Archive for the ‘Theaterstücke’ Category

Arthur Miller – Death of a Salesman

Saturday, September 29th, 2012

Auf Empfehlung von “Dr. Bilet aus der Zentrale” ist dieses Theaterstück auf meinem Kindle gelandet.

Miller schreibt über den amerikanischen Traum von wirtschaftlichem Erfolg, vom Erfolg der Familie, insbes. der Kinder und seinem Scheitern. Willy, der Protagonist und Handlungsreisende, ist krankhaft ehrgeizig und kompetetiv. Seine Kinder Biff und Happy liebt er über alles und will sie beeindrucken, obwohl sein Geschäft nicht so gut läuft, wie er selbst gerne glauben würde.

Nur um den Schein seines Erfolgs aufrecht zu erhalten leht er Jobangebote ab, auch dann noch, als er selbst bereits keinen Job mehr hat.

Am Anfang wie am Ende steht er vor dem Scherbenhaufen seines Lebens, das eigentlich ein Erfolg hätte sein können, wenn er es nicht mit Borniertheit und seinem Ehrgeiz für sich und seine Familie zu einem ständigen Wettlauf gemacht hätte, bei dem schließlich alle verloren haben. Der Unterschied ist, dass er am Ende der Handlung – nur 24 Stunden nach ihrem Beginn – diesen Scherbenhaufen selbst sieht und im Suizid den Ausweg sucht.

Jean-Paul Sartre – Geschlossene Gesellschaft

Friday, November 2nd, 2007

Sartre hat mit der “Geschlossenen Gesellschaft” ein Theaterstück über das Zusammensein in der Kleingruppe geschrieben. Kurz hintereinander werden drei Menschen, jeweils durch den gleichen Kellner begleitet, in einen Raum geführt: Ein Mann und zwei Frauen. Alle drei sind Tote, alle drei fühlen sich irgendwie schuldig und haben erwartet in die Hölle zu kommen. Doch im Raum gibt es keinen Folterknecht und keine glühenden Kohlen. Schnell merken sie jedoch: “Die Hölle, das sind immer die anderen.”

Garcin, der Mann, ist vor dem Krieg geflohen, er wollte nicht als Soldat kämpfen müssen. Vorher hatte er immer versucht, wie ein richtiger Mann, wie ein Held zu leben, doch dann wird er bei seiner Flucht gestellt und erschossen. Er fühlt sich als Feigling und er wollte immer das Gegenteil davon sein. Bei den beiden Frauen versucht er Trost zu finden. Doch mit dem Trost wird es nichts. Sartre führt dem Leser vor Augen, dass wir uns selbst immer nur durch die anderen beurteilen. Unser Selbstbild ist nicht möglich ohne die Reflektion darüber, wie wir in den anderen wirken (könnten). Diese Bezogenheit auf die anderen macht uns abhängig davon, was die anderen von uns denken könnten; was sie wirklich über uns denken, können wir letztendlich aber nicht herausbekommen. Garcin geht durch die Hölle in der Annahme, dass die anderen ihn für einen Feigling halten. Er schafft es nicht, aus diesem Selbstbild zu entkommen und so bleibt er zusammen mit den beiden Frauen im Raum, als sich die Gelegenheit ergibt, zu entkommen.

Die Peiniger in dieser Hölle sind sich die “normalen” Menschen gegenseitig, es bedarf gar keiner zusätzlichen Folterknechte.

“Der Mensch ist das, was er will”.

Oscar Wilde – Lady Windermere’s Fan

Thursday, August 16th, 2007

Zunächst eine Begebenheit von der TransAlp 2007: Wir sitzen in der Zillertalbahn auf dem Weg nach Jenbach. Ich lese Oscar Wilde. Neben mir sitzt ein älterer Herr, der mich nach einiger Zeit auf englisch anspricht und mit britischem Dialekt fragt, ob Wilde mir gefalle. Klar gefällt er mir, was bei ihm wenig Begeisterung auslöst. Ich nutze die Gelegenheit und frage ihn, wie es inzwischen um Wildes Reputation bestellt sei, nachdem er für seine Homosexualität um die letzte Jahrhundertwende herum ins Gefängnis musste. Seine Antwort lautete in etwa so: Wir (die Briten) lesen seine Stücke, sie sind respektiert, aber seine Biographie…

In Lady Windermere’s Fan beschäftigt sich Wilde mit den Moralvorstellungen seiner Zeit, mit Tugend, Anstand und Aufrichtigkeit. Lady Windermere, die zunächst sicherlich die tugendhafteste von allen Charaktären in diesem Stück ist, muss mehr und mehr feststellen, dass ihre moralischen Maßstäbe leider nicht absolut sind. Ohne es zu ahnen begegnet sie ihrer Mutter, die ihre gesellschaftliche Stellung aus Liebe zu einem anderen Mann aufgegeben hat. Lady Windermere blickt deshalb auf sie herab. Am Ende muss sie jedoch anerkennen, dass es die ihrer Meinung nach verworfenste Person ist, die sie vor demselben Schicksal rettet.

Beeindruckend ist, wie Wilde es schafft, einen ziemlich einfachen und vordergründigen Humor mit vielen hintergründigen Anspielungen verknüpfen kann, um so eine Erörterung über die eigentlich philosophische Frage nach Moral und Tugend unters Volk zu bringen, die in anderer Form wohl nur ein müdes Gähnen geerntet hätte.