Archive for the ‘Artikel’ Category

Denken ohne Gehirn

Friday, November 23rd, 2007

Auf Alter Ego(n) von Simon Meier gibt es seit heute einen Beitrag über Jerry Fodors Kognitivismus. Der Beitrag liegt hier.

Siegfried Lenz – Das Kunstwerk als Regierungserklärung

Monday, June 18th, 2007

Auf einer Metaebene beschreibt Lenz Motivationen, Ziele und inhärente Probleme von Revolutionen. Nicht zu interessant in meinem Lesekontext.

Siegfried Lenz – Aus der Nähe

Monday, June 18th, 2007

Lenz schreibt einen Essay über die US-amerikanische Literatur des 20. Jahrhunderts, die er nach dem 2. Weltkrieg druch die Taschenbuchauflagen von rororo kennengelernt hat. Auf drei Lieblingsautoren geht er ausführlicher ein: Hemmingway, Faulkner und Dos Passos. Für alle drei beschreibt er besondere Merkmale ihres Stils und ihr Genre. Fazit: Die Anregung, Dos Passos Roman über das Leben in New York zu lesen, habe ich mitgenommen, ansonsten hat der Essay wohl mehr biographische Bedeutung.

Siegfried Lenz – Mutmaßungen über die Zukunft der Literatur

Sunday, June 17th, 2007

Thalia in Saarbrücken verhöckert ständig Restbestände – was eigentlich verwunderlich ist, denn irgendwann müssen die Restbestände ja mal erschöpft sein. Egal, ich konnte nicht daran vorbeigehen und so kam ein kleiner Essayband von Lenz in meinen Besitz, zu dem auch dieser Essay gehört.

Lenz mutmaßt über die Zukunft der Literatur im Zeitalter des allgegenwärtigen Computers. Seine Beschreibung dessen, was beim Lesen mit dem Leser geschieht finde ich sehr treffend: “Lesen ist offenbar eine riskante Tätigkeit: Wir geben etwas von uns auf und erfinden uns neu. Dass die Lust des Erfindens dabei nicht zu kurz kommt, kann ruhig vorausgesetzt werden. Diese Lust ist eine Erfahrung, an deren Ende sich ein überraschendes Glücksgefühl einstellt.

Trotzdem ist auch ihm nicht entgangen, dass Lesen inzwischen zu den eher unwichtigen Tätigkeiten gehört: Die durchschnittliche Lesezeit pro Tag liegt in Deutschland bei 9 Minuten, der durchschnittliche Fernsehkonsum bei 136 Minuten. Was kann uns die klassische Literatur noch geben, angesichts von Hypertext und Autorenkollektiven, die creative writing praktizieren?

Lenz Antwort: Den inneren Dialog mit dem Autor, die Nicht-Beliebigkeit dessen, was man liest. Und er schließt mit den folgenden Worten: “Gewiß, es wird immer nur eine Minorität sein, die die Literatur braucht; aber war es je anders?”.

Nelson Mandela – No Easy Walk To Freedom

Thursday, November 23rd, 2006

Eine Sammlung von Aufsaetzen aus der Feder von Nelson Mandela. Gleichzeitig wird in diesen Essays das Leben unter dem Apartheidsregiem in Suedafrika dokumentiert.

Michel Houellebecq – Lebendig bleiben

Saturday, July 22nd, 2006

In diesem Bändchen aus der Reihe DuMontSpeicher sind drei Texte zusammengefasst: “Lebendig bleiben” und “Die schöpferische Absurdität” von Houellebecq selbst sowie die Zusammenfassung eines Interviews von Ingeborgs Harms, das sie mit Houellebecq anlässlich des Erscheinens von “Die Möglichkeit einer Insel” führte.

Lebendig bleiben scheint eine Art literarisches Manifest für Houellebecqs Schreiben zu sein. Es besteht aus vielen kurzen Absätzen. Nach einem Tag, der mit dem Schreiben an meiner Informatik-Diplomarbeit (Ironie des Schicksals) sowie Vorbereitungen auf meine Abschlussprüfung in Philosophie herumging, bauen Sätze wie “Im Leben scheitern, aber knapp scheiter. Und leiden, immer leiden.” mein Gemüt nicht gerade auf. Dass Houellebecqs Protagonisten am Leben leiden, dass das Leben von ihnen mehr erlitten als gestaltet wird, dürfte seinen Lesern aufgefallen sein. Der Protagonist ist nicht mehr Akteur, der agiert, sondern der Lauf der Geschichte passiert ihm, der Akteur wird passiv.

Dieses Passiv-Sein scheint bei Houellebecq in Leiden transformiert zu werden. Aber offensichtlich leidet nicht nur seine Roman(-anti-helden) an der Welt, auch er als Autor: “Wenn Sie bei den anderen eine Mischung aus erschrockenem Mitleid und Verachtung bewirken, dann wissen Sie, dass Sie auf dem richtigen Weg sind.”

Glück ist ihm zufolge ein Trugbild, dass ohnehin nicht lange anhalten wird.

Ich kann nicht sagen, dass ich von diesem Text besonders betrübt worden wäre, eher verwirrt. Wenn das Leben derart aus Leiden besteht, wenn dieses Leiden so allgemein und unvermeidlich ist (etwa so wie der Wille in Schopenhauers Philosophie), dann braucht man ihn doch eigentlich gar nicht mehr beschreiben. Oder ist er es doch nur für den Autor Houellebecq. Aber wenn die Welt für ihn so ist, warum macht er sich dann noch die Mühe zu Schreiben, warum nimmt er nicht Zuflucht zum Suizid? In dieser Philosophie des Leidens kann ich mich nicht wiederfinden. Möglicherweise deshalb muss sie für mich befremdlich bleiben.

In der Schöpferische[n] Absurdität befasst sich Houellebecq mit Poesie und Prosa, stellt sie einander gegenüber und hält fest, dass sie eigentlich nicht vergleichbar sind; also Poesie z.B. nicht “Prosa+Reime”. Sie gehören vollständig unterschiedlichen Kategorien an. Der Aufsatz war im übrigen so trocken, dass ich es nicht vermocht habe, die wenigen Seiten bis zuende zu lesen. Soviel dazu.

Wirklich gefallen hat mir eigentlich nur “Pariser Beton”, das Gedanken von Ingeborg Harms reflektiert, die sie während und nach ihrem Interview mit Houellebecq hatte. Sie stellt ihm ziemlich unverblümte Fragen, etwa warum die Frauen entweder alt und erschlaffend und damit nicht mehr attraktiv oder permanent Sex-bedürftige Gespielinnen von Houellebecqs Roman- und vor allem Betthelden sind. Die Lakonische Antwort: Das wisse er auch nicht. Nicht urteilend aber auch nicht gerade zurückhaltend geht sie mit Houellebecqs Antworten und Reaktionen um. Ein kritisches Interview, wie man es sich z.B. auf den Literaturseiten der ZEIT ab und zu mal wünschen würde.

eine Houellebequesche Person

Saturday, March 5th, 2005

In den gesammelten Rezensionen der Single-Generation bekommt Houellebeque wenig guten Noten.

Da� er mit seinen Charakterstudien manchmal doch an die Realität heranreicht zeigt dieses Interview in der Zeit.

Antwort auf das Transparent des Stura Chemnitz

Tuesday, January 25th, 2005

Der Studentenrat der TU-Chemnitz veröffentlich mehr oder weniger regelmä�ig ein Faltblatt mit neuen “Informationen”. Manchmal entbehrt jenen leider der informative Charakter.

Der folgende Leserbrief bezieht sich auf Ausgabe 01/2005.

Liebes Pressereferat,

da rauscht etwas über die abendliche Freizeitgestaltung und die am
Wochenende an mir vorbei, gefolgt von (ehemaligen) Modethemen wie
Haschisch und Alkoholkonsum; vermischt wird das ganze mit Spott über
Studenten, die am Wochenende nach hause fahren, angereichert mit
Lehrstellenmangel und Motivationslosigkeit, um in einem einzigen
Rauschen ohne Aussagekraft zu enden.

Mit Befremden habe ich den Artikel (Kolumne?) “Ich liege im Schnitt” auf
Seite eins des aktuellen Transparentes gelesen. Um meine Kritik
einfacher nachvollziehbar zu machen versehe ich den Text im folgenden
mit Zeilennummern.

1 Ich liege im Schnitt

2 Ich hei�e Katja, bin 22 Jahre alt und studiere
3 im 3. Semester an der TU Chemnitz.
4 Mein Studium interessiert mich eigentlich
5 gar nicht. Da ich aber keine Lehrstelle bekommen
6 habe, habe ich mich an der TU
7 um ein Biologiestudium beworben. Leider
8 habe ich keinen Platz bekommen, weil
9 man Biologie hier nicht studieren kann.
10 Deshalb habe ich mich für Informatik
11 beworben.

12 Am schönsten ist immer der Freitag. Da
13 fahr ich nach Hause und sehe meinen
14 Freund und alle meine Freunde. Abends
15 hängen wir dann immer im Club ab und
16 feiern. Da gibts immer ordentlich zu
17 trinken. Und kein Haschisch, wie bei den
18 Studenten üblich. Meine Freunde stehen
19 nicht so auf Drogen. Sie sind eher konservativ.
20 Und ich auch.

21 Fast alle haben eine Lehrstelle nur Alex
22 ist arbeitslos. Naja, und ich. Aber ich
23 kümmere mich schon. Ich will ja wieder
24 zurück nach Altenhain.

Sprache – und besonders ein Text im Organ des Stura – dient dazu,
Inhalte zu übertragen. Meine erste Frage war also, was der Inhalt
dieses Textes sein könnte.

Es fängt in Zeile 1 damit an, da� offenbar eine Aussage über jemanden
getroffen werden soll, der durchschnittlich ist, also den Mittelwert
von etwas repräsentieren soll.

Weiter ist die Rede von einer Studentin, die keine Lehrstelle bekommen
hat und sich deshalb für ein Bio-Studium an der TUC beworben hat. Das
ist Unsinn: für Bio kann man sich m.E. nicht an der Uni sondern nur an
der ZVS bewerben. Weil sie mit dieser Bewerbung – warum auch immer -
gescheitert ist, hat sie sich für Informatik entschieden. Warum
Informatik? Typischerweise fällt die Entscheidung im geschilderten Fall
für BWL aus (vgl. 11.000 BWL-Studenten in Göttingen, von denen keine 100
jährlich das Vordiplom erreichen sondern wechseln oder abbrechen).

Was habe ich bis hier aus dem Text entnommen? Er richtet sich gegen (das
Mädel wird im gesamten Text implizit als dümmlich dargestellt)
Studenten, die ein Studium aufnehmen, weil ihnen nach der Schule nichts
besseres eingefallen ist und/oder noch ein Fach gewählt haben, da� sie
gar nicht interessiert.

Das ist ein Problem in diesem Land, das sehe ich auch so, gemeinsam mit
vielen anderen. Für dieses Problem bleibt der Text aber lediglich
konstatierend. Ein Problem zu nennen, das ohnehin bekannt ist bringt
keinen Informationsgewinn.

Im zweiten Absatz bleibt die Person die gleiche, nun wird aber ihr
Freizeitverhalten durch den Kakao gezogen. Zeile 12-14: Auch Ich
bedauere, da� hier am Wochenende wenig los ist. Auf der anderen Seite
richtet sich dieser Text doch aber nicht gegen sondern an die Menschen,
die über’s Wochenende zu ihren Eltern/Freund/Freundin fahren. Wenn ich
sowas lese, suche ich erst recht das weite.

Vielleicht fahren auch viele nach Hause, weil es hier eine Menge
Menschen gibt, die in einfältiger Selbstgerechtigkeit meinen über
anderer Leute Verhalten urteilen zu können. Vorsicht: Auch ich fahre am
Wochenende beträchtliche Strecken, um mich mit meiner Freundin und
ihrem Freundeskreis zu treffen. Wenn ich solche Texte lese, wei� ich
warum.

Zeile 14-17: Bei der Mehrheit der Studenten scheint sich die abendliche
Freizeitgestaltung in dieser Weise zu manifestieren. Das gilt für
solche, die in Chemnitz bleiben m.E. ebensosehr. Ich finde es auch arm,
so alle Abende zu gestalten, aber das gehört in diese E-Mail ebensowenig
wie in eine Kritik daran, da� durchschnittliche Chemnitzer Studenten
über’s Wochenende zu ihren Eltern fahren. Für das Thema des Textes ist
diese Kritik irrelevant.

Zeile 17/18: Was ist die Aussage dieses Satzes?

Möglichkeit 1: Der Text ist ironisch gemeint => Die Aussage ist in etwa,
da� Haschisch bei Studenten UNüblich ist. Ist das so? Was bedeutet das
im Kontext dieser Kolumne? Gar nichts.

Möglichkeit 2: Der Text ist ernst gemeint, was durch die Unterschrift
beinahe ausgeschlossen wird. Das hei�t, Haschisch ist bei Studenten
üblich. Ist das so? Viel wichtiger: Was hätte diese Aussage hier zu
suchen? Von mir aus kann jeder soviel Drogen konsumieren wie er möchte
und sich im geeigneten Rahmen darüber austauschen. Das “transparent” ist
nachweislich nicht der geeignete Rahmen; das Thema ist hier deplaziert.

Zeile 18-20: Konsekutive Sätze in einem Flie�text drücken gewöhnlich
einen Zusammenhang aus. Suggestiv entsteht der Eindruck, gegen Drogen zu
sein hätte etwas mit Konservativismus zu tun. Ist das so? Wie ist die
Implikation?

a) konservativ => gegen Drogen
b) gegen Drogen => konservativ

Spätestens jetzt werden die ersten kommen und mir vorhalten, ich solle
den Text nicht so wörtlich lesen, er sei doch bewu�t ironisch gehalten.
Das ist falsch: Einer Ironie/Satire liegt ein in ihr präzise erkennbarer
Sachverhalt zu Grunde, der kritisiert werden soll. Ist dieser
Sachverhalt nicht isolierbar, kann er nicht kritisiert werden. Dieser
Text bleibt mehr oder weniger gewollt ungenau und beliebig, weil er
meint, sich damit nicht angreifbar zu machen. Durch diese (völlige)
Beliebigkeit sinkt aber auch der Informationsgehalt auf null.

Den letzten Absatz schenke ich mir.

Zusammenfassend ist meine Kritik von zweierlei Art:
1. methodisch und
2. inhaltlich

1. Es ist keine klare Aussage zu erkennen. n+1 Themen werden angerissen,
keines entwickelt und trotz Polemik keiner von denen erreicht, an die
sich der Text richtet.

2. Der Inhalt – oder besser die Fragmente, die den Text ausmachen – hat
einige (implizite) Thesen, von denen keine belegt oder auch nur deutlich
formuliert wird.

Was soll dieser Unsinn (besser: Ohne-Sinn)? Nicht mal als
Diskussionsgrundlage taugt er, denn dafür bleibt er zu unscharf in
seiner Kritik am bestehenden. Dafür ist das Papier zu schade. Zudem
diskreditiert er den Stura.