Archive for the ‘(auto-)biographisches’ Category

Joe Simpson – Touching the Void

Friday, March 29th, 2013

Der Autor beschreibt eine Erstbesteigung eines 6000ers in Peru. Bereits auf dem Aufstieg von schlechtem Wetter überrascht und mit zu wenig Nahrung und Gas zum Schmelzen von Trinkwasser stürzt Joe Simpson auf dem Abstieg und bricht sich ein Bein. Über 1000 Meter wird er von seinem Kletterpartner Simon abgeseilt, bis er in der Nacht und bei Schneesturm über einen Überhang stürzt und im Seil hängen bleibt. Nach zwei Stunden verlassen Simon die Kräfte und er droht ebenfalls abzustürzen. Er entscheidet sich, das Seil zu Simpson zu durchtrennen, um wenigstens sein eigenes Leben zu retten.

Joe Simpson stürzt in eine Gletscherspalte. Stark dehydriert und mit mehrfach gebrochenem Bein gelingt es ihm alleine über den Gletscher humpelnd und kriechend zurück zum Lager zu gelangen, wo ihn seine Freunde fassungslos entdecken.

Im Buch geht es vor allem um zwei Dinge:

1. Den unglaublichen Überlebenswille von Joe Simpson, der ihn trotz nahendem Erfrierungstod, völliger Entkräftung und starker Fraktur dazu bringen, über mehrere Tage ohne Nahrung und Flüssigkeit über den Gletscher zurück zum Lager zu gelangen.

2. Das moralische Dilemma seines Freundes Simon, der das Seil durchtrennt hat, um zumindest sein eigenes Leben zu retten in der festen Annahme, dass er Joe nicht retten kann. Die Aussagen dazu wiederholen die Rechtfertigung so oft, dass die Entscheidung für beide immer bleiben wird, was sie ist: ein Dilemma.

Faszinierende Lektüre!

Tyler Hamilton – Die Radsport-Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte

Saturday, December 15th, 2012

Hamilton, Zeitgenosse vom 7maligen Tour de France Sieger Lance Armstrong und über mehrere Jahre sein Teamkollege hat minutiös aufgeschrieben, wie das Doping im internationalen Profi-Straßenradsport in den 1990er und 2000er Jahren funktioniert hat.

Bevor es Tests für den direkten Nachweis von EPO gab wurde solange EPO gespritzt bis der Hämatokritwert sich möglichst nahe der 50er-Markte genähert hatte, damals von allgemein als Proxy für Doping mit EPO anerkannt. Als 2000 die ersten direkten Nachweisverfahren für EPO im Blut verwendet wurden, kam dann das Eigenblutdoping.

Aus psychologischer Sicht interessant fand ich vor allem die Schilderung, wie Hamilton selbst zum Doping gekommen ist. Von Hause aus sicherlich ein ehrlicher Typ, musste er bei seinen ersten Wettkämpfen in Europa mit ansehen, wie trotz seines harten Trainings alle anderen Teams an ihm vorbei fuhren und nach den Rennen ziemlich unverblümt weiße Tüten mit Medikamenten an die Spitzenathleten ausgeteilt wurden.

Nach all der Schinderei wollte er endlich auch zu dieser Gruppe gehören. Und da schließlich alle dopen hatte er das Gefühl nicht mehr zu betrügen als alle anderen. Und wenn schließlich alle betrügen, so sind wieder alle auf dem gleichen Level.

Interessante und spannende Lektüre.

Ueli Steck – 8000+ – Aufbruch in die Todeszone

Sunday, November 25th, 2012

Ueli Steck, wohl einer der bekanntesten Extrembergsteiger der Gegenwart, schreibt ziemlich kurzweilig über die vergangenen 10 Jahre, in denen er über Free-Solo-Klettertouren zu Solo-Begehungen an den 8000ern im Himalaya gekommen ist.

So spektakulär wie seine Aktionen sind, so nachdenklich stimmt ihn der schwere Unfall seiner Frau bei einer einfachen Wandertour in den Alpen. Offenbar aber nicht lange, denn bald danach kommt seine nächste 8000er-Solo-Begehung. Eine Frage auf das “Warum?” des Extrem-Bergsteigens gibt es in diesem Buch nicht – wenn es sie überhaupt gibt.

Spannende und kurzweilige Lektüre, die sich locker in einem Nachmittag lesen lässt.

Richard L. Brandt – one click – jeff besoz and the rise of amazon.com

Sunday, January 1st, 2012

Walter Isaacson – Steve Jobs

Sunday, January 1st, 2012

Michael Wolf – The Man Who Owns the News – Inside the Secret World of Rupert Murdoch

Sunday, December 4th, 2011

Eine Biographie, die mir die Augen geöffnet hat. Mit dem Wertesystem des Bildungsbürgertums erzogen bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass man das Zeitungsgeschäft auch einfach gewinngesteuert betreiben kann. Das funktioniert sogar noch besser, wenn alle anderen weiter an ihrem bildungsbürgerlichen Wertesystem festhalten.

Dies scheint einer der Ecksteine von Rupert Murdochs beispielloser Erfolgsgeschichte zu sein. Seitdem lese ich Zeitungen wieder viel aufmerksamer und verstehe auch das Verhalten der Springer-Presse ein bisschen besser.

Rüdiger Nehberg – Die Autobiographie

Tuesday, November 29th, 2011

Bereits im Grundschulalter habe ich Nehbergs Bücher über Survival aus der Stadtbibliothek in Hann. Münden ausgeliehen. Mehr als 20 Jahre später brachten uns Freunde aus Saarbrücken dann dazu, einen seiner Vorträge zu besuchen.

Wenig später kam dann seine Autobiographie bei uns ins Haus. Nehbergs Lebenswerk ist bereits zu Lebzeiten beeindruckend und vorbildhaft.

Das hilft auch dabei, über einige Fragezeichen hinwegzusehen. “Echtes Abenteuer” beispielsweise schließt für ihn eine Versicherung aus. Irgendwie bringt er hier durcheinander, dass die Versicherung nicht das Risiko eines Schadens verringert sondern lediglich im Fall des Eintritts eines Schadereignisses den Schaden eindämmt.

Trotz allem: Nehberg kämpf unermütlich und insbes. erfolgreich für den Schutz von Minderheiten und gegen Genitalverstümmelung. Sein track record ist bislang ungeschlagen.

David Remnick – Leben und Aufstieg von Barack Obama

Thursday, February 3rd, 2011

Remnick schreibt eine verhältnismäßig nüchterne Biographie angesichts des fast schon beängstigenden Erfolgs von Obama.

Das Leben, das er beschreibt ist erfrischend unkonventionell und präsentiert einen US-Amerikanischen Präsidenten wie “Du und ich” mit der kleinen Ausnahme von Stipendien, die eine erstklassige Ausbildung and amerikanischen Elitehochschulen möglich gemacht haben.

Eine sehr lesenswerte Biographie, soweit ich das beurteilen kann.

Alice Schroederer – The Snowball. Warren Buffet and the Business of Life

Sunday, July 5th, 2009

Schroederer hat sich daran gewagt, eine Biographie über Warren Buffets Leben zu schreiben. Eine Mammut-Aufgabe und herausgekommen ist ein Mammut-Buch. Mit knapp 1kg sind die ca. 900 Seiten so schwer zu transportieren wie mal eben an einem Abend durchzulesen. Genau genommen habe ich vom Kauf des Buchs am Ostersonntag bis heute gebraucht.

Wie objektiv Buffet in dieser Biographie dargestellt wird kann ich schwer beurteilen. Offensichtlich ist aber, dass die Autorin selbst von seiner Persönlichkeit und seinem Erfolg beeindruckt ist. Das soll aber nicht heißen, dass sie sich nicht auch kritisch äußert.

Beeindruckend genug sind aber allein schon die Fakten über Buffet. Dass er durch seine Selbstverpflichtung zu absoluter Ehrlichkeit zu dem geworden ist, was er heute ist, nämlich dem reichsten Menschen der Welt, sollte all jenen zu denken geben, die behaupten, dass Rücksichtslosigkeit und Geheimniskrämerei einfach dazu gehören, wenn man ganz nach oben will.

Nebenbei handelt Schroederer auch gleich noch die Wirtschaftskriesen der letzten 70 Jahre mit ab.

Nachdem Buffet sich zur Zeit des dot.com-Booms strikt gegen Investitionen in High-Tech-Unternehmen gewandt hatte und sich damit zeitweise den Spott der gesamten Finanzwelt zugezogen hatte ist rückblickend sein fester Glaube an seine eigenen Einschätzungen und seine Unabhängigkeit von den Meinungen anderer bewundernswert. Über mehrere Jahre hinweg wurde seine Voraussage Lügen gestraft, dass der dot.com-Markt vollkommen überbewertet sei. Doch durch seine Standhaftigkeit war er einer der wenigen, die beim Platzen der Blase nicht auf die Nase gefallen sind.

Interessant geschrieben und mehr als nur eine Biographie.

Nuruddin Farah – Maps

Monday, December 15th, 2008

Farah, gebürtiger Somalier, beschreibt die Geschichte des Weisenjungen Askar aus der Region Ogaden, die in der Grenzregion zwischen Somalia und Äthiopien liegt. Immer wieder kam es um diese Region zu Kriegen, die auch in diesem Buch thematisiert werden.

Askar wird liebevoll von seiner Stiefmutter aufgezogen, die als Alleinerziehende in viele Abhängigkeiten verwickelt ist und auf die verschiedene Männer Anspruch erheben und durchsetzen.

Als es erneut zum Krieg kommt, zieht Askar mit neun Jahren aus der bäurisch und stark patriarchalisch geprägten Provinz zu Onkel und Tante ins urbane Mogadiscio (sic!). Der Onkel ist Universitätsprofessor und die Tante Lehrerin. Mit viel Einfühlungsvermögen und Sachverstand gelingt es ihnen, Askars Verstand zu wecken und zu für geisteswissenschaftliche Themen zu interessieren.