Archive for May, 2005

John Steinbeck – Tortilla Flat

Sunday, May 29th, 2005

Steinbeck beschreibt episondenhaft das Leben in den 1930er Jahren im kalifornischen Monterey, wo Danny und eine handvoll Freunde in einem Haus in den Tag hineinleben, Wein trinken, den Frauen des Viertels nachstellen und nur dann arbeiten, wenn es gar nicht anders geht.

Statt nach Karriere und steten Verhältnissen zu streben sorgen sie sich im Gegenteil im Unabhängigkeit, eigentlich sogar nach der Entropie von Diebstahl und Prügeleien.

Emile Zola – Der Totschläger

Sunday, May 15th, 2005

Zola erzählt auf 500 Seiten den Aufstieg und das Herabsinken einer Arbeiterfamilie im Paris der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Verfall schleppt sich von einem Unfall des Ehemannes über seine Trunksucht, an der er schlie�lich stirbt, bis zum elenden Ende seiner Frau und eigentlichen Protagonistin Gervaise.

Zolas Naturalismus ist so eindrucksvoll, dass beim Lesen die Beklemmung aufkommt, bei aller äusseren Ordnung selbst solch einem Schicksal entgegenzugehen.

Robert F. Barsky – Noam Chomsky

Friday, May 13th, 2005

genaue Literaturangabe: Robert F. Barsky: “Noam Chomsky – Libertärer Freidenker”, aus dem Engl. von Stefan Howald, Zürich, 1999, ISBN 3-85990-012-9

Entgegen meiner Erwartung wurde Chomsky nicht primär als Linguist behandelt sondern als linkspolitisch engagierter glänzender Akademiker dargestellt. In Hinsicht auf meine Magisterarbeit also nur begrenzt bedeutsam ist seine Biographie dennoch beeindruckend. Ein schönes Beispiel für die Redlichkeit.

Jean Piaget – Einführung in die genetische Erkenntnistheorie

Wednesday, May 11th, 2005

Piaget gibt eine mit zahlreichen Beispielen illustrierte Einführung in seine Erkenntnistheorie. Gegeliedert in vier Vorlesungen erstreckt sich der Band über gerade einmal 100 Seiten.

Erkenntnis ist für Piaget kein blosser Rezeptionsprozess sondern basiert immer auf Interaktion mit dem Erkannten. In dieser Art formuliert er auch seine Kritik am Positivismus: Dieser vernachlässige die Wechselwirkung zwischen dem Erkennenden und Erkannten.

Kesselring – Jean Piaget

Wednesday, May 4th, 2005

genaue Literaturangabe: Kesselring, Thomas: Jean Piaget, Beck, 1988, ISBN 3-406-32893-8

Kesselring gibt eine Einführung in Piagets Psychologie und streift auch seine Wirkung auf anderen Gebieten wie der Philosophie oder der KI.

Die Lektüre brachte viele Anregungen für weitere Bücher für die Magisterarbeit, u.a. der Verweis auf die Zusammenarbeit mit Papert am Genfer Institut.

Klemperer – Tagebücher 1932-1945

Monday, May 2nd, 2005

Klemperer beschreibt in grosser Detailfülle, wie der Naziterror unmittelbar nach Hitlers “Machtergreifung” mit den ersten zu Tode geolfterten “Politischen” beginnt und zum Ende des 2. Weltkrieges zum Höhepunkt kommt. Interessant und beeindruckend sind seine Betrachtungen als Philologe: Interessant, weil mit grosser Schärfe die Veränderungen der Sprache durch die Nazis in Propaganda-Berichten und Alltagssprache beobachtet und in seinem Tagebuch notiert; beeindruckend, weil er diese unter dem Eindruck von städiger Lebensgefahr und Hunger erstellt.

Die acht Bäde mit Schnitt jeweils etwa 200 Seiten haben beim Lesen viel Zeit gekostet. Klemperer hat es aber jeden beschrieben Tag auf’s neue geschafft, ihm bei aller Tristess “interessante Veränderungen” abzuringen, soweit beim Naziterror davon die Rede sein kann.

Die 8 Bände stammen von der Bundeszentragle für Politische Bildung und sind dort mit einer formlosen Bestellung an die Adresse info@bpb.de für insgesamt 6 Euro + 4.60 Euro Versand zu beziehen.