Archive for the ‘21.’ Category

The Second Machine Age

Sunday, October 5th, 2014

Die beiden Autoren setzen das aktuelle Wachstum im Bereich ICT in Beziehung zur 1. industriellen Revolution. Der Kerngedanke ist, dass die 1. industrielle Revolution mit der Dampfmaschine einen bis daher in der Breite der Bevölkerung nicht gekannten Wohlstand gebracht hat. Haupttreiber dafür sei gewesen, dass die Energie aus Kohle (und später Erdöl) die Kraft von Menschen und Tieren für Produktion und Logistik ersetzt und übertroffen hat.

Bei der 2. Revolution ist es nicht die Körperkraft von Menschen, die durch Maschinen ersetzt wird, sondern mentale Fähigkeiten. Dies bringt “bounty” und “spread” zugleich, also großen Wohlstand, gleichzeitig aber auch eine ungleichere Verteiltung von Reichtum durch Netzwerkeffekte. Letzteren Gedanken fand ich ziemlich erhellend. Während noch vor 10 Jahren Händler das Unwissen von Kunden ausnutzen konnten und lokal schlechtere Ware oder gute Waren zu höheren Preisen verkaufen konnten, ist dies heute nur noch schwer möglich. Das führt dazu, dass der güntigste Anbieter nicht mehr sondern allen Umsatz macht, ebenso wie der Anbieter mit den besten Features allen Umsatz für sich reklamieren kann.

Sehr lesenswert und sinnvoll ausgewogen zwischen Technologiebegeisterung und Nachdenklichkeit über ihre Folgen.

Chimamanda Ngozi Adichie – Americanah: Roman

Sunday, September 21st, 2014

Adichie schreibt über das Aufwachsen in Nigeria, den Drang nach Westen, in die USA – das gelobte Land – und die Schwierigkeiten und den Rassismus, der ihr dort entgegenschlägt.

Schließlich gelingt es ihr, in Princeton ein Stipendium zu erhalten. Sehr reflektiert schreibt sie über diese Insel der Glückseligkeit in Mitten der USA, wo materielle Sorgen eigentlich gar nicht mehr existieren.

Letztlich zieht es sie aber doch zurück in ihre Heimat und so beschließt sie nach mehr als 10 Jahren, nach Nigeria zurück zu kehren. Ihr Beginn dort ist ähnlich schwierig wie in den USA.

Parallel dazu erzählt sie die Geschichte ihrer Jugendliebe, die sie nie vergessen kann, und der gesamten Geschichte einen Rahmen gibt.

Kurzweilig und nachdenklich.

Michael Lewis – Flash Boys: A Wall Street Revolt

Sunday, September 21st, 2014

In diesem Sachbuch erklärt Michael Lewis die Welt des High Frequency Tradings. Sehr verständlich aufbereitet und spannend zu lesen.

Michael T. Kaufmann – Soros. The Life and Times of a Messianic Billionaire

Sunday, September 21st, 2014

Kaufmann schreibt eine Biographie über den Investor und Philanthropen George Soros. Mit seinem Hedge Fonds sagenhaft reich geworden verfolgt Soros insbes. nach dem Zusammenbruch des Ostblocks eine Art eigene Außenpolitik, ohne dass er einen eigenen Staat hätte oder im Rahmen der normalen Politik handeln würde. Mit einem jährlichen Budweg von einer halben Milliarde US-Dollar – aus seinem Fonds – kann er über Jahre seine eigene politische Agenda shapen.

Spannende Lektüre.

Jeffrey Rothfeder – Driving Honda

Sunday, September 21st, 2014

Rothfeder schreibt über die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte des japanischen Verbrennungsmotor, Motorrad und Automobilherstellers Honda. Lokalisierung statt Globalisierung, unkonventionelles Denken und eine Art “Obligation to dissent” bis zum letzten Arbeiter am Fließband haben Honda Produktivitätswerte ermöglicht, die nochmal weit über denen von Toyota liegen und dem Unternehmen eine Profitabilität weit über dem Industrieschnitt ermöglicht.

Im Buch sind viele Ideen, die mich neu über industrielle Massenproduktion haben nachdenken lassen. Sehr lesenswert.

Steven Levitt, Stephen J. Dubner – Superfreakonomic

Sunday, April 6th, 2014

Effektiv Teil 2 von “Freakonomics”, dem ersten populärwissenschaftlichen Titel und Bestseller über Microökonomie aus der Feder der gleichen Autoren. Wieder werden absurde Fragen gestellt: “Was haben Mt. Pinatubo und Al Gore gemeinsam?” – beide wirken gegen global warming.

Die zugrunde liegende Annahme aus dem 1. Buch – dass menschliches Verhalten durch Incentives gesteuert wird – wird in diesem Band immerhin noch um positive und negative Externalitäten erweitert.

Das Buch ist sicherlich unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Dennoch: die Inhalte werden nicht erschöpfend dargestellt sondern eher so, dass man damit bei einer Cocktailparty ein paar Gäste unterhalten kann – bis der nächste Gast zu der Runde dazukommt und mittem im Satz ein ganz neues Gesprächsthema beginnt.

Jared Diamond – Collapse

Sunday, April 6th, 2014

Diamond geht in diesem Buch der Frage nach, warum Gesellschaften wie die Bewohner der Osterinsel oder die Maya in Mittelamerika als Hochkulturen Spuren hinterlassen konnten, die wir bis heute noch erkennen können und trotzdem kollabiert sind bis zu dem Punkt, dass von ihrer Zivilisation niemand mehr übrig geblieben ist.

Wie er anhand einer Reihe von Beispielen rekonstruiert, sind diese Desaster in aller Regel schleichend gekommen, sodass die Menschen der verschwundenen Zivilisation beispielsweise über Generationen einfach immer weiter ihren Wald abgeholzt haben, bis es am Ende gar keinen Ausweg mehr gab, auch noch den letzten Baum zu fällen.

Die Kulturen, die Diamond betrachtet sind immer mehr oder weniger isoliert gewesen und sind kollabiert, ohne andere Kulturen mit ins Verderben zu reißen. Es sind die Parallelen zu unserer globalen Kultur, die Auswirkungen unseres Handelns global macht, die das Buch ziemlich düster erscheinen lassen, wenn man das Gelesene auf die heutige Zeit projeziert.

Diamond spricht diese Parallele auch direkt an und weist darauf hin, dass es auch Kulturen gibt, die ein Einverständnis innerhalb ihrer Gesellschaftsordnung gefunden haben, um bspw. den Wald nachhaltig zu bewirtschaften (Japan, Deutschand).

Sehr lesenswert.

Joe Simpson – The Beckoning Silence

Saturday, January 11th, 2014

Simpson, der mit Touching the Void berühmt geworden ist, setzt sich in diesem autobiographischen Buch mit der Frage auseinander, warum er immer wieder sein Leben riskiert, wenn er zum Klettern in die Berge geht.

Die Frage ist ja durchaus berechtigt, über seine eigene Biographie hinaus. Seine Erklärung ist dennoch eine persönliche, die er aber zu verallgemeinern versucht: Er meint, dass Menschen – und die Menschheit selbst – über sich hinauswächst, wenn sie neue, schwierige Dinge versucht. Dieses Wagnis, auch wenn es das Leben kosten kann, idealisiert und verklärt er und spült die Risiken mit romantischen Betrachtungen der Natur in den Bergen weich und zitiert fleißig biographische und autobiographische Berichte von Bergsteigerlegenden wie Mallory und Bonetti.

Sein Versuch einer konsequenten Erklärung dafür, dass jedes Jahr Menschen ohne zwingende Veranlassung in die Berge fahren und ihr Leben lassen, muss zwangsläufig scheitern.

Dieses Scheitern spiegelt sich auch in seiner Geschichte von der letzten großen Bergtour wieder, nach der er die Bergsteigerei sein lassen will. Die vielen Todesfälle unter seinen Bergsteigerfreunden lassen Zweifel an seinem Tun in ihm wach werden und er beschließt, zum Abschluss ausgerechnet noch die Eiger-Nordwand zu versuchen. Der Versuch scheitert, eine andere Seilschaft verunglückt tödlich. Das Buch endet mit der Aussicht darauf, es im nächsten Sommer wieder zu versuchen.

All seine rationalen Abwägungen zu Risiken und verlorenen Freunden verblassen hinter seiner eigenen Begeisterung fürs Bergsteigen und – unausgesprochen – macht er wider alle Vernunft genauso weiter wie vorher.

Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner – Freakoonomics: A Rouge Economist Explores the Hidden Side of Everything

Saturday, January 11th, 2014

Der Ökonom Levitt und der Journalist Dubner betrachten Phänomene unserer Lebenswelt wie Drogendealer und bei Schuelerleistungstests betrügende Highschool-Lehrer. Um Ökonomie auf diese Weise ausweiten zu können folgen sie dieser Definition: Moral beschreibt, wie sich die Menschen verhalten sollten während Ökonomie untersucht, wie sie sich wirklich verhalten und warum. Für das Warum ist der Möglichkeitsraum klassisch libertär: Sie fragen nach Incentives, unterscheiden dabei aber zwischen monetären, persönlich psychologischen und sozialen Anreizen.

Auch wenn das Buch eher ein Sammelsurium von Themen ist (abgesehen von den beiden oberen geht es auch noch um den Kriminalitätsrückgang in den 1990er Jahren in den USA, betrügende Sumoringer etc.) darstellt, so war die Lektüre trotzdem spannend und unterhaltsam. Der Frame Moral vs. Ökonomie war für mich neu und ist für einige Situationen bestimmt hilfreich.

Michael E. Mann – The Hockey Stick and the Climate Wars: Dispatches From the Front Lines

Saturday, January 11th, 2014

Mann hat in den 1990er Jahren seinen Abschluss als Klimaforscher in den USA gemacht und ist nolens volens mit einer Publikation zum Verlauf der Temperaturentwicklung der vergangenen 1.600 Jahre zur Zielfigur für die Verneiner des weltweiten Klimawandels geworden. In diesem Buch beschreibt er, wie seine wissenschaftlichen Beiträge systematisch diskreditiert wurden bis dahin, dass sein Leben bedroht wurde.

Als Deutscher war ich im Wesentlichen unbehelligt von der Diskussion, ob es nun einen von Menschen verursachten Temperaturanstieg gibt. Ich bin seit Ende der 1990er Jahre davon ausgegangen, dass dies erwiesen ist. Dass es in den USA eine dermaßen widerwärtige Diskussion dazu gab, mit allem, was die Manipulationsmaschinerie aufzubieten hat, war mir nicht bewusst und wirft einen ziemlichen Schatten auf das ‘Land of the Free’.

Am Ende stilisiert sich Mann dann für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr zum Helden in diesem Konflikt, den er ja bereits im Titel zu einem Krieg stilisiert. Aber wirklich verübeln kann man ihm das nicht.