Archive for the ‘20.’ Category

Joe Simpson – Touching the Void

Friday, March 29th, 2013

Der Autor beschreibt eine Erstbesteigung eines 6000ers in Peru. Bereits auf dem Aufstieg von schlechtem Wetter überrascht und mit zu wenig Nahrung und Gas zum Schmelzen von Trinkwasser stürzt Joe Simpson auf dem Abstieg und bricht sich ein Bein. Über 1000 Meter wird er von seinem Kletterpartner Simon abgeseilt, bis er in der Nacht und bei Schneesturm über einen Überhang stürzt und im Seil hängen bleibt. Nach zwei Stunden verlassen Simon die Kräfte und er droht ebenfalls abzustürzen. Er entscheidet sich, das Seil zu Simpson zu durchtrennen, um wenigstens sein eigenes Leben zu retten.

Joe Simpson stürzt in eine Gletscherspalte. Stark dehydriert und mit mehrfach gebrochenem Bein gelingt es ihm alleine über den Gletscher humpelnd und kriechend zurück zum Lager zu gelangen, wo ihn seine Freunde fassungslos entdecken.

Im Buch geht es vor allem um zwei Dinge:

1. Den unglaublichen Überlebenswille von Joe Simpson, der ihn trotz nahendem Erfrierungstod, völliger Entkräftung und starker Fraktur dazu bringen, über mehrere Tage ohne Nahrung und Flüssigkeit über den Gletscher zurück zum Lager zu gelangen.

2. Das moralische Dilemma seines Freundes Simon, der das Seil durchtrennt hat, um zumindest sein eigenes Leben zu retten in der festen Annahme, dass er Joe nicht retten kann. Die Aussagen dazu wiederholen die Rechtfertigung so oft, dass die Entscheidung für beide immer bleiben wird, was sie ist: ein Dilemma.

Faszinierende Lektüre!

Bryan Burrough, John Helyar – Babarians at the Gate: The Fall of RJR Nabisco

Sunday, January 20th, 2013

In diesem Buch geht es um die Ära der großen LBOs und den größten LBO aller Zeiten, den Fall RJR Nabisco.

Damals entschied das Management und allen voran der CEO, einen LBO zu wagen. Was sich danach entspann und was die Autoren meisterhaft und in vielen Details erzählen ist ein Krimi um die Angebote zwischen verschiedenen Parteien, die alle auf einen Teil vom Kuchen spekulierten: Die Investmentbanken, die Anwaltskanzleien und letztlich das Management von RJR Nabisco selbst.

Sehr spannende Einführung in das Thema LBOs!

Arthur Miller – Death of a Salesman

Saturday, September 29th, 2012

Auf Empfehlung von “Dr. Bilet aus der Zentrale” ist dieses Theaterstück auf meinem Kindle gelandet.

Miller schreibt über den amerikanischen Traum von wirtschaftlichem Erfolg, vom Erfolg der Familie, insbes. der Kinder und seinem Scheitern. Willy, der Protagonist und Handlungsreisende, ist krankhaft ehrgeizig und kompetetiv. Seine Kinder Biff und Happy liebt er über alles und will sie beeindrucken, obwohl sein Geschäft nicht so gut läuft, wie er selbst gerne glauben würde.

Nur um den Schein seines Erfolgs aufrecht zu erhalten leht er Jobangebote ab, auch dann noch, als er selbst bereits keinen Job mehr hat.

Am Anfang wie am Ende steht er vor dem Scherbenhaufen seines Lebens, das eigentlich ein Erfolg hätte sein können, wenn er es nicht mit Borniertheit und seinem Ehrgeiz für sich und seine Familie zu einem ständigen Wettlauf gemacht hätte, bei dem schließlich alle verloren haben. Der Unterschied ist, dass er am Ende der Handlung – nur 24 Stunden nach ihrem Beginn – diesen Scherbenhaufen selbst sieht und im Suizid den Ausweg sucht.

Paul A. Samuelson & William A. Barnett – Große Ökonomen im persönlichen Gespräch

Sunday, December 4th, 2011

Dem Buch liegt eine eigentlich gute Idee zugrunde: Kapazitäten auf dem Gebiet der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre interviewen sich in vertraulichen Gesprächen.

Für jemanden, der wie ich keines der beiden Fächer studiert hat, ist das Buch trotzdem praktisch unlesbar, da praktisch auf jeder Seite Bezug auf Theorien und Personen genommen wird, die ich nicht kenne.

Chinua Achebe – Heimkehr in ein fremdes Land

Sunday, December 4th, 2011

Achebe schreibt über einen Nigerianer, der nach seinem Studium in England in sein Land zurück kehrt, um dort für die Regierung aktiv zu werden.

Eigentlich ein ehrlicher Mensch, wird er dennoch schnell Teil der korrupten Administration, was ihn schließlich zu Fall bringt.

Haruki Murakami – Naokos Lächeln

Monday, May 2nd, 2011

Sehr einfühlsam – aber zum Glück nicht gefühlsduselig – beschäftigt sich Murakami mit (Jugend-)Liebe und Tod; Freud hätte seine Freude daran gehabt.

Der Protagonist Toru Watanabe verliert erst seinen engen Jugendfreund noch während der Schulzeit. Später, während des Studiums, kommt er mit dessen Jugendliebe Naoko zusammen, die von Depressionen und Suizidgedanken gequält wird, sodass sie schließlich ihr Studium abbrechen und in dauerhafte psychologische Behandlung muss.

Dort besucht er sie mehrmals in der Hoffnung, dass sie eines Tages ein glückliches gemeinsames Leben führen können. Während Torus Hoffnungen immer größer werden und er am Rande von Tokyo bereits ein kleines Häuschen samt Katze und Garten bezogen hat, in das Naoko nur noch einziehen muss, dreht sich für Naoko die Spirale nach unten; am Ende begeht sie Selbstmord.

Parallel ist es auch eine Geschichte über die Liebe zu mehreren Frauen, denn Toru verbringt mehr und mehr Zeit mit seiner Komilitonen Midori. Sie ist das Gegenteil von Naoko: schrill, kaum berechenbar, launisch. Toru ist zwischen beiden hin- und hergerissen, zwischen Naoko und Midori, zwischen Tod und Leben, bis er schließlich realisiert, dass Naoko tot und Midori lebendig ist.

Yann Martel – Life of Pi

Tuesday, April 26th, 2011

Martel erzählt die Fiktion des indischen Jungen Pi Patel, der als einziger Überlebender eines Schiffsunglücks mehr als 200 Tage in einem Rettungsboot mit einem bengalischen Tiger, einer Hyäne, einer Ratte und einem Zebra auf dem Pazifik überlebt, bis er schließlich in Mexiko an Land gespült wird.

Martel gelingt es, die Geschichte so zu erzählen, dass die Grenze zwischen dem, was realistisch ist und der Fiktion sehr unscharf ist. Ganz bewusst spielt er mit diesem Gegensatz.

Einfallsreich ist auch seine Auseinandersetzung mit den Weltreligionen Hindusismus, Christentum und Islam: Der Protagonist der Geschichte sieht sich außer Stande, sich zu nur einer der drei zu bekennen und glabt und praktiziert statt dessen alle drei. Natürlich sind die Vertreter der Religionen nicht begeistert davon, aber so richtig erklären kann ihm niemand, warum es nicht möglich sein sollte, nicht an alle drei auf einmal zu glauben.

Ein faszinierender Roman.

Elif Schafak – Der Bonbonpalast

Tuesday, April 26th, 2011

Schami erzählt Geschichten aus dem Istanbul der Moderne, einer brodelnden Stadt zwischen Tradition und Neuzeit, mit verschiedenen Menschen mit verschiedenen Marotten.

Leider hat mich die Lektüre nicht sehr angesprochen – was durchaus an mir liegen kann.

Jane Hamilton – A Map of the World

Monday, February 28th, 2011

Die Autorin setzt sich damit auseinander, wie schnell das sicher geglaubte familiäre Idyll der amerikanischen Mittelschicht zerbrechen kann. Zuerst ertinkt die Tochter einer Freundin im Teich auf dem Grundstück. Wenig später wird die Protagonistin des sexuellen Missbrauchs von Kindern in der Schule angezeigt, in der sie jahrelang als Schulkrankenschwester gearbeitet hat.

Das alles klingt etwas seifig und eigentlich eher wie der Stoff eines Groschenromans. Hamilton gelingt aber der Versuch, sich mit dem Vorwurf des sexuellen Missbrauchs auseinanderzusetzen, der im Fall der Protagonistin zu einer Art Hexenjagd führt, ohne dass sie irgendeine Schuld trägt.

Nachdem ich das Buch mit einigen Vorbehalten in der Bibliothek von Safety Harbor für $2 gekauft hatte, bereue ich das jetzt kein bisschen.

Jurij Trifonow – Das Haus an der Moskwa

Friday, December 3rd, 2010

Trifonow schreibt über Opportunismus, Kaltblütigkeit und die Mechanismen von Verdrändung und Verläugnung der eigenen Geschichte.

Glebow, Sohn aus einfach und ärmlichen Verhältnissen verlebt den größten Teil seiner Kindheit in Moskau vor Beginn des 2. Weltkriegs. Dort schielt er immer wieder hin zu den Menschen, die mehr haben als er und seine eigene Familie, die in ziemlich ärmlichen Verhältnissen leben.

Später, als Student der Literaturwissenschaften, baut er systematisch die Beziehung zu einem seiner Professoren auf, der der Vater einer bereits fast vergessenen Freundin aus der Schulzeit ist. Immer enger wird er in die Familie des Professors aufgenommen und Glebow schreckt auch nicht davor zurück, die Jugendliebe der Tochter Julia für sein Fortkommen zu nutzen.

Das alles klingt furchtbar kalt und berechnend und die Frau des Professors durchschaut seine Motive auch und wirft sie ihm vor, aber ganz so einfach ist es dann auch wieder nicht. Glebow mag Sonja, die Tochter des Professors wirklich, auch wenn er bald merkt, dass diese Liebe seinerseits wohl nicht von Dauer sein wird.

Kalt berechnend seine eigenen Karrierechancen taxierend entschließt sich Glebow, den Professor – seinen Schwiegervater in spe – bei einer Intrige an der Universität nicht zu unterstützen. Diese Entscheidung wird sich im Verlauf seiner Karriere positiv für ihn auswirken, während der Professor als gebrochener Mann leben muss und die Tochter Sonja Selbstmord begeht, nachdem Glebow die Beziehung beendet hat.

Trifonow analysiert hier meisterhaft, wie Menschen vor ihrem eigenen Gewissen mit Leichen im eigenen Keller – sprichwörtlichen und echten – umgehen bzw. vermeiden, mit ihnen umgehen zu müssen. Für mich ist die Klarheit seiner Analyse die größte Stärke des Romans, der mich ansonsten nicht so sehr angesprochen hat.