Archive for the ‘Antike’ Category

Paul Veyne – Weisheit und Altruismus

Saturday, July 22nd, 2006

Untertitel: Eine Einführung in die Philosophie Senecas.

Üblicherweise mache ich hier nur selten Notizen zu Büchern, die ich Rahmen meines Philosophiestudiums gelesen habe. Veynes Einführung in Senecas Stoizismus, der in der Reihe Philosohpie bei Fischer erschienen ist, hat mir aber so gut gefallen, dass ich sie im Gegensatz zu den einführenden Texten von Wolfgang Weinkauf (“Die Stoa”) und Georg Maurach (“Seneca”) notieren möchte. Veyne stellt kritische Fragen, zeigt widersprüchliches auf.

Kurzum: Er regt das Denken des Lesers an, macht die Gedanken der Stoiker und ihre Problematik einprägsam.

Seneca – Von der Kürze des Lebens

Sunday, April 23rd, 2006

Meine Großeltern schenkten mir dieses Buch zum 25. Geburtstag. Es ist eine Übersetzung des lateinischen Textes “De brevitate vitae” des Stoikers Seneca, der etwa zur Zeit Jesu Geburt gelebt hat.

Egal, wie sehr sich literarische Leichenfledderer über sein Werk hergemacht haben, seine Gedanken sind zeitlos: Das Leben, das uns gegeben ist, ist lang genug und völlig ausreichend zur Vollführung auch der herrlichsten Taten, wenn es nur von Anfang bis Ende gut verwendet würde [...] (S. 6). Seneca meint, dass wir zwar mit unserem Vermögen (mehr oder weniger) rationell umgehen, indem wir es klug investieren um Gewinne daraus zu erzielen und dabei dennoch das Risiko zu minimieren suchen; mit der Zeit aber – unserer Lebenszeit – gehen wir so sorglos um, als wäre sie unbegrenzt verfügbar. Nicht das Leben, das wir empfangen, ist kurz, nein, wir machen es dazu (S. 6). Vielfach werden Vorhaben auf die Zukunft geschoben, auf die nächsten Ferien, wenn die Kinder aus dem Haus sind, die Zeit nach der Pensionierung. Welche Verspätung mit dem Leben anzufangen, wenn man aufhören muss. (S. 14) Vorher wird gejammert, dass die Zeit zur Muße fehle, danach, dass uns nur noch so wenig Zeit bis zum Tod bleibe. Ihr lebt, als würdet ihr immer leben. (S. 13)

In den Kapiteln 4, 5 und 6 versucht Seneca an den Biographien von Kaiser Augustus, Cicero und M. Livius Drusus zu zeigen, wie diese trotz ihrer Machtfülle und ihrer allgemein bewunderten Position an der Spitze der Gesellschaft doch keine Zeit für sich selbst hatten. Es überstürzt ein jeder sein Leben, leidet an Sehnsucht nach der Zukunft und an Überdruß an der Gegenwart. (S. 28)

Die Menschen verbringen ihre Zeit mit Habsucht, nutzlosen Aufgaben oder gar Stumpfsinn. Schlimmer noch als von Hass getriebene oder kriegswütige Menschen sind solche, die sich dem Bauchesdienst oder der Wolllust (S. 24) verschreiben, weil erstere immerhin noch eine gewisse Männlichkeit aufwiesen, während letztere eine untilgbare Schande auf den Ausführenden laden würden. Dem gegenüber stellt Seneca ein Leben, dass der Weisheit gewidmet sein solle, in dem der Mensch in der Muße die Ruhe zur intensiven Beschäftigung mit nachhaltig wirkenden geistigen Gütern findet. Der Muße wirklich ergeben sind überhaupt nur die, die ihre Zeit der Weisheit widmen. (S. 54) Nur diese Menschen schaffen sich im Laufe ihres Lebens einen Mehrgewinn, nur sie können aus der Vergangenheit Gewinn ziehen.

Dabei solle man sich klar machen, dass man einzig über den (kurzen Zeitraum der) Gegenwart verfügen kann. Das Leben lässt sich in drei Zeiten einteilen: Die bereits vergangene Zeit ist für uns veloren, wenn wir sie mit aktionistischer Geschäftigkeit verbracht haben, die Zukunft ist unsicher, schließlich könnten wir (das ist meine moderne Interpretation) schon morgen von einem Laster überrollt werden, während wir die Straße überqueren. Nur die Gegenwart ist für uns verfügbar. Die größte Hemmnis des Lebens ist die Erwartung, die sich an das Morgen hängt und das heute verloren gibt. (S. 33)

Könnte einem jeden die Zahl seiner künftigen Jahre ebenso genau vorgerechnet werden wie die vergangenen, wie würden diejenigen, die nur noch auf wenige Jahre Aussicht hätten, zittern, wie sparsam würden sie mit diesen wenigen umgehen. Und doch ist es leicht, etwas, dessen man ganz sicher ist, mag es auch noch so gering sein, richtig einzuteilen; weit größere Achtsamkeit erfordert die Behütung dessen, wovon man nicht weiß, wann es aufhöre. (S. 31)

Fazit: Schade, dass ich erst so spät auf diesen Text gestoßen bin.