Archive for the ‘Fachliteratur’ Category

Michael Lewis – Flash Boys: A Wall Street Revolt

Sunday, September 21st, 2014

In diesem Sachbuch erklärt Michael Lewis die Welt des High Frequency Tradings. Sehr verständlich aufbereitet und spannend zu lesen.

Jeffrey Rothfeder – Driving Honda

Sunday, September 21st, 2014

Rothfeder schreibt über die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte des japanischen Verbrennungsmotor, Motorrad und Automobilherstellers Honda. Lokalisierung statt Globalisierung, unkonventionelles Denken und eine Art “Obligation to dissent” bis zum letzten Arbeiter am Fließband haben Honda Produktivitätswerte ermöglicht, die nochmal weit über denen von Toyota liegen und dem Unternehmen eine Profitabilität weit über dem Industrieschnitt ermöglicht.

Im Buch sind viele Ideen, die mich neu über industrielle Massenproduktion haben nachdenken lassen. Sehr lesenswert.

Steven Levitt, Stephen J. Dubner – Superfreakonomic

Sunday, April 6th, 2014

Effektiv Teil 2 von “Freakonomics”, dem ersten populärwissenschaftlichen Titel und Bestseller über Microökonomie aus der Feder der gleichen Autoren. Wieder werden absurde Fragen gestellt: “Was haben Mt. Pinatubo und Al Gore gemeinsam?” – beide wirken gegen global warming.

Die zugrunde liegende Annahme aus dem 1. Buch – dass menschliches Verhalten durch Incentives gesteuert wird – wird in diesem Band immerhin noch um positive und negative Externalitäten erweitert.

Das Buch ist sicherlich unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Dennoch: die Inhalte werden nicht erschöpfend dargestellt sondern eher so, dass man damit bei einer Cocktailparty ein paar Gäste unterhalten kann – bis der nächste Gast zu der Runde dazukommt und mittem im Satz ein ganz neues Gesprächsthema beginnt.

Jared Diamond – Collapse

Sunday, April 6th, 2014

Diamond geht in diesem Buch der Frage nach, warum Gesellschaften wie die Bewohner der Osterinsel oder die Maya in Mittelamerika als Hochkulturen Spuren hinterlassen konnten, die wir bis heute noch erkennen können und trotzdem kollabiert sind bis zu dem Punkt, dass von ihrer Zivilisation niemand mehr übrig geblieben ist.

Wie er anhand einer Reihe von Beispielen rekonstruiert, sind diese Desaster in aller Regel schleichend gekommen, sodass die Menschen der verschwundenen Zivilisation beispielsweise über Generationen einfach immer weiter ihren Wald abgeholzt haben, bis es am Ende gar keinen Ausweg mehr gab, auch noch den letzten Baum zu fällen.

Die Kulturen, die Diamond betrachtet sind immer mehr oder weniger isoliert gewesen und sind kollabiert, ohne andere Kulturen mit ins Verderben zu reißen. Es sind die Parallelen zu unserer globalen Kultur, die Auswirkungen unseres Handelns global macht, die das Buch ziemlich düster erscheinen lassen, wenn man das Gelesene auf die heutige Zeit projeziert.

Diamond spricht diese Parallele auch direkt an und weist darauf hin, dass es auch Kulturen gibt, die ein Einverständnis innerhalb ihrer Gesellschaftsordnung gefunden haben, um bspw. den Wald nachhaltig zu bewirtschaften (Japan, Deutschand).

Sehr lesenswert.

Daniel Yergin – The Prize: The Epic Quest for Oil, Money & Power

Saturday, January 11th, 2014

Yergin schreibt die Weltgeschichte der letzten 150 Jahre aus Sicht des Öls, das seither die Weltwirtschaft angetrieben hat.

Er beginnt mit den ersten Ölfunden in den USA und dem Wechsel von Kerzen zu Petroleumlampen. Der nächste große strategische Meilenstein war dann die schicksalhafte Entscheidung Churchills, die britische Flotte von Kohle auf Ölantrieb umzurüsten. Dadurch wurden die Schiffe deutlich schneller, England aber auch abhängig von Ölreserven. Aus dieser Entscheidung heraus entwickelte sich die heutige Machtverteilung im mittleren Osten mit Hegemonen in Saudi Arabien, Irak und Iran.

Letztlich laborieren wir heute noch mit der Frage, wie wir die zuverlässige Versorgung mit Erdöl sicherstellen können, das nicht ausreichend in der westlichen Welt zur Verfügung steht, aber notwendige Voraussetzung für das Funktionieren unserer modernen Industriegesellschaft ist.

Yergin hat keine Antwort auf die offenen Fragen wie Energiesicherheit und Klimawandel. Aber mit seinem Buch wollte er ein Framework liefern, um darüber nachzudenken. Das ist ihm gelungen. Nebenbei hat es auch noch Spaß gemacht, die fast 1.000 Seiten geschichtlicher Lektüre durchzuarbeiten.

Jill Hedges – Argentina: A Modern History

Saturday, January 11th, 2014

Als Vorbereitung für den Bergsteigerurlaub in Argentinien habe ich diese Geschichte vom modernen Argentinien der letzten 150 Jahre durchgearbeitet.

Wenn auch nicht so spannend geschrieben wie Yergins Prize hat mir das Buch doch sehr geholfen, aktuelle Phänomene wie die massenhaften Plünderungen von Supermärkten auf Grund eines Streiks der Polizeikräfte, die kurzerhand in den Polizeistationen geblieben sind, in den letzten Wochen von 2013 ein bisschen besser einordnen zu können.

Spannend war auch die Geschichte von Peron und Evita, die bisher lediglich Namen für mich waren.

Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner – Freakoonomics: A Rouge Economist Explores the Hidden Side of Everything

Saturday, January 11th, 2014

Der Ökonom Levitt und der Journalist Dubner betrachten Phänomene unserer Lebenswelt wie Drogendealer und bei Schuelerleistungstests betrügende Highschool-Lehrer. Um Ökonomie auf diese Weise ausweiten zu können folgen sie dieser Definition: Moral beschreibt, wie sich die Menschen verhalten sollten während Ökonomie untersucht, wie sie sich wirklich verhalten und warum. Für das Warum ist der Möglichkeitsraum klassisch libertär: Sie fragen nach Incentives, unterscheiden dabei aber zwischen monetären, persönlich psychologischen und sozialen Anreizen.

Auch wenn das Buch eher ein Sammelsurium von Themen ist (abgesehen von den beiden oberen geht es auch noch um den Kriminalitätsrückgang in den 1990er Jahren in den USA, betrügende Sumoringer etc.) darstellt, so war die Lektüre trotzdem spannend und unterhaltsam. Der Frame Moral vs. Ökonomie war für mich neu und ist für einige Situationen bestimmt hilfreich.

Linda Polman – Die Mitleidsindustrie: Hinter den Kulissen internationaler Hilfsorganisationen

Sunday, August 25th, 2013

Die Autorin beschäftigt sich mit einem kontroversen Thema: Der Frage, wie ethisch Entwicklungshilfe im Allgemeinen und Nothilfe im Besonderen sind. Im Grunde ist ihr Vorwurf an die internationale Hilfsgemeinschaft, dass Katastrophenhilfe vollständig kommerzialisiert ist und die Allokation von Hilfsgeldern und -projekten lediglich durch die Medienaufmerksamkeit für die jeweilige Katastrophe gesteuert wird. Ethische Erwägungen blieben dabei auf der Strecke, etwa die Frage, ob es im Sinne der Nothilfe ist, wenn im Flüchtlingslager in Goma tausende am Genozid in Ruanda beteiligte Kämpfer wieder zu Kräften kommen konnten, um von dort aus die nächsten Angriffe zu starten.

Durch eine umfangreiche Sammlung von Evidenzen aus verschiedensten Krisengebieten über Jahrzehnte hinweg versucht Polman zu belegen, dass hier ein strukturelles Problem vorliegt und es sich nicht um Einzelfälle handelt. Ob sie mit ihren Vorwürfen in jedem Einzelfall Recht hat kann ich nicht beurteilen. Ihr Aufruf, weiter zu denken als nur über die unmittelbare Nothilfe und z.B. auch darüber, wem sie (möglicherweise unbeabsichtigt) auch noch hilft (z.B. Warlords) finde ich sehr vernünftig. Am Ende hat auch sie kein Patentrezept, aber sie stellt die richtigen – unangenehmen – Fragen.

Evgeny Morozov – To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism

Tuesday, August 6th, 2013

Morozov setzt sich mit einem Phänomen auseinander, das er “Solutionism” getauft hat: Der Annahme, dass es für alle Probleme eine technische Lösung gibt und dass dies die Lösung der Wahl ist. Für mich war die Lektüre insbes. deshalb spannend weil ich auf diese Annahme auch immer wieder naiv hereinfalle.

Neben vielen anderen zitiert er dazu folgendes Beispiel: Angenommen das Kind einer typischen Mittelstandsfamilie in der westlichen Welt ist übergewichtig – durchaus ein Problem, für das es sich lohnt eine Lösung zu suchen. Eine Möglichkeit darauf zu reagieren ist, dem Kind einen Sensor, z.B. ein Nike Fuel Band, zu kaufen, mit dem Daten gesammelt werden, wie aktiv es ist.

Typischerweise beinhalten solche Datensammel-Geräte auch immer Funktionen zum Setzen von Zielen und für den Wettbewerb mit anderen – zwei wesentlichen Ausprägungen von “Gamification”, also Verhaltensänderung bei Menschen dadurch herbeizuführen, ein künstliches Optimierungsproblem zu definieren und in einem spielerischen Ansatz mit Zielkennzahlen und Wettbewerb mit anderen Menschen die Kennzahlen des Optimierungsproblems zu maximieren.

Morozov weist m.E. zurecht darauf hin, dass das Kind mit Nichten lernen wird, dass Übergewicht an sich schlecht ist und wie man es am besten vermeidet, sondern es wird tendenziell die intellektuell leichtere bequemere Variante wählen, schlicht die Kriterien des Optimierungsproblems zu maximieren, ohne jemals ein tieferes Verständnis des eigentlichen Problems zu entwickeln.

Weitere Effekte, wie die Abnutzung der Gamification für ein bestimmtes Optimierungsproblem (ziemlich bald wird auch das Nike Fuel Band wieder langweilig) sowie das “Quantified Self Movement” – das bereitwillige Sammeln und zur Verfügung stellen von detaillierten Daten, die u.a. Rückschlüsse auf intime Lebensgewohnheiten zulassen – das hoch relevant z.B. für die Risikobewertung einer Lebens- oder Krankenversicherung, behandelt er ebenso.

Für glühende Anhänger von Big Data und Self Monitoring eine sehr lohnende Lektüre!

Ryan Holiday – Trust Me, I’m Lying: Confessions of a Media Manipulator

Tuesday, August 6th, 2013

Holiday hat in seinem Leben viel Geld damit verdient, Online-Medien zu manipulieren. Sein Ziel war es, PR für Produkte seiner Klienten als kontroverse Artikel verkleidet so zu plazieren, dass sie als Nachrichten zunächste in der Online- und im Idealfall anschließend auch in der Offline-Nachrichtenwelt verbreitet wurden. Gegenüber Werbeanzeigen spart er damit seinen Kunden die Kosten für Werbefläche und erzeugt potenziell auch noch deutlich mehr Reichweite.

Nach seiner düsteren Darstellung sind die Incentives im Online-Publishing so gesetzt, dass Blogs wie TechCrunch, Gawker und die HuffingtonPost für Manipulationen anfällig sein müssen, da sie einzig auf die Anzahl Pageviews optimieren, die wiederum direkt die Werbeeinnahmen beeinflusst. Am besten verkaufen sich immer noch spektakuläre Gerüchte, Vorwürfe und Katastrophenmeldungen, die nicht einmal mehr ansatzweise belegt werden müssen. Ziemlich anschaulich belegt er Wege der Manipulation durch Beispiele seiner eigenen Arbeit und der von anderen.

Auch mit Publishing 2.0, also dem iterativen Weiterentwickeln von Nachrichten rechnet er ab. Sein Vorwurf lautet hier, dass Falschmeldungen systematisch mehr Reichweite haben als anschließende Richtigstellungen, was er mit einschlägigen Studien aus der Psychologie belegt.

Ohne eine Lösung für das Problem zu haben zeichnet er ein düsteres Bild der Online-Medien unserer Zeit, das ihn selbst so bedrückt hat, dass er wenigstens publik machen möchte, in welchem Zustand sich die Medienlandschaft befindet, in der Hoffnung, damit zumindest Transparenz geschaffen zu haben.