Archive for the ‘21.’ Category

Robert B. Cialdini – Influence

Sunday, April 7th, 2013

Cialdini ist Psychologe und hat sich über viele Jahr über sich selbst geärgert, dass er immer wieder und im Rückblick offensichtlich gegen seinen eigenen Willen auf typische Verkaufstricks hereingefallen ist.

Diesen Ärger hat er zu seiner Profession gemacht, Drückerkolonnen von Haustürverkäufern unterwandert, Seminare zum Training von Verkäufern inkognito besucht, um am Ende die typischen Manipulationsmethoden unter sechs Überschriften zu sammeln:

  • Reciprocation: The Old Give and Take and Take… and Take
  • Committment and Consistency: Hobgoblins of the Mind
  • Social Proof: Truths Are Us
  • Liking: The Friendly Thief
  • Authority: Directed Deference
  • Scarcity: The Rule of the Few

Cialdini schildert diese Methoden aus der “Opfer-Perspektive”, tpyischerweise am konkreten Beispiel, und nicht, um andere zu manipulieren.

Ich fand das Buch kurzweilig geschrieben und sehr wertvoll. Einziger Nachteil ist, dass mir aufgefallen ist, wie oft ich in den letzten Jahren erfolgreich manipuliert worden bin.

Viktor Mayer-Schonberger, Kenneth Cukier – Big Data: A Revolution That Will Transform How We Live, Work, and Think

Tuesday, March 12th, 2013

Die Autoren über das nicht mehr ganz junge Thema Big Data und versuchen eine 360°-Darstellung. Wie hat es begonnen, was sind die wichtigsten Rollen (Besitzer von Daten, Big-Data-Analysten sowie Menschen mit Big-Data-Analyseideen) und wo steht das Thema heute.

Etwas esoterisch wird es im Abschnitt über eine mögliche zukünftige Gesetzgebung zu dem Thema.

Trotz allem sehr gut lesbar trotz des sehr technischen Stoffes.

Mark Haddon – The Curious Incident of the Dog in the Night-Time

Sunday, February 10th, 2013

Haddon beschreibt in seinem Roman die Welt aus der Sicht eines Jungen mit Asperger-Syndrom, einer milden Form von Autismus. Der Ich-Erzähler Christopher findet eines Nachts den Hund einer Nachbarin aufgespießt mit einer Gartenforke auf dem Rasen vor ihrem Haus.

Er entschließt sich dazu herauszufinden, wer den Hund getötet hat und erfährt dabei am Ende mehr über seine eigene Familie als über den toten Hund.

So sehr das Buch gelobt wird (Whitbread Book Award, Commonwealth Writers’ Prize, Guardian Children’s Fiction Prize), für mich wirkte die Geschichte doch eher fad. Der Autor versucht ehrlich, sich in die Perspektive eines Kindes mit Asperger-Syndrom zu versetzen, aber am Ende gelingt ihm das ebensowenig wie der Versuch, als Mensch durch das Facettenauge eines Insekts zu schauen.

Wenig hilfreich auch die klischeehafte Detailverliebtheit in Zahlen und Logikrätsel, noch dazu, wenn dabei so dumme Fehler im Buch sind die falsche Höhenangabe eines Berges (Mt. Kinabalu).

Am Ende nicht überzeugend.

Khaled Hosseini – Kite Runner

Sunday, February 10th, 2013

Hosseini hat einen Roman über die jüngere afghanische Geschichte seit 1975 geschrieben. Es geht um ethnische Konflike in Afghanistan und die Kriege, die das Land seit Beginn der 1980er Jahre praktisch dauerhaft im Griff behalten und am Boden halten.

Sehr lebhaft wird die Geschichte erzählt aus der Ich-Perspektive des kleinen Amirs erzählt, der alleine mit seinem Vater in Kabul aufwächst.

Sehr lesenswert.

Clemens J. Setz – Indigo

Sunday, February 3rd, 2013

Setz schreibt in diesem fiktiven Roman über bestimmte Kinder, sog. “Indigo-Kinder”, die von Geburt an bei Ihren Eltern Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall bis hin zu multiplen Organschäden auslösen. Sehr geschickt verkehrt er die natürliche Anziehung zwischen Eltern und Kindern ins Gegenteil und spielt mit dieser Umkehrung.

Die Kinder werden in der Geschichte in einem Internat unterrichtet, in dem Genug räumlicher Abstand zwischen den Kindern und zu den Lehrern gewahrt wird, um die Übelkeit zu verhindern.

Immer wieder wird angedeutet, dass die Kinder auch zur Folterung von Gefangenen in Gefängnissen oder auch zur selbstgewählten Behandlung von Masochisten verwendet werden.

Was für mich bleibt ist eine eher wirre Geschichte. Wie ich finde nicht besonders gut geschrieben lebt sie vor allem vom Umkehren der natürlichen Anziehung zwischen Eltern und Kindern in Abstoßung. Ziemlich lahm.

Orhan Pamuk – Museum of Innocence

Sunday, January 27th, 2013

Pamuk schreibt in diesem Roman die bizarre Liebesgeschichte zwischen Kemal und seiner Cousine Füsun. Er, Anfang 30, aus wohlhabenden Verhältnissen, bereits CEO eines der Unternehmen seiner Familie und mit einer Verlobten in spe aus der gleichen Gesellschaftsschicht, trifft in einer kleinen Modebutik seine 18-jährige Cousine. Eigentlich wollte er seiner Verlobten in spe nur eine Handtasche kaufen, die sie im Schaufenster gesehen hatte. Aus einer spontanen Laune heraus verabredet er sich mit der Cousine, verführt sie bei der nächsten Gelegenheit.

Die beiden treffen sich fortan jeden Tag und er beginnt ein Doppelleben zu führen. Seine Verlobung findet wie geplant statt und am Tag der Verlobung zerreist die Liebe, die sich zwischen Kemal und seiner Cousine gebildet hat.

Unter dieser Trennung leidet er dermaßen, dass auch die Beziehung zu seiner Verlobten in die Brüche geht. Immer seltsamer und einsamer beginnt Kemal Füsun nach einiger Zeit bei ihren Eltern zu besuchen, wo sie mit ihrem Mann wohnt, den sie kurzer Hand heiraten musste, um die Schande vorehelichen Geschlechtsverkehrs zu kaschieren.

Über 8 Jahre besucht Kemal nun mehrmals jede Woche Füsuns Familie und entwendet Objekte aus dem Haushalt, die Füsun berührt hat. Daraus entsteht das Museum of Innocence, das Pamuk wirklich in Istanbul eröffnet hat und in dem er die Objekte aus dem Istanbul der 1970er Jahre ausstellt.

Nach 8 Jahren trennt sich Füsun schließlich von ihrem Mann und die Bahn ist frei für Kemal und sie zu heiraten. Doch genauso wie Kemal sie stets als Objekt und nie als Personal um ihrer selbst willen behandeln konnte, gelingt es auch auf ihrer großen Reise mit dem Auto nach Europa nicht und die Geschichte endet tragisch.

Michael Sandel – Justice: What’s the right thing to do

Sunday, January 20th, 2013

Sandel stellt sich und seinen Lesern genau diese Frage: Was ist “gerecht”, welche Verhaltensweisen sollten wir (in unserer Gesellschaft) fördern, welche sanktionieren? Er diskutiert diese Fragen im Spektrum Libertarismus und Utilitarismus und überlässt es dem Leser, eine Antwort auf die Fragen zu bilden; nur an wenigen Stelle bezieht er selbst Position.

Als Lektüre fand ich das Buch eher anstrengend. So anschaulich Sandels Beispiele sind (Darf eine andere Frau als die Mutter das Kind einer Familie austragen, wenn die eigentlichen Eltern unfruchtbar sind? Dürfen Verkäufer die Preise für Grundnahrungsmittel und Dienstleistungen in Katastrophengebieten anheben, wenn entsprechend Nachfrage ist?) so sehr wird man dadurch auch erschlagen. Weniger Beispiele und eine kompaktere Darstellung hätten die Lesbarkeit und den Transport der Gedanken wesentlich erleichtert.

Michael Woodford – Exposure: Inside the Olympus Scandal

Sunday, January 20th, 2013

Woodford wurde 2011 nach fast 30 Jahren als Angestellter beim japanischen Unternehmen Olympus dessen CEO – eine Ehre für einen britischen Staatsbürger in einem japanischen Unternehmen zu arbeiten.

Relativ schnell erfuhr er durch ein kleines unabhängiges Enthüllungsblatt von Vorwürfen gegen Olympus, in großem Umfang und über Jahrzehnte Verluste in Milliardenhöhe durch kostspielige Akquisitionen kaschiert zu haben. In diese Geschäfte, in die auch die japanische Mafia verstrickt war, war praktisch die gesamte Führungsriege von Olympus involviert, entweder federführend oder immerhin durch Mitwisserschaft.

Woodford konfrontierte seine Kollegen mit diesen Tatsachen und wurde dafür kurzerhand entlassen. In seinem Buch beschreibt er seinen Kampf mit Olympus, der auch nach seiner Entlassung weiterging und in dem er schließlich durch den Einsatz von Massenmedien Olympus dazu zwang, die Vorwürfe anzuerkennen und das Management auszuwechseln.

Spannende Lektüre, bei der man allerdings über Woodfords Selbstbeweihräucherung an mehr als einer Stelle hinwegsehen muss.

Tyler Hamilton – Die Radsport-Mafia und ihre schmutzigen Geschäfte

Saturday, December 15th, 2012

Hamilton, Zeitgenosse vom 7maligen Tour de France Sieger Lance Armstrong und über mehrere Jahre sein Teamkollege hat minutiös aufgeschrieben, wie das Doping im internationalen Profi-Straßenradsport in den 1990er und 2000er Jahren funktioniert hat.

Bevor es Tests für den direkten Nachweis von EPO gab wurde solange EPO gespritzt bis der Hämatokritwert sich möglichst nahe der 50er-Markte genähert hatte, damals von allgemein als Proxy für Doping mit EPO anerkannt. Als 2000 die ersten direkten Nachweisverfahren für EPO im Blut verwendet wurden, kam dann das Eigenblutdoping.

Aus psychologischer Sicht interessant fand ich vor allem die Schilderung, wie Hamilton selbst zum Doping gekommen ist. Von Hause aus sicherlich ein ehrlicher Typ, musste er bei seinen ersten Wettkämpfen in Europa mit ansehen, wie trotz seines harten Trainings alle anderen Teams an ihm vorbei fuhren und nach den Rennen ziemlich unverblümt weiße Tüten mit Medikamenten an die Spitzenathleten ausgeteilt wurden.

Nach all der Schinderei wollte er endlich auch zu dieser Gruppe gehören. Und da schließlich alle dopen hatte er das Gefühl nicht mehr zu betrügen als alle anderen. Und wenn schließlich alle betrügen, so sind wieder alle auf dem gleichen Level.

Interessante und spannende Lektüre.

Ueli Steck – 8000+ – Aufbruch in die Todeszone

Sunday, November 25th, 2012

Ueli Steck, wohl einer der bekanntesten Extrembergsteiger der Gegenwart, schreibt ziemlich kurzweilig über die vergangenen 10 Jahre, in denen er über Free-Solo-Klettertouren zu Solo-Begehungen an den 8000ern im Himalaya gekommen ist.

So spektakulär wie seine Aktionen sind, so nachdenklich stimmt ihn der schwere Unfall seiner Frau bei einer einfachen Wandertour in den Alpen. Offenbar aber nicht lange, denn bald danach kommt seine nächste 8000er-Solo-Begehung. Eine Frage auf das “Warum?” des Extrem-Bergsteigens gibt es in diesem Buch nicht – wenn es sie überhaupt gibt.

Spannende und kurzweilige Lektüre, die sich locker in einem Nachmittag lesen lässt.