt als offensichtlicher Anhänger Schopenhauers – er benutzt häufig den Ausdruck “Meister” als Bezeichnung für Schopenhauer – Schopenhauers Biographie, Werk und Wirkung in kompakter Form. Eine interessante Einführung.

Thomas S. Kuhn – Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen

Wednesday, June 22nd, 2005

genaue Literaturangabe: Thomas S. Kuhn “Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen”, suhrkamp taschenbuch wissenschaft Bd. 25, Suhrkamp Verlag, ISBN 3-518-27625-5

Kuhn hat die Wissenschaftsgeschichte untersucht und sich die Frage gestellt, in welcher Weise wissenschaftliche Paradigmenwechsel stattfinden. Er schreibt dazu auf S. 134:
Paradigmata können durch normale Wissenschaft überhaupt nicht korrigiert werden. Vielmehr führt die normale Wissenschaft, wie wir schon gesehen haben, letztlich nur zum Erkennen von Anomalien und zu Krisen. Und diese werden nicht durch Überlegung und Interpretation, sondern durch ein relativ plötzliches und ungegliedertes Ereignis gleich einem Gestaltwandel beendet. Die Wissenschaftler sprechen dann oft von den “Schuppen, die ihnen von den Augen fallen” oder dem “Blitzstrahl”, der ein vorher dunkel Rätsel “erhellt”, wodurch seine Bestandteile in einem neuen Licht gesehen werden können, das zum ersten Mal seine Lösung gestattet.

Ärgerlich, dass ich das Buch nicht früher gelesen habe. Unbedingt für den eigenen Bestand anschaffen.

Sandor Marai – Die Gräfin von Parma

Wednesday, June 22nd, 2005

Ausgehend von der Geschichte Casanovas schreibt Marai die Geschichte des ungestümen Giacomos, der aus dem Gefängnis entweicht, sich wieder dem Spiel und vor allem dem Schürzenjagen widmet.

Interessant ist das Menschenbild, das Marai vertritt. Giacomo sagt auf S. 63f:

Es sind die Schriftsteller, denen das Schreiben nur ein Mittel ist, denn sie wollen die Welt verändern; sie sind wohl mächtig, weil sie Geist und Kraft besitzen, doch es fehlt ihnen Ruhe und Andacht, und also sind sie unglücklich. Sie können zwar mit einem Wort Könige und Weltordnungen stürzen, vermögen aber nicht auszudrücken, was den geheimsten Sinn des Daseins ausmacht: die Freude, daß wir leben, das Glück, daß wir nicht einsam sind und von Sternen, Frauen und Dämonen behütet werden, und die Verwunderung darüber, daß wir sterben müssen.

Und später läßt Marai Giacomos Rivalen, den Gatten jener Gräfin von Parma auf S. 179f sagen:

Es ist beinahe ein Kompliment, denn was ist schließlich der Mensch? Ein Gemenge aus Charakter und Schicksal, nichts anderes.

Hier spiegelt sich nicht das Menschenbild der Aufklärung, sondern der triebhafte, in Person von Giacomo buchstäblich der getriebene Mensch. Die Parallele zu Schopenhauers Anthropologie ist stark.

Gilles Deleuze – Woran erkennt man den Strukturalismus

Wednesday, June 8th, 2005

Deleuze versucht – bei dem Titel nicht weiter verwunderlich – Kriterien für den Strukturalismus, insbes. den französischen anzugeben und durch Textstellen “typischer” Strukturalisten zu belegen.

Typische Strukturalisten sind bei ihm:

  • Jakobson (Linguistik)
  • Levi-Strauss (Soziologie)
  • J. Lacan (Psychoanalyse)
  • M. Foucault, L. Althusser (Philosophie)
  • R. Barthes (Literaturkritik)

Die Ursprünge sieht er in Saussure, der Prager und der Moskauer Schule.

Als zentrales Paradigma des Strukturalismus formuliert er:
In Wirklichkeit gibt es keine Struktur außerhalb dessen, was Sprache ist, und sei es auch eine esoterische oder sogar eine nicht verbale Sprache. (S.8)

Die sieben von ihm aufgezählten Kriterien wurden mit zunehmender Zahl für mich unverständlicher. Insgesamt wenig hilfreiche Lektüre. Notizen finden sich bei den Unterlagen zur Magisterarbeit.

David Sedaris – Nackt

Tuesday, June 7th, 2005

Zuerst dachte ich, Sedaris würde sich über langweilige Biographien anderer Autoren lustig machen, bis mir klar wurde, das es seine eigene ist, die er beschreibt. Irgendwie schafft er es, selbst seinen Neurosen aus der Kindheit (an Lichtschalten lecken, auch während des Schulunterrichts, mit dem Schuh gegen den Kopf schlagen) etwas komisches abzugewinnen.

Später wird es – zwischen zahllosen Lachern – bisweilen auch nachdenklich, wenn er beschreibt, wie ihm klar wird, dass der von ihm bis dahin bewunderte privinzialische Laienspiel-Regiesseur doch nur ein armes Würstchen ist.

Unterm Strich nicht wirklich lesenswert.