Amos Oz – Ein anderer Ort
Wednesday, November 21st, 2007Trotz des nicht abreißenden Stroms neuer Bücher durch das Abo der Bände 51-100 der SZ-Bibliothek komme ich in letzter Zeit nicht mehr so recht dazu Romane zu lesen. Für die gut 400 Seiten von Oz habe ich ziemlich lange gebraucht. Vielleicht lag es aber auch daran, dass der Stoff mich nicht so recht zu fesseln vermochte.
Oz schreibt über das Leben in einem israelischen Kibbuz im Nordosten des Landes. Die Geschichte spielt sich fast ausschließlich in dieser für die meisten Mitglieder mehr oder weniger hermetisch abgeschlossenen Siedlung in unmittelbarer Nähe des Feindes ab. Die Araber beschießen dann und wann die Einwohner. Die Bedrohung bleibt aber weitgehend im Hintergrund, wird für den Lesen vielleicht in gleicher Weise verdrängt wie für die Einwohner, die mit diesem halb Krieg, halb Waffenstillstand zu leben gelernt haben.
Wie das in kleinen Gruppen so ist floriert auch im Kibbuz Mezudat Ram der Klatsch. Oz verwendet ihn aktiv, um seine Geschichte zu erzählen. Die Ansichten der unterschiedlichen Einwohner werden häufig – aber bei weitem nicht ausschließlich – an ihrem Klatsch zum Leser transportiert. Das ist auf der einen Seite eine interessante schriftstellerische Methode. Auf der anderen Seite ist durch die Natur des Kolportierten natürlich auch die Gefahr gegeben, nicht über das alltägliche hinauszukommen. Dieser Gefahr vermag der Autor nicht immer zu entgehen. Statt dessen muss der Leser mehr als einmal eine Erklärung über sich ergehen lassen, warum es statthaft ist, den Klatsch aufzuschreiben. Auf jeden Fall entsteht ein lebhafter, vielfältiger und schillernder Eindruck des alltäglichen Lebens. Der Konflikt mit den Arabern wird gestreift, aber nicht weiter ausgearbeitet. Das Verhältnis der vor den Nazis geflohenne Juden und deren in Israel geborenen Nachkommen zu Deutschland wird ebenfalls aus der sehr persönlichen Sicht von dem Besucher Sigfried aufgegriffen, der Befriedigung darin empfindet, in seinem Nachtclub in Deutschland ehemalige SS-Soldaten einzustellen, die nunmehr vor ihm als Besitzer stramm stehen müssen.
Irgendwie konnte ich mit dem Stil nicht so viel anfangen.