Archive for the ‘SZ Bibliothek der Metropolen’ Category

Chinua Achebe – Heimkehr in ein fremdes Land

Sunday, December 4th, 2011

Achebe schreibt über einen Nigerianer, der nach seinem Studium in England in sein Land zurück kehrt, um dort für die Regierung aktiv zu werden.

Eigentlich ein ehrlicher Mensch, wird er dennoch schnell Teil der korrupten Administration, was ihn schließlich zu Fall bringt.

Elif Schafak – Der Bonbonpalast

Tuesday, April 26th, 2011

Schami erzählt Geschichten aus dem Istanbul der Moderne, einer brodelnden Stadt zwischen Tradition und Neuzeit, mit verschiedenen Menschen mit verschiedenen Marotten.

Leider hat mich die Lektüre nicht sehr angesprochen – was durchaus an mir liegen kann.

Jurij Trifonow – Das Haus an der Moskwa

Friday, December 3rd, 2010

Trifonow schreibt über Opportunismus, Kaltblütigkeit und die Mechanismen von Verdrändung und Verläugnung der eigenen Geschichte.

Glebow, Sohn aus einfach und ärmlichen Verhältnissen verlebt den größten Teil seiner Kindheit in Moskau vor Beginn des 2. Weltkriegs. Dort schielt er immer wieder hin zu den Menschen, die mehr haben als er und seine eigene Familie, die in ziemlich ärmlichen Verhältnissen leben.

Später, als Student der Literaturwissenschaften, baut er systematisch die Beziehung zu einem seiner Professoren auf, der der Vater einer bereits fast vergessenen Freundin aus der Schulzeit ist. Immer enger wird er in die Familie des Professors aufgenommen und Glebow schreckt auch nicht davor zurück, die Jugendliebe der Tochter Julia für sein Fortkommen zu nutzen.

Das alles klingt furchtbar kalt und berechnend und die Frau des Professors durchschaut seine Motive auch und wirft sie ihm vor, aber ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Glebow mag Sonja, die Tochter des Professors wirklich, auch wenn er bald merkt, dass diese Liebe seinerseits wohl nicht von Dauer sein wird.

Kalt berechnend seine eigenen Karrierechancen taxierend entschließt sich Glebow, den Professor – seinen Schwiegervater in spe – bei einer Intrige an der Universität nicht zu unterstützen. Diese Entscheidung wird sich im Verlauf seiner Karriere positiv für ihn auswirken, während der Professor als gebrochener Mann leben muss und die Tochter Sonja Selbstmord begeht, nachdem Glebow die Beziehung beendet hat.

Trifonow analysiert hier meisterhaft, wie Menschen vor ihrem eigenen Gewissen mit Leichen im eigenen Keller – sprichwörtlichen und echten – umgehen bzw. vermeiden, mit ihnen umgehen zu müssen. Für mich ist die Klarheit seiner Analyse die größte Stärke des Romans, der mich ansonsten nicht so sehr angesprochen hat.

Paulo Lins – Die Stadt Gottes

Friday, November 26th, 2010

Lins beschreibt das Leben in mehreren Favelas von Rio de Janeiro, besonders aber der Ciudad de Deus, der “Stadt Gottes”, die diesem Roman den Titel gab. Geplant als soziales kommunales Bauprojekt verkam dieser Stadtteil schnell nach seiner Eröffnung zu einem Elendsviertel mit hoher Kriminalität und Drogenproblemen.

Der Autor beschreibt ohne viel Effekthasscherei (nicht etwa wie Don DeLillo in Cosmopolis) die Auseinandersetzungen und alltägliche Gewalt zwischen rivalisierenden Banden in den Favelas, die sich um die Vorherrschaft im Drogengeschäft oder bei Einbrüchen gegenseitig bekriegen.

Basiliens Polizei kommt nicht gut weg in diesem Roman, ist korrupt und bestechlich, profitiert vielfach vom Drogengeschäft und fackelt nicht lange, bevor gefasste Gangster ohne Prozess erschossen werden.

Der Roman handelt aber auch von denen, die sich den Ausstieg wünschen aus Drogen und Bandenkriminalität; manchen von ihnen gelingt es, andere enden tragisch.

Insbesondere anhand eines Gangsterbosses mit dem Namen “Löckchen”, später “Locke”, untersucht Lins, wie Persönlichkeiten und Biographien durch das Leben, die Drogen und die Gewalt in der Favela geprägt und verändert werden.

Für mich war es abends schwer, mit dem Lesen aufzuhören.

Rafik Schami – Die Dunkle Seite der Liebe

Wednesday, November 3rd, 2010

Schami gelingt es für mein Empfinden meisterhaft, einen Roman über die jüngere Geschichte Syriens zu schreiben, in dem Liebe und Hass zwischen Menschen das tragende Motiv der Handelnden ist.

In mehr als 100 Episoden, aufgeteilt in verschiedene Bücher, knüpft er immer wieder an verschiedene Handlungsfäden an, die zusammen zu einem schillernden Netz ein und derselben Geschichte verwoben sind.

Neben der Liebe setzt sich Schami auch intensiv damit auseinander, welche Auswirkung Diktatur auf eine Gesellschaft und für ihre Individuen hat.

Eine meisterhafte Erzählung.

Don DeLillo – Cosmopolis

Wednesday, November 3rd, 2010

DeLillo beschreibt reißerisch den Tag eines Investmentbankers, der mit seiner gepanzerten Limosine durch New York City fährt, in Straßenkämpfe gerät, sich wie jeden Tag von seinem Arzt im Wagen die Prostata durchchecken lässt, derweil noch eine Videokonferenz mit seiner Finanzchefin führt und zwischendurch noch mehrere Geschlechtsakte mit verschiedenen Frauen, durchführt. Am Ende des Tages geht der Protagonist mit seinem Imperium unter.

Bei all dem Feuerwerk war der Roman für mich ziemlich langweilig.

Cees Noteboom – Rituale

Sunday, October 10th, 2010

Mit dem Beginn meiner Auszeit nach der Promotion komme ich endlich auch wieder mehr zum Lesen. Notebooms Rituale war der erste Roman, den ich im Oktober in Angriff genommen habe.

Der Roman handelt vom Amsterdamer Inni Wintrop, finanziell unabhängig, nicht berufstätig, seit einiger Zeit wieder Junggeselle und Kunstliebhaber. Die Erzählung berichtet von verschiedenen Abschnitten seines Lebens: seiner Jugend, dem Ende seiner Ehe und einer Zeit etwas später, den 1970er Jahren.

Sie handelt vom unglücklichen Verhältnis zwischen zwei Misanthropen, Vater und Sohn, die Inni nacheinander und unabhängig voneinander kennenlernt. Der Vater hat Inni während dessen Jugend unterstützt und für dessen finanzielle Unabhägigkeit gesorgt. Von seinem Sohn hat er jedoch nie gesprochen, den Inni nach dem (vermutlichen Freitod) des Vaters trifft.

Ganz nebenbei rechnet Noteboom mit Spiritismus und Religionen ab, indem er Wintrop mal auf Katholiken, dann wieder auf Anhänger fernöstlicher Glaubensrichtungen treffen und über ihre Philosophie räsonieren lässt.

Am Ende stirbt der zweite Misanthrop wie sein Vater: selbst gewählt und einsam.

Ivan Vladislavic – Johannesburg. Insel aus Zufall

Thursday, October 7th, 2010

Vladislavic schildert seine Stadt – Johannesburg – in 138 kleinen Geschichten. Jede Geschichte ist für sich minimalistisch, sie drückt nur einen oder wenige Gedanken aus. Manche dieser Geschichten erstrecken sich auch nur über einen einzigen Absatz.

Trotzdem sorgt ihre Zusammenstellung für ein lebendiges Bild von Johannesburg, einer Stadt, in der selbst die Gullydeckel gestohlen werden und sich die Weißen hinter himmer höheren Mauern verstecken.

Eine faszinierende Art der literarischen Darstellung einer Stadt.

Tirdad Zolghadr – Softcore

Monday, September 27th, 2010

Zolghadr schreibt einen Roman über das Teheran der jüngsten Vergangenheit. Die Frauen lassen sich die Nasen liften, trinken Alkohol, konsumieren diverse Drogen und feiern rauschende, mitunter zerstörerische Feste. In alledem will der Ich-Erzähler eine Cocktail wiedereröffnen und damit an die Geschichte eines Ladens aus der Zeit vor der islamischen Revolution anknüpfen. Dabei gerät er in ein Dickicht aus Geheimdienst und Polizei, das ihn am Ende sein Leben kostet.

Ehrlich gesagt war ich mit diesem Roman offenbar überfordert. Vielfach nahm der Handlungsverlauf so jähe Richtungsänderungen, dass ich nicht folgen konnte. Aber vielleicht ist es genau das, was der Erzähler hier deutlich machen möchte: Dass sich die Gesellschaft im Iran in atemberaubenden Tempo verändert?

Wie auch immer, ich konnte mit dieser Lektüre nicht soviel anfangen.

Maruya Saiichi – Die Journalistin

Friday, September 10th, 2010

Saiichi schreibt über das Japan der 1980er Jahre, reflektiert manchmal augenzwinkernd und manchmal philosophisch über seine Eigenheiten und transportiert diese Geschichte als Roman über eine gestandene Journalistin, alleinerziehende Mutter einer erwachsenen Tochter, die sich mit einem Leitartikel den Zorn höherer Parteikader zuziehet.

In diesem Rahmen zeichnet Saiichi die politischen Verflechtungen seines Landes nach, die mehr oder weniger offene Korruption, aber auch die Arten, damit umzugehen und sich davon im Alltagsleben nicht zu sehr beeinflussen zu lassen.