Archive for the ‘Fachliteratur’ Category

Robert B. Cialdini – Influence

Sunday, April 7th, 2013

Cialdini ist Psychologe und hat sich über viele Jahr über sich selbst geärgert, dass er immer wieder und im Rückblick offensichtlich gegen seinen eigenen Willen auf typische Verkaufstricks hereingefallen ist.

Diesen Ärger hat er zu seiner Profession gemacht, Drückerkolonnen von Haustürverkäufern unterwandert, Seminare zum Training von Verkäufern inkognito besucht, um am Ende die typischen Manipulationsmethoden unter sechs Überschriften zu sammeln:

  • Reciprocation: The Old Give and Take and Take… and Take
  • Committment and Consistency: Hobgoblins of the Mind
  • Social Proof: Truths Are Us
  • Liking: The Friendly Thief
  • Authority: Directed Deference
  • Scarcity: The Rule of the Few

Cialdini schildert diese Methoden aus der “Opfer-Perspektive”, tpyischerweise am konkreten Beispiel, und nicht, um andere zu manipulieren.

Ich fand das Buch kurzweilig geschrieben und sehr wertvoll. Einziger Nachteil ist, dass mir aufgefallen ist, wie oft ich in den letzten Jahren erfolgreich manipuliert worden bin.

Viktor Mayer-Schonberger, Kenneth Cukier – Big Data: A Revolution That Will Transform How We Live, Work, and Think

Tuesday, March 12th, 2013

Die Autoren über das nicht mehr ganz junge Thema Big Data und versuchen eine 360°-Darstellung. Wie hat es begonnen, was sind die wichtigsten Rollen (Besitzer von Daten, Big-Data-Analysten sowie Menschen mit Big-Data-Analyseideen) und wo steht das Thema heute.

Etwas esoterisch wird es im Abschnitt über eine mögliche zukünftige Gesetzgebung zu dem Thema.

Trotz allem sehr gut lesbar trotz des sehr technischen Stoffes.

Bryan Burrough, John Helyar – Babarians at the Gate: The Fall of RJR Nabisco

Sunday, January 20th, 2013

In diesem Buch geht es um die Ära der großen LBOs und den größten LBO aller Zeiten, den Fall RJR Nabisco.

Damals entschied das Management und allen voran der CEO, einen LBO zu wagen. Was sich danach entspann und was die Autoren meisterhaft und in vielen Details erzählen ist ein Krimi um die Angebote zwischen verschiedenen Parteien, die alle auf einen Teil vom Kuchen spekulierten: Die Investmentbanken, die Anwaltskanzleien und letztlich das Management von RJR Nabisco selbst.

Sehr spannende Einführung in das Thema LBOs!

Michael Sandel – Justice: What’s the right thing to do

Sunday, January 20th, 2013

Sandel stellt sich und seinen Lesern genau diese Frage: Was ist “gerecht”, welche Verhaltensweisen sollten wir (in unserer Gesellschaft) fördern, welche sanktionieren? Er diskutiert diese Fragen im Spektrum Libertarismus und Utilitarismus und überlässt es dem Leser, eine Antwort auf die Fragen zu bilden; nur an wenigen Stelle bezieht er selbst Position.

Als Lektüre fand ich das Buch eher anstrengend. So anschaulich Sandels Beispiele sind (Darf eine andere Frau als die Mutter das Kind einer Familie austragen, wenn die eigentlichen Eltern unfruchtbar sind? Dürfen Verkäufer die Preise für Grundnahrungsmittel und Dienstleistungen in Katastrophengebieten anheben, wenn entsprechend Nachfrage ist?) so sehr wird man dadurch auch erschlagen. Weniger Beispiele und eine kompaktere Darstellung hätten die Lesbarkeit und den Transport der Gedanken wesentlich erleichtert.

Michael Woodford – Exposure: Inside the Olympus Scandal

Sunday, January 20th, 2013

Woodford wurde 2011 nach fast 30 Jahren als Angestellter beim japanischen Unternehmen Olympus dessen CEO – eine Ehre für einen britischen Staatsbürger in einem japanischen Unternehmen zu arbeiten.

Relativ schnell erfuhr er durch ein kleines unabhängiges Enthüllungsblatt von Vorwürfen gegen Olympus, in großem Umfang und über Jahrzehnte Verluste in Milliardenhöhe durch kostspielige Akquisitionen kaschiert zu haben. In diese Geschäfte, in die auch die japanische Mafia verstrickt war, war praktisch die gesamte Führungsriege von Olympus involviert, entweder federführend oder immerhin durch Mitwisserschaft.

Woodford konfrontierte seine Kollegen mit diesen Tatsachen und wurde dafür kurzerhand entlassen. In seinem Buch beschreibt er seinen Kampf mit Olympus, der auch nach seiner Entlassung weiterging und in dem er schließlich durch den Einsatz von Massenmedien Olympus dazu zwang, die Vorwürfe anzuerkennen und das Management auszuwechseln.

Spannende Lektüre, bei der man allerdings über Woodfords Selbstbeweihräucherung an mehr als einer Stelle hinwegsehen muss.

Paul A. Samuelson & William A. Barnett – Große Ökonomen im persönlichen Gespräch

Sunday, December 4th, 2011

Dem Buch liegt eine eigentlich gute Idee zugrunde: Kapazitäten auf dem Gebiet der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre interviewen sich in vertraulichen Gesprächen.

Für jemanden, der wie ich keines der beiden Fächer studiert hat, ist das Buch trotzdem praktisch unlesbar, da praktisch auf jeder Seite Bezug auf Theorien und Personen genommen wird, die ich nicht kenne.

Joseph Stiglitz – Freefall

Monday, November 15th, 2010

Der Nobelpreis-Laureat Joseph Stiglitz beschreibt in diesem Buch ausführlich die jüngste Weltwirtschaftskriese und analysiert ihre Ursachen. Auch für Laien wird transparent, wie über mehr Jahre hinweg eine Immobilienblase in den USA entstand, die schließlich 2007 zu platzen begann und die gesamte Weltwirtschaft massiv in Mitleidenschaft zog.

Wahrlich nicht geizen tut Stiglitz in seiner Analyse mit Kritik an der US-Administration, wobei sowohl die letzte Bush-Administration als auch die Maßnahmen unter Obamas Regentschaft “gewürdigt” werden.

Nach ausführlicher Kritik schließt Stiglitz einen Katalog von Maßnahmen und Änderungen für das regulatorische Umfeld insbesondere der Finanzwirtschaft an. Wiewohl ich diese Maßnahmen nicht im einzelnen bewerten kann – dafür fehlt mir sicherlich die Fachkenntnis – so angenehm ist es doch, statt ausschließlich ätzender Kritik einen konstruktiven Beitrag zu lesen.

Christian Bommarius – Das Grundgesetz

Monday, October 4th, 2010

Bomarius schreibt eine interessante und spannende “Biographie” des deutschen Grundgesetzes. Als Provisorium für nur wenige Jahre von der verfassungsgebenden Versammlung nach dem 2. Weltkrieg lediglich für die Besatzungszeit geplant, wurde daraus die freiheitliche Grundordnung der westdeutschen Nachkriegsgeschichte.

Spannend fand ich, dass z.B. das Konzept der Menschenwürde an die erste Stelle zu setzen, erst mit dieser Verfassung in Deutschland ausprobiert und erfolgreich umgesetzt wurde.

Cater Coleman – Cage’s Bend

Monday, May 31st, 2010

Coleman beschäftigt sich in seinem Roman mit verschiedenen Themen: Liebe, Erwachsenwerden, Generationenkonflikt und vor allem manische Depression. Ohne den Anspruch erheben zu wollen, die Krankheit im klinischen Sinne zu beschreiben zeichnet er ein sympathisches Bild von Cage, einem der Protagonisten, der in seinen 20ern manisch Depressiv wird und fortan entweder mit schlimmen Depressionen zu kämpfen hat, oder, wenn er gerade manisch ist, auf einem Trip ist, bei dem er geistreich und witzig aber auch in gefährlicherweise übermütig ist.

Im Laufe der Geschichte wird Cage in diverse geschlossene Anstalten eingewiesen. Coleman gelingt es hier, von Cage und seiner Familie ein Bild zu zeichnen, das die einfache Stigmatisierung als “Verrückten” unmöglich macht und statt dessen echtes Mitgefühl für Familie und Cage und seine Straftaten selbst entstehen lässt. Wenn Coleman eins gelungen ist, dann ist es m.E. vor allem dies.

Die anderen aufgezählten Aspekte sind für mein Verständnis nicht so gut herausgearbeitet. So wird nicht klar, wieso Cages sexbesessener Bruder Harper gegen Ende des Romans mit einem Mal von seinen Sexexzession und Kokainmissbrauch ablassen kann und mal schnell eine Familie gründet.

Auch die Eltern von Cage und Harper empfand ich als verhältnismäßig flach, gerade in Anbetracht der Ambivalenz ihrer Söhne.

Ansonsten aber sehr lesenswert.

George Lakoff & Mark Johnson – Metaphors We Live By

Sunday, April 11th, 2010

Lakoff und Johnson zeigen in diesem sehr kompakten Buch, wie nicht nur unsere Sprache sondern auch unser Denken integral von Metaphern bedingt werden. In einer Generalabrechnung mit Objektivismus und Subjektivismus zeigen sie, dass beide keine konsistenten Systeme für das Verstehen menschlichen Empfindens und Begreifens liefern.

Die Klarheit, mit der die beiden Sprache analysieren und bereit sind, mit philosophischen Annahmen zu brechen, die so etabliert sind, dass sie von den meisten Menschen wohl bereits als Wahrheiten angenommen wurden (und werden) ist beeindruckend.

Unter den Beispielen für Metaphern finden sich ebenso geistreiche wie lustige Beispiele wie etwa: “Complex theories often have problems with the plumbing.” oder “I have a new four-on-the-floor V8.”

Neben der sprach-analytischen Feststellung, dass wir praktisch ständig Metaphern benutzen, um uns die Welt zugänglich zu machen (als wäre die Welt ein Ort, der schwer für unsere Gedanken zu begehen ist), beantworten sie die Frage nach dem symbol grounding für ihre Theorie mit unmittelbarer Sinneserfahrung.

Der Grundgedanke des Buches wird in der Folge weiterentwickelt und u.a. auch verwendet, um zu klären, welchen Einfluss die Verwendung unterschiedlicher Metaphern für dasselbe Konzept hat, indem es jeweil bestimmte Aspekte betont und andere ignoriert.

Nach vielen Enttäuschungen aus der Lektüre zeitgenössischer Philosophie war dieses Buch für mich seit langem mal wieder ein Beispiel dafür, welchen Nutzen klares Denken für das Verständnis der Welt haben kann.