Archive for the ‘Krimi’ Category

Henning Mankell – Mittsommermord

Tuesday, September 15th, 2009

Die Kriminalromane von Mankell sind mir immernoch ein Rätsel. Normalerweise fasse ich Krimis nicht einmal mit der Kneifzange an, weil sie mir einfach zu langweilig sind. Bei Mankells Wallander-Romanen kann ich gar nicht sagen, was es ist, das sie für mich spannend macht. Trotzdem, es fiel mir schwer, sie nach der morgendlichen Zugfahrt einfach wegzulegen und bis abends zu warten.

Wahrscheinlich braucht es noch ein paar mehr Exemplare aus der Serie, bis ich verstehe, woran es liegt. ;-)

Orhan Pamuk – Rot ist mein Name

Wednesday, July 30th, 2008

Pamuk schreibt hier eine Geschichte der Buchillustratoren-Kunst des nahen Ostens in Romanform. Facettenreich und schillernd nimmt er den Leser mit in eine ganz andere Welt, die Welt der Illustratoren, die eitel und eifersüchtig darauf aus sind, sich die Gunst ihrer Meister und die Unterstützung ihrer mächtigen Auftraggeber, der Schahs und Paschas zu bewahren.

Seine Erzähltechnik ist dabei ganz anders, als ich es gewohnt bin. Statt eines allwissenden Beobachters oder eines Icherzählers darf hier zur Abwechslung jeder der Akteure mal in die Rolle des Icherzählers und gleich darauf wieder in die des lediglich von außen betrachteten Handelnden schlüpfen. Allein diese Erzähltechnik macht das Buch schon lesenswert. Wenn die Monade schon keine Fenster hat, so muss der Leser halt in sie hineinschlüpfen.

Pamuk wendet diese Erzähltechnik auch in schelmischer Weise an, etwa wenn er den ermordeten Illustrator auch nach seinem Ende, das er in einem alten Brunnen findet, noch weitererzählen lässt. Oder wenn gar die Karrikatur in einem beliebten Kaffeehaus selbst zu sprechen beginnt.

Zur gleichen Zeit ist Pamuks Roman auch eine Kriminalgeschichte, die sich um die Aufklärung des Mordes dreht, eine Liebesgeschichte zwischen Seküre und Kara, der von seinem ehemaligen Oheim nach 12 Jahren aus der Fremde gerufen wird, um die Arbeit an einem Buch für den Pascha zuende zu bringen, ein historischer Roman über die Buchillustrationskunst und nicht zuletzt auch ein kunsthistorischer Roman, der die verschiedenen Darstellungstechniken in Morgen- und Abendland gegenüberstellt.

Carlos Ruiz Zafón – Der Schatten des Windes

Monday, May 14th, 2007

Zafón schreibt eine Geschichte über das Barcelona nach dem 2. Weltkrieg. Die Wunden aus der Bürgerkriegszeit und dem 2. Weltkrieg sind noch immer offen, obwohl der Krieg längst vorbei ist.

Die Rahmenhandlung bildet eine Kriminalgeschichte, in die der Protagonist Daniel, Sohn eines Bücher-Antiquars mehr zufällig hineingezogen wird. Ziemlich spannend und doch sehr nachdenklich gegenüber den Greultaten während und nach dem Krieg. Dabei jedoch nie von einem hohen moralischen Podest herab. Beeindruckend.

Johannes Mario Simmel – Es muss nicht immer Kaviar sein

Tuesday, April 10th, 2007

Es ist die Geschichte vom Agenten Thomas Lieven, der in den Wirren des 2. Weltkriegs ein wahrhaft achterbahnartige Karriere als Angestellter der Geheimdiensten so ziemlich aller am Krieg beteiligter Länder macht.

Simmel behauptet, dass diese Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht, was naturgemäß schwer nachprüfbar ist. Sachhaltigkeit hin oder her: Es ist eine spannende Agentengeschichte, z.T. etwas übertrieben, wenn mal wieder vom “Superagenten” Lieven die Rede ist, manchmal etwas naiv, wenn von den guten Taten des Protagonisten berichtet wird, die er als Sonderführer für den Nachrichtendienst der Nazideutschen vollbracht hat (oder haben will).

Angenehm zu lesen sind die etwa 600 Seiten aber allemal.

Don DeLillo – Libra

Thursday, August 10th, 2006

DeLillo hat sich das Attentat auf John F. Kennedy als Stoff vorgenommen. Auf 575 Seiten verwebt er historische Fakten und Fiktion zu einer Verschwörungsgeschichte, in der CIA-Veteranen einen Mordkomplott gegen den Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika aushecken.

Die Geschichte wirkte auf mich an vielen Stellen nicht schlüssig. Die Verschwörung erscheint als zu gewollt. Als Motiv wird die gescheiterte Landung in der Schweinebucht auf Kuba angeführt, die altgediente CIA-Mitarbeiter auf Rache sinnen lässt. Für mich hat der Plot viele Lücken gelassen. Viel Zeit (des Lesers) wird auf die Biographie des Attentäters Lee Harvey Oswald verwendet. Trotzdem wird nie schlüssig, warum er bereit ist, den amerikanischen Präsidenten zu erschießen.

Fazit: Für mich das letzte Buch, das ich von DeLillo gelesen habe.

Helge Schneider – Zieh dich aus du alte Hippe

Friday, August 4th, 2006

H.-G. lieh mir dieses Buch vor einiger Zeit. Bis gestern Abend war es unter einem Berg Lektüre für meine mündliche Abschlussprüfung im Magisterstudiengang Philosophie begraben.

Die ist die Neigung zu Helge Schneiders Humor ist wahrscheinlich binär: Entweder, man mag seine Art absurden Humor, oder man mag ihn eben nicht. Ich mag ihn und damit auch diese Kriminalgeschichte.

Der Protagonist ist Kommissar Schneider, der eine Mordserie aufzuklären hat, in der der Mörder sein Opfer kurz vor dem Tod mit den Worten “Zieh dich aus du alte Hippe” nötigt, sich freizumachen. Kommt das Opfer dieser – zugegeben nicht besonders höflichen – Aufforderung nicht nach, wird es mit einer aufgeschnittenen Hundefutterdose umgebracht. Gleich zu Anfang der Geschichte stirbt einer der Mörder an einem Wespenstich. Spätestens an dieser Stelle wird die Geschichte kompliziert und der Täter unklar – wie es sich für einen “richtigen” Kriminalroman gehört.

Praktisch kein Satz kommt ohne den typischen Schneider-Humor aus, so z.B. dieser: “… denn der Tote hatte überhaupt keinen Unterleib mehr, statt dessen ragte das letzte Ende des Rückrats alleine raus, und daran war eine bunte Schleife befestigt mit der Aufschrift: ‘Er war ein langweiliger Skatbruder!’ ” (S. 34)

Fazit: Ideale Zerstreuung für Fans von Schneider, sonst wohl ungenießbar.

Henning Mankell – Der Mann, der lächelte

Saturday, April 29th, 2006

Es passiert so selten, dass ich Kriminalromane lese, dass ich bisher noch keine eigene Kategorie dafür im Blog geschaffen habe. Ich glaube, Dürrenmatts Der Richter und sein Henker war der letzte, und das liegt 14 Monate zurück.

Mankell scheint mit seinen Büchern international auf großes Interesse zu stoßen, seine Krimis über Komissar Wallander gehören zu den derzeit am meisten gelesenen Krimis überhaupt in Deutschland. So wirbt dieser Band denn auch mit dem Untertitel “Vierter Wallander-Roman”.

Wallander ist ein schwedischer Kriminalkommissar, sein Fachbereich die Aufklärung von Morden. Zu Anfang der Geschichte ist er allerdings selbst damit beschäftigt, seinem Leben ein vorzeitiges Ende zu bereiten, indem er seine Depressionen in Alkohol ertränkt. Er hat in Notwehr einen Menschen erschossen und kommt darüber nicht hinweg. Seit einem Jahr ist er schon krank geschrieben und hat inzwischen die Entscheidung getroffen, frühzeitig in den Ruhestand zu treten, als einer seiner wenigen Freunde, ein Anwalt aus dem gleichen Städtchen Ystad, aufsucht und um seine Hilfe bittet.

Der Anwalt, der zusammen mit seinem Vater eine Kanzlei betreibt, kann nicht daran glauben, dass sein Vater bei einem Autounfall ums Leben gekommen sein soll, wie alle – auch die Polizei – annehmen. Vorher sei der Vater unruhig, fast ängstlich gewesen. Kurze Zeit später wird der Sohn – diesmal offensichtlicher – von drei Schüssen getötet in der Kanzlei aufgefunden. Wenig später entdeckt Wallander im Garten der Sekretärin eine Tretmine und sein eigenes Auto geht durch eine Autobombe in Flammen auf, die um ein Haar ihn und eine junge Kollegin das Leben gekostet hätte.

Die Ermittlungen sind schwierig und konzentrieren sich immer mehr auf einen Wirtschaftsmagnaten, der nicht weit von Ystad sein Geschäftsimperium von seinem Schloss aus kontrolliert. Die Hinweise verdichten sich dahin, dass er hinter dem Handel mit Organen vorher auf Bestellung ermordeter aus Afrika und Südamerika steckt.

Am Ende erhält die Geschichte einen Plot, der für einen Actionfilm geeignet ist, mit dem blutverschmierten Wallander (Bruce Willis), der auf dem Rollfeld des Flughafens mit einem Kofferwagen das startende Flugzeug des flüchtenden Bösewichts unsanft zum stoppen zwingt.

Fazit: Spannende Geschichte, aber auch nicht mehr.

Dürrenmatt – Der Richter und sein Henker

Sunday, February 20th, 2005

Kriminalroman, unterhaltsam aber nur mäßig in der Zeichnung der Charaktäre.