Der Untertitel dieses Buches lautet: “Mentalese and it’s Semantics” und genau darum geht es auch. Mentalese ist ein von Fodor geprägter Ausdruck für die von ihm angenommene interne Sprache, in der wir denken. In “The elm and the expert” versucht er diesen Gedanken zu entwickeln und seinen Funktionalismus darzustellen.
Dabei hat er im Prinzip das gleiche Problem zu lösen, dass seit Descartes – wenn nicht schon früher – alle Philosophen zu lösen hatten, wenn sie das Denken zu erklären versuchten: Wie geht das Denken auf unserer subsymbolischen neuronalen Hardware mit den symbolischen Kategorien und Ideen zusammen?
Fodor formuliert den Gegensatz etwas anders: Die Alltagspsychologie sagt uns, dass mentale Zustände typischerweise intentional sind. Denken ist immer auf ein Objekt, auf eine Handlung, auf ein Ziel hin gerichtet. Wenn ich denke, dass ich gleich etwas essen gehen will, dann macht dieser Gedanke keinen Sinn ohne die Gerichtetheit meiner selbst auf dieses Essengehen.
Auf der anderen Seite steht die moderne Kognitionswissenschaft – Fodor bezieht sich vor allem auf Turing -, derzufolge mentale Zustände berechenbar (“computational”) sind. Als Evidenz für diese Aussage führt Fodor an, dass Gedankengänge, die von wahren Prämissen ausgehen und logisch korrekte Schlussfolgerungen enthalten, zu wahren Schlüssen gelangen. Es gibt also so etwas wie Wahrheitserhaltung beim Denken. Ein Konzept wie logische Wahrheit ist jedoch nur für Symbole bzw. Symbolfolgen und -transformationen denkbar. Wie soll Wahrheitserhaltung auf subsymbolischer Ebene funktionieren. Also muss sie auf symbolischer Ebene stattfinden. Daraus folgert Fodor mit Turing, dass das menschliche Gehirn regelhafte (Syntax!) Symbolmanipulation beim Denken ausführt, dass Denken mit Symbolmanipulation identisch ist.
Er muss also zwei Aussagen in Einklang bringen:
1. “mentale Zustände sind intentional” und
2. “mentale Zustände sind computational”
Nachdem er die beiden Aussagen kurz und bündig vorgestellt hat, verwendet er weitere 75 Seiten, um mit Gedankenexperimenten und manchmal ziemlich aufwendigen Theoriekonstruktionen nachzuweisen, dass das eine das andere nicht ausschließt, beide Aussagen also eigentlich dasselbe ausdrücken.
Klar wird aber vor allem eines: Im Sinne von Lakoff und Johnson befindet er sich immernoch in der ersten Generation der Kognitionswissenschaft, die Theorien entwickelt, die kaum oder keinen Bezug zur Empirie haben. Wenn ich mich für die Funktionsweise der visuellen Wahrnehmung meiner Katze interessiere, dann lese ich zunächst einige Bücher über die (Neuro-)Anatomie von Katzen und befasse mich möglicherweise noch mit wissenschaftlichen Veröffentlichungen auf diesem Gebiet, um auf den aktuellsten Stand der Wissenschaft zu kommen. Überträgt man Fodors Vorgehensweise auf das genannte Problem, so sähe der Ansatz so aus: Einfach mal überlegen, wie das bei einer Katze funktionieren könnte; empirische Erkenntnisse aus der Neurologie links liegen lassen; wild spekulieren und die entstehenden Theorien anhand von Gedankenexperimenten auf die Probe stellen bzw. weiterentwickeln.
Mein Vergleich hinkt deshalb etwas, weil sich das menschliche Denken nicht so leicht untersuchen lässt wie die visuelle Wahrnehmung der Katze aus meinem Beispiel. Dennoch ist dieses Buch 1994 veröffentlicht worden, zu einer Zeit also, als die in der Neurokognition verbreiteten bildgebenden Verfahren längst etabliert und z.B. Spiegelneuronen längst entdeckt waren, die empirisch belegbare Hinweise auf die Art geben können, wie unser Denken abläuft. Von all diesen empirischen Evidenzen findet man bei Fodor nichts.
Fazit: Ein interessantes Stück Geschichte der Kognitionswissenschaft. Wenn die Philosophie sich auf diese Weise in der Kognitionswissenschaft (hier repräsentativ für andere Naturwissenschaften) nützlich zu machen versucht, braucht sie sich nicht zu wundern, wenn die Naturwissenschaftler immer kopfschüttelnd von “herumphilosophieren” sprechen.