Chimamanda Ngozi Adichie – Americanah: Roman

September 21st, 2014

Adichie schreibt über das Aufwachsen in Nigeria, den Drang nach Westen, in die USA – das gelobte Land – und die Schwierigkeiten und den Rassismus, der ihr dort entgegenschlägt.

Schließlich gelingt es ihr, in Princeton ein Stipendium zu erhalten. Sehr reflektiert schreibt sie über diese Insel der Glückseligkeit in Mitten der USA, wo materielle Sorgen eigentlich gar nicht mehr existieren.

Letztlich zieht es sie aber doch zurück in ihre Heimat und so beschließt sie nach mehr als 10 Jahren, nach Nigeria zurück zu kehren. Ihr Beginn dort ist ähnlich schwierig wie in den USA.

Parallel dazu erzählt sie die Geschichte ihrer Jugendliebe, die sie nie vergessen kann, und der gesamten Geschichte einen Rahmen gibt.

Kurzweilig und nachdenklich.

Michael Lewis – Flash Boys: A Wall Street Revolt

September 21st, 2014

In diesem Sachbuch erklärt Michael Lewis die Welt des High Frequency Tradings. Sehr verständlich aufbereitet und spannend zu lesen.

Michael T. Kaufmann – Soros. The Life and Times of a Messianic Billionaire

September 21st, 2014

Kaufmann schreibt eine Biographie über den Investor und Philanthropen George Soros. Mit seinem Hedge Fonds sagenhaft reich geworden verfolgt Soros insbes. nach dem Zusammenbruch des Ostblocks eine Art eigene Außenpolitik, ohne dass er einen eigenen Staat hätte oder im Rahmen der normalen Politik handeln würde. Mit einem jährlichen Budweg von einer halben Milliarde US-Dollar – aus seinem Fonds – kann er über Jahre seine eigene politische Agenda shapen.

Spannende Lektüre.

Jeffrey Rothfeder – Driving Honda

September 21st, 2014

Rothfeder schreibt über die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte des japanischen Verbrennungsmotor, Motorrad und Automobilherstellers Honda. Lokalisierung statt Globalisierung, unkonventionelles Denken und eine Art “Obligation to dissent” bis zum letzten Arbeiter am Fließband haben Honda Produktivitätswerte ermöglicht, die nochmal weit über denen von Toyota liegen und dem Unternehmen eine Profitabilität weit über dem Industrieschnitt ermöglicht.

Im Buch sind viele Ideen, die mich neu über industrielle Massenproduktion haben nachdenken lassen. Sehr lesenswert.

Joe Simpson – This Game of Ghosts

August 23rd, 2014

In diesem Buch beschreibt Simpson autobiographisch sein Leben als Bergsteiger. Vermischt wird die Darstellung der Fakten immer wieder mit philosophischen Gedanken zum Bergsteigen und vor allem zum Tod. Bewegt durch den Tod vieler Bergsteigerfreunde entwickelt Simpson seine eigene Philosophie vom Leben beim Bergsteigen, dass durch Angst und Konzentration im – für ihn – Idealfall nur noch auf den Augenblick reduziert wird. Die unmittelbare Furcht vor dem Tod verdrängt alle bösen Erinnerungen, alle Sorgen um die nächste Rate für den zu zahlenden Kredit.

Für mich wirken diese Gedanken pathetisch und fern von der Lebensrealität. Allein schon für seine philosophischen Gedanken braucht Simpson ja ein Leben jenseits des Augenblicks, noch dazu, um darüber zu schreiben. Am Ende kommt es mir vor wie der hilflose nachträgliche Versuch einer rationalen Erklärung für eine Aktivität, die aus irrationalen Motiven heraus geboren wurde. Dass er Sartre dazu zitiert hilft seiner Sache auch nicht.

Steven Levitt, Stephen J. Dubner – Superfreakonomic

April 6th, 2014

Effektiv Teil 2 von “Freakonomics”, dem ersten populärwissenschaftlichen Titel und Bestseller über Microökonomie aus der Feder der gleichen Autoren. Wieder werden absurde Fragen gestellt: “Was haben Mt. Pinatubo und Al Gore gemeinsam?” – beide wirken gegen global warming.

Die zugrunde liegende Annahme aus dem 1. Buch – dass menschliches Verhalten durch Incentives gesteuert wird – wird in diesem Band immerhin noch um positive und negative Externalitäten erweitert.

Das Buch ist sicherlich unterhaltsam und kurzweilig geschrieben. Dennoch: die Inhalte werden nicht erschöpfend dargestellt sondern eher so, dass man damit bei einer Cocktailparty ein paar Gäste unterhalten kann – bis der nächste Gast zu der Runde dazukommt und mittem im Satz ein ganz neues Gesprächsthema beginnt.

Jared Diamond – Collapse

April 6th, 2014

Diamond geht in diesem Buch der Frage nach, warum Gesellschaften wie die Bewohner der Osterinsel oder die Maya in Mittelamerika als Hochkulturen Spuren hinterlassen konnten, die wir bis heute noch erkennen können und trotzdem kollabiert sind bis zu dem Punkt, dass von ihrer Zivilisation niemand mehr übrig geblieben ist.

Wie er anhand einer Reihe von Beispielen rekonstruiert, sind diese Desaster in aller Regel schleichend gekommen, sodass die Menschen der verschwundenen Zivilisation beispielsweise über Generationen einfach immer weiter ihren Wald abgeholzt haben, bis es am Ende gar keinen Ausweg mehr gab, auch noch den letzten Baum zu fällen.

Die Kulturen, die Diamond betrachtet sind immer mehr oder weniger isoliert gewesen und sind kollabiert, ohne andere Kulturen mit ins Verderben zu reißen. Es sind die Parallelen zu unserer globalen Kultur, die Auswirkungen unseres Handelns global macht, die das Buch ziemlich düster erscheinen lassen, wenn man das Gelesene auf die heutige Zeit projeziert.

Diamond spricht diese Parallele auch direkt an und weist darauf hin, dass es auch Kulturen gibt, die ein Einverständnis innerhalb ihrer Gesellschaftsordnung gefunden haben, um bspw. den Wald nachhaltig zu bewirtschaften (Japan, Deutschand).

Sehr lesenswert.

Jill Hedges – Argentina: A Modern History

January 11th, 2014

Als Vorbereitung für den Bergsteigerurlaub in Argentinien habe ich diese Geschichte vom modernen Argentinien der letzten 150 Jahre durchgearbeitet.

Wenn auch nicht so spannend geschrieben wie Yergins Prize hat mir das Buch doch sehr geholfen, aktuelle Phänomene wie die massenhaften Plünderungen von Supermärkten auf Grund eines Streiks der Polizeikräfte, die kurzerhand in den Polizeistationen geblieben sind, in den letzten Wochen von 2013 ein bisschen besser einordnen zu können.

Spannend war auch die Geschichte von Peron und Evita, die bisher lediglich Namen für mich waren.

Daniel Yergin – The Prize: The Epic Quest for Oil, Money & Power

January 11th, 2014

Yergin schreibt die Weltgeschichte der letzten 150 Jahre aus Sicht des Öls, das seither die Weltwirtschaft angetrieben hat.

Er beginnt mit den ersten Ölfunden in den USA und dem Wechsel von Kerzen zu Petroleumlampen. Der nächste große strategische Meilenstein war dann die schicksalhafte Entscheidung Churchills, die britische Flotte von Kohle auf Ölantrieb umzurüsten. Dadurch wurden die Schiffe deutlich schneller, England aber auch abhängig von Ölreserven. Aus dieser Entscheidung heraus entwickelte sich die heutige Machtverteilung im mittleren Osten mit Hegemonen in Saudi Arabien, Irak und Iran.

Letztlich laborieren wir heute noch mit der Frage, wie wir die zuverlässige Versorgung mit Erdöl sicherstellen können, das nicht ausreichend in der westlichen Welt zur Verfügung steht, aber notwendige Voraussetzung für das Funktionieren unserer modernen Industriegesellschaft ist.

Yergin hat keine Antwort auf die offenen Fragen wie Energiesicherheit und Klimawandel. Aber mit seinem Buch wollte er ein Framework liefern, um darüber nachzudenken. Das ist ihm gelungen. Nebenbei hat es auch noch Spaß gemacht, die fast 1.000 Seiten geschichtlicher Lektüre durchzuarbeiten.

Joe Simpson – The Beckoning Silence

January 11th, 2014

Simpson, der mit Touching the Void berühmt geworden ist, setzt sich in diesem autobiographischen Buch mit der Frage auseinander, warum er immer wieder sein Leben riskiert, wenn er zum Klettern in die Berge geht.

Die Frage ist ja durchaus berechtigt, über seine eigene Biographie hinaus. Seine Erklärung ist dennoch eine persönliche, die er aber zu verallgemeinern versucht: Er meint, dass Menschen – und die Menschheit selbst – über sich hinauswächst, wenn sie neue, schwierige Dinge versucht. Dieses Wagnis, auch wenn es das Leben kosten kann, idealisiert und verklärt er und spült die Risiken mit romantischen Betrachtungen der Natur in den Bergen weich und zitiert fleißig biographische und autobiographische Berichte von Bergsteigerlegenden wie Mallory und Bonetti.

Sein Versuch einer konsequenten Erklärung dafür, dass jedes Jahr Menschen ohne zwingende Veranlassung in die Berge fahren und ihr Leben lassen, muss zwangsläufig scheitern.

Dieses Scheitern spiegelt sich auch in seiner Geschichte von der letzten großen Bergtour wieder, nach der er die Bergsteigerei sein lassen will. Die vielen Todesfälle unter seinen Bergsteigerfreunden lassen Zweifel an seinem Tun in ihm wach werden und er beschließt, zum Abschluss ausgerechnet noch die Eiger-Nordwand zu versuchen. Der Versuch scheitert, eine andere Seilschaft verunglückt tödlich. Das Buch endet mit der Aussicht darauf, es im nächsten Sommer wieder zu versuchen.

All seine rationalen Abwägungen zu Risiken und verlorenen Freunden verblassen hinter seiner eigenen Begeisterung fürs Bergsteigen und – unausgesprochen – macht er wider alle Vernunft genauso weiter wie vorher.